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„Open Library“ : Wie eine Bücherei ohne Personal auskommt

Kontrolle: Rotes Leuchten und ein Signalton zeigen an, wenn Bücher unregistriert aus der Bibliothek gebracht werden sollen Bild: Michael Braunschädel

Eine Stadtteilbücherei mitten in Deutschland erprobt das Konzept der „Open Library“ und will damit Vorbild sein. Die Bücher sind auf eine besondere Weise gegen Diebstahl gesichert.

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          Zum Vorreiter hierzulande will die Stadtteilbücherei in Ober-Erlenbach werden. Und zwar mit moderner Digital-Technik: In dem Bad Homburger Stadtteil wird das Konzept der „Open Library“ erprobt. Das bedeutet: Nutzer dürfen sich, sofern sie einen Leseausweis haben, an den Regalen bedienen und anschließend die ausgesuchten Bücher an einem Terminal selbständig auf ihr Lesekonto buchen. Bibliothekare müssen in einer solchen offenen Bücherei nicht mehr anwesend sein. Auch bei der Rückgabe sind die Leser auf sich gestellt. An der Rückgabestation legen sie die Bände auf ein Förderband, auf dem sie im Inneren eines Apparats verschwinden. Um Zerstörungen und Diebstahl vorzubeugen, werden die Räume der Bücherei mit Kameras überwacht. An jedem Buch ist ein Chip angebracht. Wird es aus der Bibliothek getragen, ohne es auf ein Ausleihkonto zu buchen, wird das von einer Antenne am Ausgang registriert, und es ertönt ein lauter Alarmton.

          Jan Schiefenhövel
          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Eingeführt wird die Neuerung mit dem Umzug der Stadtteilbücherei. Bisher war sie im alten Rathaus von Ober-Erlenbach untergebracht. Jetzt ist sie im Oberhof zu finden, wo sie von Dienstag an dienstags bis donnerstags von 9.30 bis 19 Uhr geöffnet ist. Unter dem offenen Dachstuhl hat die Bücherei viel Platz.

          Öffnungszeiten ohne Personal

          Der Oberhof an der Burgholzhäuser Straße war einmal ein landwirtschaftliches Gut, nun soll sich das historische Gebäudeensemble mit einem schönen Innenhof zum Treffpunkt des Stadtteils entwickeln. Neben der Stadtteilbücherei ist das Jugendzentrum eingezogen, das im Obergeschoss über einen direkten Zugang zur Bücherei verfügt. Nach den Plänen der Stadtverwaltung werden noch Galerien und ein Hofladen folgen. Neben den Gebäudeflügeln des Gutshofs sind schon Neubauten mit Apartments für das Mehrgenerationenwohnen entstanden.

          Im Oberhof hat die Stadtteilbücherei deutlich mehr Platz als am bisherigen Standort, wie Klaus Strohmenger sagt, Leiter der Bad Homburger Stadtbibliothek. Das System der „Open Library“ ermöglicht längere Öffnungszeiten, weil nicht immer Personal gebraucht wird. Anfangs werden allerdings in einer Übergangsphase die Leser nicht allein gelassen.

          Die Öffnungszeiten ohne Personal sollen mit der wachsenden Erfahrung der Nutzer ausgeweitet werden. Das Konzept der Selbstbedienung hat sich nach Strohmengers Worten in Dänemark schon seit 20 Jahren bewährt, vor allem in kleinen Gemeinden gebe es eine gute soziale Kontrolle. Auch in norddeutschen Städten stehen schon Büchereien ohne Personal zur Verfügung, Vandalismus gebe es dort nicht.

          In Ober-Erlenbach dürfen Leser im Alter von 16 Jahren an die Bücherei nach dem neuen Prinzip benutzen. Der Bibliotheksausweis öffnet die Eingangstür. Beleuchtung und Heizung in den Räumen werden automatisch gesteuert. Wenn sich das Konzept bewährt, könnte die Bücherei im Oberhof den Lesern künftig theoretisch 24 Stunden am Tag zur Verfügung stehen.

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