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Buchhandel : Lauter kleine Amazonen

Bücher und was es sonst noch alles gibt: Große Ketten bieten nicht nur Bücher an. Bild: dpa

Der Buchhandel kämpft gegen die großen Internetversandhändler. Dabei erprobt er sich selbst als digitaler Kundenberater.

          Bücher gehören zu den beliebtesten Waren im Internet. Nach einer vor kurzem veröffentlichten Studie des Kommunikations-Branchenverbands Bitkom haben schon 32,3Prozent aller deutschen Internetnutzer mindestens einmal Bücher im Netz gekauft. Vor Romanen, Sachbüchern und Ratgebern rangieren damit nur Eintrittskarten (39,5Prozent), Flugtickets (38,2Prozent) und Musik in unterschiedlichen Formaten (36,6Prozent).

          Florian Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Allein im vorigen Jahr ist der Online-Umsatz auf dem Buchmarkt nach Angaben des Börsenvereins um fünf Prozent gestiegen. Am Gesamtumsatz der Buchbranche hat er mittlerweile einen Anteil von fast 15Prozent. Der Anteil des stationären Buchhandels fiel gleichzeitig zum ersten Mal auf weniger als 50Prozent. Zudem kommt der im Netz erzielte Umsatz zum großen Teil Internetversandhändlern wie dem Branchenriesen Amazon oder den großen Buchhandelsketten zugute; die unabhängige Buchhändler spielen fast keine Rolle.

          Rund die Hälfte im Internet

          Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, wurde deswegen vor einigen Wochen in Frankfurt deutlich. Dem stationären Buchhandel müsse es gelingen, seinen Ruf als guter Kundenberater auch in das Internetgeschäft zu übertragen. Der Kunde müsse an Internetseiten so gebunden werden wie an den Buchladen seines Vertrauens. Schließlich gebe es Stärken, auf die man sich besinnen könne: „Jeder einzelne Buchhändler kann viel mehr als Amazon.“

          Was viele der kleinen Betriebe der Branche aus zeitlichen, personellen oder technischen Gründen stark fordert, klappt überraschend gut. Eine Umfrage des Börsenvereins unter 3296 Buchhandlungen ergab in diesem Jahr, dass inzwischen schon rund die Hälfte aller deutschen Buchhändler im Internet für ihre Kunden erreichbar ist und außer der Möglichkeit zur Recherche und Bestellung rund um die Uhr auch den Versand der bestellten Ware nach Hause anbietet. Nur 34Prozent der Buchhandlungen sind der Studie zufolge im Netz noch gar nicht präsent.

          „Manches muss man zur Sicherung der Substanz einfach machen“

          Dem Börsenverein ist das noch zu viel. Dass sich, macht man die Rechnung von der anderen Seite auf, insgesamt noch immer fast 50Prozent der Buchhändler Umsatzchancen im Internet entgehen lassen, will der Verband nicht hinnehmen. Auch die im Juni am Rande der Buchtage in Berlin von mehreren Buchhändlern begründete Standortmarketing-Kampagne „Buy local“ nimmt nur Mitglieder auf, die über eine eigene Internetseite mit Webshop verfügen. „Die Qualität, die stationär gefordert wird, muss auch für den Online-Auftritt gelten“, heißt es auf der Internetseite www.buylocal.de.

          Ähnlich sieht es Karin Lademann, Leiterin der Buchhandlung Carolus in der Frankfurter Innenstadt. Ohne Internetauftritt gehe es nicht. „Manches muss man zur Sicherung der Substanz einfach machen.“ Seit dem Frühjahr habe die Buchhandlung im Netz ihre eigene Seite. Ihren wichtigsten Effekt, den der vom Börsenverein verlangten Kundenbindung, habe sie schon entfaltet: „Die Seite wird vor allem von unseren Stammkunden besucht.“ Für diese sei sie ein gerne genutzter zusätzlicher Service. Die meisten bestellten Bücher holten sich die Kunden allerdings noch immer im Geschäft ab. Das ist ganz in Lademanns Sinn. „Ich möchte, dass mein Kunde in den Laden kommt.“ Dort kaufe er nicht nur zielgerichtet, sondern lasse sich vom Angebot überraschen, gehe also womöglich nicht nur mit einem Buch, sondern mit mehreren Bänden nach Hause.

          Wettbewerbsvorteil bei den Etablierten

          Solche Chancen des Handels über mehrere Verkaufskanäle kennt man bei Hugendubel, einer der beiden großen deutschen Buchhandelsketten, schon länger. Der Filialist legt beim Kampf gegen Amazon, in dem zuletzt vor allem der Ketten-Konkurrent Thalia Federn lassen musste, Wert darauf, die Kunden sowohl über eigene Läden als auch über die vor zwei Jahren runderneuerte zentrale Internetseite an sich zu binden. Bei Hugendubel nimmt man das Thema so wichtig, dass Anfragen dazu nicht in einer der Filialen im Rhein-Main-Gebiet, sondern von der Münchner Zentrale beantwortet werden.

          Nina Hugendubel, geschäftsführende Gesellschafterin des Unternehmens, sieht in der bei Hugendubel schon etwas länger eingespielten Verbindung von stationärem Geschäft und Internethandel einen klaren Wettbewerbsvorteil. „An Multichannel-Angeboten führt schon heute kein Weg mehr vorbei.“ Das Online-Geschäft hat nach ihren Angaben bei Hugendubel inzwischen eine „sehr relevante Größe“ erreicht und wachse weiter.

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