https://www.faz.net/-gzg-9yo7g

Buchhandel in der Corona-Krise : Noch mal davongekommen

In der Buchhandlung Land in Sicht dürfen sich nur wenige Kunden gleichzeitig aufhalten. Bild: Cabrera Rojas, Diana

Da ist er ja wieder, der Buchhandel. Ganz weg war er nie – vier Wochen lang wurde hinter den Schaufenstern eifrig verpackt und ausgeliefert. Jetzt haben die Geschäfte wieder auf. Höchste Zeit, denn es muss Geld her.

          4 Min.

          Der erste Kunde kommt um kurz nach zehn. Da hat die Buchhandlung Land in Sicht an der Rotteckstraße im Frankfurter Nordend gerade aufgemacht. Zwei Schiefertafeln weisen die Besucher ein. „Einbahn“ steht auf der einen, die die Kunden mit Hilfe eines Kreidepfeils auf den gewünschten Weg durch den Laden schickt. Ein herzliches Willkommen entbietet die andere, die zusammenfasst, was Kunden beim Buchkauf in Zeiten des Coronavirus wissen müssen: „Fasset euch kurz.“ Und: „Haltet Abstand.“ Alles klappe, sagt Susanne Petzel: „Die Kunden wissen, wie es läuft, haben Verständnis und sind gut gelaunt.“ Auch wenn längeres Stöbern und Schmökern bei Land in Sicht ebenso wenig erlaubt ist wie in den anderen Buchhandlungen der Region, die am Montag zum ersten Mal seit der weitgehenden Schließung des Einzelhandels vor vier Wochen wieder aufgemacht haben.

          Florian Balke
          (balk.), Rhein-Main-Zeitung

          Kultureinrichtungen wie Museen, Theater und Konzerthäuser bleiben weiterhin geschlossen, zumindest das Kulturgut Buch jedoch ist dem Konsumenten nun wieder frei zugänglich. Jenseits des Notbehelfs Internetbestellung, mit dem sich die zwangszugesperrte Branche und der Leser vor dem heimischen Bildschirm einen Monat lang die Zeit vertrieben haben. Gerade die unabhängigen Buchhändler haben während des Ladenöffnungsverbots beherzt darauf umgestellt, bis zur Haustür zu liefern, was Kunden zuvor im Webshop, per Mail oder am Telefon geordert hatten. „Da hat das Wetter mitgespielt“, sagt Petzel, die bestellte Bücher mit ihren Kollegen auf dem Fahrrad bis zum Kunden brachte: „Vier Wochen bei Regen wären weniger schön gewesen.“

          In der Autorenbuchhandlung Marx und Co. trennt eine Scheibe Kunden und Verkäufer.
          In der Autorenbuchhandlung Marx und Co. trennt eine Scheibe Kunden und Verkäufer. : Bild: Cabrera Rojas, Diana

          Hessischer Buchhandel hat die Krise gut überstanden

          Überhaupt scheinen Hessens Buchhandlungen alles in allem halbwegs geordnet durch die Schließzeit gekommen zu sein. Von unmittelbar bevorstehenden Geschäftsaufgaben jedenfalls ist beim Landesverband des Börsenvereins in Wiesbaden nichts bekannt. „Es scheint, dass sie es überstanden haben“, sagt Geschäftsführerin Andrea Wolf. Allerdings nur durch staatliche Unterstützung. Denn Liquiditätsengpässe habe es überall gegeben. Sie und ihre drei Mitarbeiterinnen hätten in den vergangenen Wochen „Hunderte“ von Telefonaten und E-Mails geführt und empfangen, in denen sie um Beratung bei der Beantragung von Soforthilfe gebeten worden seien. Bundeshilfen und Landeshilfen, die in Hessen, anders als in anderen Bundesländern, miteinander kombiniert werden durften und insgesamt bis zu 10.000 Euro betragen konnten, halfen beim pünktlichen Begleichen von Monatsmieten und Rechnungen.

          Trotz des Versuchs vieler Buchhandlungen, sich durch das Ausliefern finanziell über Wasser zu halten, sei der Umsatz mit dem in normalen Zeiten nicht zu vergleichen gewesen, sagt Wolf. Friederike Herrmann, Inhaberin der Friedberger Buchhandlung Bindernagel, wird deutlich: „Im März fehlt uns ein Drittel.“ Seit Freitag sei zwar das Soforthilfegeld auf dem Konto. Aber das trage lediglich zum Füllen des Märzlochs bei: „Das, was im April fehlt, fehlt wirklich.“ Die Hände in den Schoß gelegt habe niemand, sagt Wolf: „Alle, mit denen ich spreche, hatten sehr viel zu tun.“ Herrmann hat oft von sieben Uhr morgens bis neun Uhr abends bestellte Ware entgegengenommen, sie für die Kunden auf den Postweg gebracht oder selbst ausgefahren und anschließend Rechnungen ausgestellt. Und dabei eines gemerkt: „Das Dasein als Versandbuchhandlung ist nicht meins.“ Sie freut sich darüber, ihren Kunden wieder im Laden begegnen zu können. Und denen geht es ebenso. Schon am Freitag hatte sie Anrufe voller Vorfreude: „Die Leute haben echte Entzugserscheinungen.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Gefährdete Spezies: Auch für Hersteller von Spielzeugpuppen werden derzeit die Rohstoffe knapp.

          Rohstoffmangel in Europa : Bei Barbiepuppen wird es schon eng

          In Europa werden Rohstoffe knapp. Pappe, Metall und Kunststoff sind Mangelware. Lieferketten sind zu anfällig, die Vorräte zu dürftig. Vor Jahresende ist wenig Besserung in Sicht.
          CDU-Kanzlerkandidat und Parteivorsitzender Armin Laschet beim F.A.Z.-Interview in Berlin

          Armin Laschet im Interview : „Wir müssen beim Impfen Tempo machen“

          Der Kanzlerkandidat der Union will schon für Juli allen ein Impfversprechen geben, lehnt eine „Rückfahrkarte“ nach Düsseldorf ab und rechnet nicht mit Markus Söder in seinem Kabinett.
          Eine Figur des britischen Premierminister Boris Johnson im Hafen von Hartlepool am 7. Mai

          Nachwahl in Hartlepool : Die krachende Niederlage der Labour Party

          Die überwältigende Mehrheit für die Tory-Kandidatin in der früheren Labour-Hochburg Hartlepool erschüttert die Oppositionspartei. Und wirft die Frage auf, ob Keir Starmers Zeit als Vorsitzender abgelaufen ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.