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Einzelhandel in Darmstadt : Die Stadt des Buches

Kundschaft verloren: Die kleine Buchhandlung an der Stadtmission schließt. Bild: Cornelia Sick

Der Onlinehandel und das sich ändernde Leseverhalten hat Auswirkungen: Viele Buchhandlungen in Darmstadt müssen schließen. Trotzdem hat die Stadt eine quicklebendige Buchkultur, die sogar mit Preisen ausgezeichnet ist.

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          An den Tagen vor dem Weihnachtsfest haben die Mitarbeiter der kleinen Buchhandlung an der Stadtmission einigen Kunden still und leise ihre Restposten verkauft. Währenddessen standen die Menschen bei Thalia, dem mit 2400 Quadratmetern größten Buchshop Darmstadts, in einer langen Reihe, die sich durch den halben Laden zog, vor der Kasse. Geschäftliche Ebbe hier, stürmisches Kaufinteresse dort – das ist ein widersprüchliches Bild. Aber es signalisiert eine insgesamt erfreuliche Botschaft: Das Buch ist offensichtlich weiterhin gefragt. Es gehört für viele Menschen auf den Weihnachtstisch, und zwar für große wie für kleine Leser.

          Rainer Hein

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Darmstadt.

          Tröstlich ist das natürlich für jene Buchläden nicht, die kontinuierlich Kunden verlieren. Manchen, wie der Fachbuchhandlung Wellnitz am Campus der Technischen Universität, brachte das Internet schon vor ein paar Jahren den Todesstoß. Auch wer, wie die Missionsbuchhandlung, seinen Fokus auf ein ganz bestimmtes Publikum gerichtet hat, gerät in schwere See, wenn das eigene Milieu kontinuierlich kleiner wird und Lesetraditionen sich wandeln. Der Versuch, Kundenverlusten durch größeren Service oder Kooperationen entgegenzuwirken, mag in solchen Fällen das Ende etwas hinauszögern. Verhindern lässt es sich dadurch wohl kaum.

          Lebendige Buchkultur

          Allerdings gilt dies nicht für die gesamte Branche. Sie ist in Darmstadt weiterhin quicklebendig trotz der Schließungen der vergangenen Jahre. Sehr anschaulich illustrieren dies die Darmstädter Krimitage und das Kinder- und Jugendfestival „Huch, ein Buch“, das 2015 mit dem Leseförderpreis des Landes ausgezeichnet wurde. Die Buchkultur lebt, das demonstrieren Jahr für Jahr auch das Literaturhaus und die Stadtkirche mit ihren Lesungen. Sie tragen zu einem geistigen Klima bei, das dem Kulturgut Buch förderlich ist.

          Für kleine Buchhandlungen kommt es gleichwohl darauf an, ein lebensfähiges „Biotop“ zu finden. Das sind oft gewachsene Stadtteile, wie die Auszeichnung des Buchladens „Lesezeichen“ im Martinsviertel mit dem Deutschen Buchpreis zeigt. Zu einem Viertel mit Lebensqualität gehören eben nicht nur Bäcker, Café, Apotheke und Kneipe, sondern auch ein Buchladen, weil jedes „Lesezeichen“ ein urbanes Lebenszeichen ist.

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