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Buch über Opel-Konzern : Fast an die Wand gefahren

Zeugen der Krise: Der SPD-Politiker Kurt Beck (links) und der frühere Betriebsrat und heutige Buchautor Klaus Franz Bild: Marcus Kaufhold

Der frühere Vorsitzende des Opel-Gesamtbetriebsrats Klaus Franz hat über die größte Krise des Autobauers ein Buch geschrieben. Darin geht es auch um Manager, die sich in der Not wegducken.

          Nach vier Jahren Altersteilzeit und ein bisschen Ruhestand hat sich Klaus Franz, der frühere Gesamtbetriebsratsvorsitzende des Opel-Konzerns, daran gewagt, die turbulenteste und schwierigste Phase seines Berufslebens aufzuarbeiten. Dabei geht es ihm, der 2009 mit dem internationalen Preis „Kommunikator des Jahres“ ausgezeichnet und 2011 als „Mister Opel“ in den Ruhestand verabschiedet wurde, weniger um späte Selbstbeweihräucherung, sondern eher um Traumabewältigung.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz.

          Vor allem aber handelt es sich bei dem am Donnerstag im Rüsselsheimer Stadt- und Industriemuseum vorgestellten Buch „Die Rettung von Opel vor der Insolvenz. Das Beispiel gelebter Mitbestimmung“ um die Dokumentation einer Beinah-Katastrophe – wirtschaftspolitisch wie menschlich betrachtet. Auch ist es ein Plädoyer für die Mitbestimmung von Arbeitnehmern. Obendrein handelt das Buch von Opel-Managern, die aus Franz’ Sicht zwischen 2008 und 2011 in höchster Not eher abtauchten, als aktiv zu werden. Über sie fällt der Autor zum Teil ein vernichtendes Urteil.

          Wieder gut im Rennen

          Dennoch findet der detailliert und kenntnisreich geschriebene „Wirtschaftskrimi“ des Vierundsechzigjährigen ein gutes Ende: Nach langem Hin und Her entschied die damals schwer angeschlagene amerikanische Konzernmutter General Motors im November 2009 unerwartet, Opel nicht an den Investor Magna zu verkaufen, sondern zu behalten. Was Franz in seiner „Chronik der Opel-Rettung“ zwar einerseits „als schwarzen Tag“ für das eigentlich gesunde deutsche Unternehmen auflistet.

          Weil dadurch alle vorausgegangenen Bemühungen von Betriebsräten, Gewerkschaften sowie Politikern in Deutschland und Amerika auf einen Schlag konterkariert worden seien. Letztlich sei es auf dieser Grundlage aber doch gelungen, den traditionsreichen Autobauer – wenn auch unter großen Schmerzen – umzustrukturieren und so aufzustellen, dass er heute mit neuen Modellen wieder gut im Rennen sei.

          37 Jahre Opelaner

          Einer, der den „Überlebenskampf von Opel/Vauxhall in Europa“ damals ebenfalls an vorderster Front miterlebte, weil es auch das Werk in Kaiserslautern zu schützen galt, ist der damalige rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD). Als Zeitzeuge schaute er gestern bei der Buch-Vorstellung vorbei, um Männer wie Franz und die Kraft der Mitbestimmung zu loben; und andere Akteure wie den seinerzeit noch jungen Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) zu tadeln: Weil jener in den Krisengesprächen gerne den harten, kompromisslosen und kaltschnäuzigen Marktwirtschaftler gegeben habe.

          Franz hingegen sei es als Ruheständler gelungen, ein lesenswertes Lehrstück für Wirtschaftswissenschaftler und vor allem auch für Unternehmensmanager zu Papier zu bringen. Was in schwierigen Zeiten und einer globalen Welt sicherlich noch einmal hilfreich sein könne. Ob und inwieweit sich das von dem erfahrenen früheren Betriebsrat, der 37 Jahre Opelaner war, zusammengetragene Material in ähnlichen Krisenfällen als Blaupause eignet, wird sich allerdings erst noch erweisen müssen.

          Klaus Franz: „Die Rettung von Opel vor der Insolvenz. Das Beispiel gelebter Mitbestimmung.“

          Verlag im Bücherhaus, Ginsheim-Gustavsburg. 19,80 Euro. ISBN 978-3-923921-04-1. Der Autor stellt sein Buch am Freitag (27.01.2017) um 20 Uhr in der Buchhandlung in der Villa Herrmann, Mozartstraße3 /Eingang Beethovenstraße, in Gustavsburg vor.

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