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Buch für Mini-Lokalpatrioten : Sprechenlernen auf Frankfurterisch

Schnulleralarm: Frankfurter Adler mit Krönchen und Nuckel Bild: F.A.Z.

Damit die Kinder bei der Aufnahme in den Kindergarten schon kundige kleine Lokalpatrioten sind, gibt es jetzt „Mein erstes Frankfurt-Buch“. Der Stadt-Adler mit Schnuller und Windel.

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          Seit die Eintracht sich recht tapfer in der zweiten Liga schlägt und Frankfurt ähnlich wie das große Vorbild jenseits des Atlantiks auch ein „Occupy“-Zeltlager zu seinen Sehenswürdigkeiten zählen darf, kann man wieder so richtig stolz sein auf seine Stadt. Und damit die Kinder demnächst bei der Aufnahme in den Kindergarten schon kundige kleine Lokalpatrioten sind, gibt es jetzt „Mein erstes Frankfurt-Buch“. Der Stadt-Adler mit Schnuller und Windel auf dem Titel zeigt dem Nachwuchs, wo es langgeht.

          Patricia Andreae

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Gleich auf der ersten Seite hat Jennifer Langer Kaiser Karl und eine weiße Hirschkuh plaziert - da müssen manche Eltern allerdings erst Mal die Legende von der Stadtgründung ergoogeln, um dieses Bild erklären zu können. Freude dagegen dürfte es bereiten, wenn eines der ersten Worte der lieben Kleinen „Öhma“ ist und sie dabei auf das Bild des Rathauses zeigen. Für den Palmengarten stehen ein entsprechendes Gewächs und natürlich das Bimmelbähnchen, das die Zielgruppe der Ein- bis Zweijährigen sofort wiedererkennen wird, zumindest jene aus dem Westend. Die Sachsenhäuser werden das merkwürdige Gebilde, das die Seite neben „Bulle und Bär“ zeigt wohl als den Goethe-Turm erkennen.

          Die „Schkeilein“ etwa

          Schön anzuhören ist es sicher auch, wenn klein Gustav auf den bunten Waggon deutet und versucht „Ebbelwei-Express“ zu sagen. Und auch für den Erwerb erster Fremdworte gibt es hübsche Vorlagen: Auf oranger Pappe ist in grauer Schraffur etwas abgebildet, das aussieht, wie ein zerrupftes Streichholzbriefchen und was die Zweieinhalbjährige Emma wohl „Schkeilein“ nennen würde.

          Besondere Mühe hat sich die Zeichnerin, die ansonsten als Lehrerin Deutsch und Kunst unterrichtet, bei der Seite zur Frankfurter Küche gegeben: In einem Topf in blaugrauem Bembeldesign schwimmen zwei halbe Eier in gesprenkeltem Grün, daneben liegen ein angebissener Apfel mit Wurm und drei Knödel, die laut Klappentext Bethmännchen sein sollen. Ob es da gelingt, dem Nachwuchs Grüne Soße schmackhaft zu machen? Dann blättert man doch besser weiter zum Dino und zum Struwwelpeter oder gleich zum Hammer-Mann am Messeturm. Da wächst der Lokalpatriotismus von ganz alleine und kann sich schließlich auf der Fußball-Seite sogar zwischen drei Vereinstrikots entscheiden: Eintracht, FFC und FSV.

          Wer mit solchen Bildern sprechen lernt, wird sicher einmal mit Stolz seinen Stoltze zitieren: „Es will merr net in mein Kopp enei: wie kann nor e Mensch net von Frankfort sei!“

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