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Streetdance in Darmstadt : Ein bisschen wie „Fame“

Vielgefragt: Der amerikanische Choreograph Bryan Arias. Bild: Ingo Schaefer

Aufgewachsen ist Bryan Arias mit Streetdance. Dank seiner Schule kam er zum Tanz und nach Europa. Am Samstag wird sein neues Stück in Darmstadt uraufgeführt.

          2 Min.

          Vier Tage Proben in Basel, 13 Tage Proben in Dallas. Dann wieder fünf Tage Basel, dazwischen Gastspiele, dann die ersten zwei Wochen in Wiesbaden, beim Hessischen Staatsballett. Dann wieder von vorn. Arbeit an zwei, drei Parallelprojekten gleichzeitig, von Kontinent zu Kontinent: So sahen die vergangenen Monate für Bryan Arias aus, so wird es auch weitergehen, seine nächste Uraufführung findet im Juni in Nürnberg statt. Vor zehn Tagen erst hat er in Basel sein Stück „Without Absorbing It“ uraufgeführt. Da war Arias schon auf dem Sprung nach Darmstadt.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Seit einigen Jahren pendelt der erst 33 Jahre alte Choreograph, geboren in Ponce, Puerto Rico, aufgewachsen in New York, zwischen den Vereinigten Staaten und Europa. „Ein bisschen exotisch“ sei das vielleicht, sagt er. Aber er kann die Impulse aus beiden Welten verbinden. In Amerika ist es für junge Choreographen ohnehin nicht so einfach, Aufträge zu bekommen. Und wenn Arias sagt, glücklicherweise habe ihn seine Mutter Bryan genannt, spielt das auch auf die erschwerten Bedingungen vieler nicht weißer Künstler in der amerikanischen Tanzszene an.

          Publikum rastete aus bei der Uraufführung

          Getanzt hat Arias zunächst unter anderem beim Nederlands Dans Theater und bei Crystal Pites Compagnie Kidd Pivot, erst spät ist er zum klassischen Ballett gekommen. Von „Le sacre du printemps“ wusste er daher gar nicht so viel, als das Hessische Staatsballett ihm einen Werkauftrag erteilt hat. Dort war Arias schon einmal zu Gast, um mit seiner eigenen kleinen Arias Company das Stück „Watch“ zu erarbeiten, das im Sommer 2019 beim Colours Festival in Stuttgart herauskam.

          Nun befasst er sich mit einer ungewöhnlichen Frage: „20 May 1913“ heißt das Stück, das er zu dem gemeinsamen Abend mit Edward Clugs Neufassung von „Le sacre du printemps“ (2012) beisteuert. Am Samstag ist Premiere am Staatstheater Darmstadt, und Arias befasst sich mit dem Abend der Uraufführung von „Sacre“, das Igor Strawinsky komponiert und Vaslav Nijinsky choreographiert hatte: Wieso ist das Publikum derart ausgerastet, bis hin zu Handgreiflichkeiten? Und wie ist das heute? „Wir Menschen sind Gewohnheitstiere“, sagt Arias, dem will er in seiner neuen Arbeit nachgehen. Immer interessieren ihn Zusammenleben, Herausforderungen, Gefühle, Gemeinschaft.

          Was vielleicht auch mit seiner eigenen Geschichte zu tun hat. Aufgewachsen mit einem Bruder bei der alleinerziehenden Mutter in Spanish Harlem, hat er Tanz als den gemeinschaftlichen in der südamerikanischen Community, als Street Dance und Hip-Hop kennengelernt. Erst in der Mittelschule, in der es eine Tanzabteilung gab, lernte er Modern Dance kennen – und eine Lehrerin, die von jener School of Performing Arts kam, deren Studenten einst im Filmmusical „Fame“ (1980) ihr eigenes Leben spielten. Die La Guardia High School direkt neben dem Lincoln Center, die Arias später dank seiner Vorausbildung besuchen konnte, ist Nachfolgerin dieser Schule. „Nichts ist vorhersehbar“, sagt Arias, „aber ich hatte schon ein paar Mal in meinem Leben das Gefühl, genau im richtigen Moment etwas Gutes zu ergreifen.“ Er sei so aufgewachsen, im festen Glauben, der Intuition, dem eigenen Herzen folgen zu müssen. Sein Herz führt ihn also hin und her über den Nordatlantik.

          Der Doppelabend „29 May 1913“ und „Sacre“ hat am Samstag, 29. Februar um 19.30 Uhr am Staatstheater Darmstadt Premiere.

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