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Volksbank und Sparkasse : Erst der Anfang

Gemeinsamer Weg: Taunus Sparkasse und der Frankfurter Volksbank Bild: Wolfgang Eilmes

Noch 2019 sollen in Hessen erste gemeinsame Filialen von Volksbank und Sparkasse entstehen. Die Banken verkaufen den neuen Weg als mutige Entscheidung, doch er ist auch einer Notsituation geschuldet.

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          Für die Vorstandsvorsitzenden der Frankfurter Volksbank und der Taunussparkasse muss es eine schwierige Entscheidung gewesen sein. Niemand gibt gerne Hoheitsgewalt ab, und gerade Filialen gehören zum Markenkern von Banken, weil Kunden dort das Logo, die Mitarbeiter und die Produkte eines Unternehmens finden. Insofern ist der Schritt, den die Frankfurter Volksbank und die Taunussparkasse jetzt tun, nicht nur mutig, sondern nichts Geringeres als ein weiterer Einschnitt in das Geschäftsmodell und sogar in die Kultur von Banken in Zeiten der Digitalisierung. Künftig werden Geschäftsstellen, die bisher eindeutig als solche einer einzelnen Bank erkennbar waren, unter einem unternehmensfremden Namen als „Finanzpunkt“ gemeinsam weiter betrieben. Vor kurzem wäre das noch undenkbar gewesen.

          Doch was als mutige Entscheidung verkauft werden soll, ist letztlich auch einer Notsituation geschuldet, in der Banken neue Wege gehen müssen, ob sie wollen oder nicht. Der Betrieb einer Filiale ist teuer. Wenn die Kunden ausbleiben, stellt sich zwangsläufig die Frage, ob man den Standort nicht schließen muss. Doch mit jeder für immer zugesperrten Filialtür berauben sich Volksbanken wie Sparkassen etwas mehr ihres Alleinstellungsmerkmals, für die Bürger präsent und leicht erreichbar zu sein.

          Ein Modell für andere Regionen?

          Insofern ist der Entschluss von zwei Wettbewerbern, beim Betrieb von Filialen künftig Partner zu sein, der Versuch, den Spagat zwischen Kostendruck und einem neuen Kundenverhalten sowie der nötigen Präsenz am Ort zu meistern. Ob das gelingen wird, ist kaum vorherzusagen. Dass die beiden Banken ihre Idee nicht zunächst an einigen wenigen Orten getestet haben, kann man immerhin mit Führungsstärke und dem unbedingten Glauben an das Projekt begründen – oder aber mit der Alternativlosigkeit, unbedingt Kosten einsparen zu müssen, um wettbewerbsfähig zu sein.

          Es ist damit zu rechnen, dass die ohnehin schon schwindende Zahl von Bankfilialen in den nächsten Jahren weiter erheblich sinken wird. Auch Deutsche Bank und Commerzbank haben angedeutet, Geschäftsstellen schließen zu wollen. Das Modell der Frankfurter Volksbank und der Taunussparkasse jedenfalls lässt sich auf viele andere Regionen übertragen, auch im Rhein-Main-Gebiet. Insofern ist die Einschätzung nicht allzu gewagt, dass die neue Kooperation unter Wettbewerbern erst der Anfang ist.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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