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Bridge-Club Frankfurt : Mit Cœur und Treff den Großschlemm schaffen

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Zwei gegen zwei: Beim Bridge bilden die Spieler Paare. Im Turnier wechselt jedes Duo nach zwei Runden den Tisch und tritt gegen ein anderes Paar an. Bild: Michael Kretzer

Wenn sich die Mitglieder von Frankfurts einzigem Bridge-Club zum Turnier treffen, kommt es nicht auf Glück an, sondern auf Gespür für Mathematik. Gelassenheit und gutes Urteilsvermögen sind auch wichtig. Vielleicht gehören deshalb viele Spieler einer bestimmten Berufsgruppe an.

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          „Ich bin hier die Jüngste“, sagt Mechthild Wagner gleich zur Begrüßung. Eine kleine Schlange hat sich vor dem Saal des Saalbaus Bockenheim gebildet, denn immer donnerstags steht hier vormittags ein Bridgeturnier für Anfänger auf dem Programm. Allerdings ist der Begriff „Anfänger“ beim Bridge eine Art englisches Understatement: Ohne ausreichend Erfahrung und den Besuch einiger Kurse sollte man sich hier vermutlich nicht herwagen. Einen Obolus von ein paar Euro zahlen alle als Startgebühr, neun Tische sind an diesem Vormittag mit jeweils vier Frauen und Männern besetzt. Der Frauenüberschuss ist deutlich, nur vier Männer sind zu sehen.

          Mechthild Wagner war Rechtsanwältin, bevor sie zum Bridge kam, hat sich vor drei Jahren zur Ruhe gesetzt und damit angefangen, das Spiel zu erlernen. Nun ist sie 63, spielt Golf für den Körper und Bridge für die geistige Fitness. „Man muss Bridge wirklich richtig lernen“, sagt sie, und alle Umstehenden nicken heftig. In der Volkshochschule traf sie mit Harald Bletz auf einen Profi, dem seine Elevinnen „Engelsgeduld“ bescheinigen – „selbst wenn immer wieder die gleichen Fragen kommen“.

          Nach zwei Runden wird gewechselt

          Hier leitet Bletz jetzt das regelmäßige Anfängerturnier, sonst macht er Ähnliches in ganz Deutschland und Europa, denn er ist einer der wenigen Gold-Turnierleiter. Er macht die Ansagen, kontrolliert nach jeder Runde, ob der Computer die Ergebnisse auch richtig gespeichert hat. Er hat auch die sogenannten Boards vorbereitet, gelbe Kunststoff-Kassetten mit den akribisch verteilten Spielkarten. Denn im Gegensatz zu den meisten anderen Kartenspielen sollen beim Bridge der Zufall und das Kartenglück ausgeschlossen sein: Nach jeweils zwei Runden wechseln die Teilnehmer die Tische, spielen gegen ein anderes Paar, alle bekommen je Tisch die gleiche Kartenkonstellation. Nach jedem Spiel werden die Ergebnisse in einer Art Taschenrechner von einem Spieler am Tisch eingegeben. Der Computer wertet zum Schluss alle Punkte aus und errechnet für jede Spielerpaarung den erreichten Prozentsatz.

          Alle Farben: Zum Einsatz kommt das übliche Zweiundfünfziger-Blatt.

          „Das ist der Moment, in dem man dann anfängt sich zu ärgern, weil man so schlecht ist“, sagt Mechthild Wagner und verzieht im Spaß das Gesicht. Ehrgeiz und Lernwille, gepaart mit viel Humor, treiben sie an. Von den 14 Leuten, die den Anfänger-Bridgekurs der Volkshochschule mit ihr begonnen haben, ist sie als Einzige übrig geblieben. Zu komplex und schwer scheint vielen das Spiel mit den vielen Konventionen, gespielt mit einem simplen Zweiundfünfziger-Blatt: As, König, Dame, Bube, kennt doch eigentlich jeder. Doch dann wird es eigen: Herz heißt Cœur, Kreuz gar Treff, gereizt wird stumm mit Karten aus einer Art Karteikasten, man muss zwar einen Trumpf wählen wie beim Skat, aber genau vorausberechnen, wie viele Stiche man gemeinsam mit seinem Partner erzielt. Nicht mehr, nicht weniger. Da ist viel Wahrscheinlichkeitsrechnung im Spiel, deshalb spielen auch Mathematiker ziemlich gut. Wer alle Stiche eines Spiels macht, schafft den Großschlemm, es gibt auch einen Kleinschlemm, Ober- und Unterfarbe. Spieler sind nach den Himmelsrichtungen eingeteilt. So etwas können sich nur Engländer ausdenken, meint man, bis man ein wenig länger gekiebitzt hat und merkt, dass das sehr spannend sein kann.

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