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Frankfurter Immobilienmarkt : Nicht nur Einkommensmillionäre

Schon jetzt mangelt es an bezahlbaren Wohnungen: Frankfurt mit der von Bankentürmen beherrschten Skyline Bild: dpa

Nach dem Brexit-Votum wittert die Immobilienbranche in Frankfurt ein gutes Geschäft, auch Wirtschaftsförderer wollen um Behörden und Firmen in England werben. Doch wo sollen die möglichen Neubürger wohnen?

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          Das Finanzplatzkabinett hat getagt. Maßgebliche Landespolitiker haben sich mit Führungskräften der Finanzindustrie ausgetauscht. Der Brexit bietet schließlich etliche Chancen, Behörden, Banken und andere Unternehmen nach Frankfurt und ins Rhein-Main-Gebiet zu lotsen. Finanzminister Schäfer und Wirtschaftsminister Al-Wazir werden demnächst höchstpersönlich auf Erkundungs- und Werbetour gehen.

          Empfindsame Gemüter werden es degoutant finden, den Noch-EU-Partner Großbritannien und insbesondere dessen durchaus europafreundliche Hauptstadt London auszuweiden. Doch so läuft nun einmal das Geschäft: Vornehme Zurückhaltung brächte Nachteile im Wettbewerb mit anderen potentiellen Nutznießern.

          Mehr als genug leere Büros, aber...

          Die Immobilienbranche wittert schon ihre Chance. Nachdem sie von der Verunsicherung durch die Finanzkrise und von der Niedrigzinspolitik der EZB profitiert hat, steht sie vor ihrer nächsten Boomphase. Ohne eigenes Zutun könnte sich die Nachfrage nach Büros und Wohnungen noch einmal dramatisch erhöhen.

          Was Büros angeht, so herrscht in Rhein-Main kein Mangel. Der Leerstand ist beträchtlich, und etliche Neubauprojekte sind schon begonnen worden. Es besteht kein Zweifel, dass die Nachfrage befriedigt werden könnte.

          Deutlich komplizierter ist die Lage auf dem Wohnungsmarkt. Im Spitzensegment gab es zuletzt erste Anzeichen, dass nicht jede projektierte Wohnung mit Quadratmeterpreisen von bis zu 19 000 Euro einen Abnehmer finden würde. Sollten nun tatsächlich hochbezahlte Bankangestellte zu Tausenden nach Frankfurt strömen, würde sich die Verunsicherung im Luxussegment schnell wieder verflüchtigen.

          Doch es werden nicht nur Einkommensmillionäre kommen. Und da stellt sich die Frage, wo die Normalverdiener in einer Region untergebracht werden sollen, in der ohnehin schon ein dramatischer Wohnungsmangel herrscht. Es wird zu einem Verdrängungswettbewerb kommen, der die Preise steigen lassen wird.

          Die Politik muss hier zügig Antworten liefern. In den vergangenen Jahren hat sie sich auf allen Ebenen vor allem neue Mittel einfallen lassen, um den Markt zu strangulieren, etwa Mietpreisbremse, Milieuschutz und Umwandlungsverbot. An Neubauflächen aber, die allein eine relevante Entspannung verheißen, mangelt es. Die Landesregierung ist daher gut beraten, auch die für Wohnungsbau zuständige Ministerin Hinz in ihr Finanzplatzkabinett zu berufen - und sie mit einem klaren Arbeitsauftrag auszustatten.

          Matthias Alexander

          Redakteur im Feuilleton.

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