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Brentanohaus : Homer am Rhein

Das Brentano-Haus in Oestrich-Winkel erinnert noch immer an die hessischen Romantiker Bild: Gerd Kittel

In Oestrich-Winkel empfingen die Brentanos Gäste. Das Brentano-Haus erinnert noch immer an die hessischen Romantiker.

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          Die Kinder von Thomas Mann mussten leise sein, wenn ihr Vater schrieb. Als die Brentanos in den Jahren 1814 und 1815 Goethe zu Besuch hatten, soll auch er seine Gastgeber wegen Störungen der dichterischen Ruhe wiederholt zur Ordnung gerufen haben. Heute darf man sich bei einer Besichtigung des Brentanohauses in Oestrich-Winkel etwas lauter unterhalten, es sei denn, man ist in Ehrfurcht vor Goethe erstarrt, aber das bleibt jedem selbst überlassen.

          Florian Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Brentanohaus, nicht weit vom Ufer des Rheins gelegen, wurde 1751 von Johann Michael Ackermann aus Bingen gebaut, später kaufte es die Erbacher Familie Birkenstock. Über Johanna Antonia Josepha von Birkenstock, die sich 1798 in Wien mit dem Frankfurter Kaufmann Franz Brentano vermählte, kam es in den Besitz der Brentanos, die es noch heute nutzen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren hier, neben Bettine und Clemens Brentano, zwei Halbgeschwistern von Franz, auch Achim von Arnim, Karoline von Günderrode und die Brüder Grimm zu Gast.

          Literarische Spurensuche

          Das Haus ist selten von innen zu besichtigen, bietet aber mit vielen Zügen seiner Innenausstattung einen schönen Blick zurück in das frühe 19. Jahrhundert. Wer das Haus von außen fotografiert, hat einen der bekanntesten hessischen Orte der Romantik aufgenommen und ein Bild auf der Speicherkarte, mit dem er sich am Fotowettbewerb „Literaturland Hessen“ beteiligen sollte. Der Sender hr2-kultur und diese Zeitung veranstalten ihn in diesem Jahr zum dritten Mal. Unter dem Titel „Eine literarische Spurensuche“ geht es um die offensichtlichen und verborgenen Verbindungen Hessens zur Romantik. Bis zum 30. November können Sie Bilder einsenden, die an das Leben eines Schriftstellers, eines seiner Werke oder eine seiner Figuren erinnern. Zur Einstimmung begleiten wir den Wettbewerb mit einer lockeren Artikelfolge über einzelne hessische, mit der Literatur der Romantik verbundene Orte.

          Wie es in Oestrich-Winkel zuging, beschreibt Bettine: „Der Tag geht vorüber in launigem Geschwätz. Dazwischen kommen Bruchstücke von Gesang und Harpegge auf der Gitarre. Am Abend spazieren wir an den Ufern des Rheins entlang, da lagern wir uns auf dem Zimmerplatz; ich lese den Homer vor, die Bauern kommen alle heran und hören zu; der Mond steigt zwischen den Bergen herauf und leuchtet statt der Sonne.“ So heißt es in „Goethes Briefwechsel mit einem Kinde“. Das Buch kam allerdings erst 1835 heraus, als Goethe schon tot, sein letzter Besuch 20 Jahre und sein Zerwürfnis mit Bettine noch etwas länger her war. Ob der Mond tatsächlich schien, weiß niemand. Bettine übertrieb gern. Aber ein Foto machen kann man trotzdem.

          Weitere Informationen und genaue Teilnahmebedingungen finden Sie auf der Internetseite des Wettbewerbs unter der Adresse www.literaturland.hr-online.de. Fotografien sind an den Hessischen Rundfunk zu senden, an den auch Fragen zu richten sind. Die Redaktion hr2-kultur/Literaturland Hessen in 60222 Frankfurt hilft unter der Rufnummer 0 69/1 55 49 60 sowie unter der E-Mail-Adresse literaturland@hr-online.de.

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