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Brautmode : Weiße Kleider in drei Farben

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Passt die Taille? - Christiane Wegener begutachtet in ihrem Atelier die Braut. Bild: Hoang Le, Kien

Mit enger Taille, mit Spitze. Ganz schlicht. Oder mit Schleppe, im „Süperservice“ schnell genäht. Aus der Welt der Brautmode.

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          Ganz in Weiß mit einem Blumenstrauß. Das muss doch hinzubekommen sein. So einfach ist das aber nicht. Vorgabe aber nur auf den ersten Blick. Elfenbeinweiß? Cremeweiß? Knallweiß? Oder vielleicht doch ganz einfach rot? Die Braut hat die Qual der Wahl. Die Farbe Weiß hat ihr Queen Victoria eingebrockt, die ein solches Kleid am 10. Februar 1840 bei ihrer Trauung trug. Doch alles Übrige bei dieser Zeremonie war noch ganz anders, als man es nach dem Bombardement durch die Feierlichkeiten von Lady Diana oder Prinz William inzwischen gewöhnt ist. Die Zeremonie von Albert und Victoria war einfach, privat, die Braut nur mit ein paar Blümchen dekoriert, die allerdings den strengen Hofschranzen eine Steilvorlage lieferten: Irgendetwas ist Moralaposteln immer zu ordinär. In diesem Fall waren es die orangenen Blüten, in die man damals einen allzu deutlichen Hinweis auf Fruchtbarkeit hineingeheimnisste. Tatsächlich waren sie vor allem eins: teuer. Und deswegen geschah, was nach jeder Prominenten-Hochzeit geschieht: Die anderen wollten es auch haben. So wurden Orangenblüten aus Kunststoff ein Renner. Und Queen Victoria bekam neun Kinder.

          Auch die Braut von heute will, was alle Frauen wollen, einen großen Auftritt, Applaus. Eine Kundin der Frankfurter Designerin Christiane Wegner erlebte das schon bei der Anprobe im Laden Wegeners an der Schifferstraße: Eine Gruppe zufällig am offenen Atelier vorbeikommender englischer Touristen hielt spontan inne und applaudierte. Die Mutter der Braut Olesya Hagebölling fand später trotzdem Grund zur Klage. Das Kleid sei nicht weiß genug. Ansonsten erfüllt das vorgeführte  Spitzengewand alle Bedingungen für einen glücklichen Anfang. Denn über die Jahre hat sich nicht nur die angelsächsische Forderung durchgesetzt, die Braut solle etwas Altes, etwas Neues, etwas Geborgtes und etwas Blaues tragen, sondern auch die Überzeugung, jeder Knopf stehe für ein glückliches Ehejahr. Und Knöpfe gab es für Olesya reichlich.

          Die Vorstellungen werden immer „brautiger“, je näher der Tag kommt

          Ihre Erfahrungen bei den üblichen Brautmodeläden waren weniger erfreulich gewesen. Acht Monate werde sie aufs Kleid warten müssen, habe man ihr gesagt, einen Termin müsse sie machen, und zu allem Überfluss hatten ihr die Kleider überhaupt nicht gefallen. Die Korsettstangen von der Stange, die die Brüste schön zur Geltung bringen sollten, waren zu lang und zu starr. Und wer will eine ständig an sich herumzupfende Braut sein, die verzweifelt ihren Körper unter Kontrolle zu halten versucht? Damit sollte doch am Hochzeitstag Schluss sein dürfen. Das maßgeschneiderte, von den Wünschen der Braut und dem Können der Designerin geprägte einzigartige Kleid war die ideale Lösung, das kongenial mit der eleganten historischen Würde des Schlosshotels Kronberg harmonierte. Dass Queen Victorias Enkelin Kaiserin Friedrich das Hotel als Schloss Friedrichshof bauen ließ und als Witwensitz nutzte, spielt ja keine Rolle mehr.

          ... und damit alles perfekt passt, legt die Designerin sorgfältig Maß an.

          Christine Wegner, der neun von zehn Frauen nach dem ersten Gespräch den großen Auftrag geben, erlebt immer wieder, dass ihre Kundinnen zu Beginn des gemeinsamen Entwurfs Wert darauf legen, das Kleid nach dem Fest auch zu banaleren Anlässen tragen zu können. Ein Wunsch, der noch im 19. Jahrhundert ganz selbstverständlich war. Aus dem Brautkleid sollte ein Tageskleid werden können. Doch Wegner stellt immer wieder fest, das nach drei oder vier Anproben die Vorstellungen immer „brautiger“ werden, je näher der Tag kommt.

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