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Nach Hochhausbrand in London : Brandwache an Hochhaus in Heusenstamm postiert

  • Aktualisiert am

Durchgefallen: Die Fassadendämmung des Hochhauses ist nicht feuerfest. Deshalb wird das Haus jetzt rund um die Uhr bewacht. Bild: dpa

Auf den ersten Blick ist es ein Hochhaus wie andere auch. Die Wärmedämmung in seiner Fassade könnte aber zur Feuerfalle werden. Deshalb dreht nun eine Brandwache ihre Runden.

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          Brahimi Abdelhadi vom Sicherheitsdienst Securitas hat gerade einen Schluck Wasser getrunken, nun geht er wieder auf Tour. Zwei Notrufe hat er im Kopf: 112 und 110. „Ich rufe bei der Feuerwehr an und bei der Polizei“, sagt der 52-Jährige. „Und auch bei meiner Firma.“ Abdelhadi muss an einem Hochhaus in Heusenstamm als Brandwache aufpassen, im Fall des Falles schnell eingreifen und Alarm schlagen. Denn die Fassade des Gebäudes ist aus offenbar brennbarem Material - es gilt damit als mögliche Feuerfalle.

          Der verheerende Hochhausbrand im Grenfell Tower in London Mitte Juni mit mindestens 80 Toten hat auch die Behörden in Deutschland aufgeschreckt. Das Land Hessen hat die Kommunen aufgefordert, ältere Hochhäuser auf feuergefährdete Fassadenverkleidungen zu überprüfen. Seit 1984 dürfen ohnehin bei Hochhäusern im Land keine brennbaren Dämmstoffe mehr verbaut werden.

          Der Landkreis Offenbach stellte bei der Überprüfung von insgesamt 101 Hochhäusern akuten Handlungsbedarf in zwei Fällen fest: An einem Haus in Dietzenbach wurde an einer Seite eine Dämmung angebracht, für die keine Genehmigung eingeholt worden sei. Deshalb wurde eine Anhörung angesetzt. Bei der Hausfassade in Heusenstamm entspricht die Dämmung nicht den Vorgaben und muss zunächst rund ums Erdgeschoss und dann binnen zwei Monaten komplett entfernt werden.

          Der Kreis forderte den Eigentümer deshalb auf, bis dahin einen Sicherheitsdienst für den Außenbereich zu engagieren. Zudem wurde ein Merkblatt an die Bewohner verteilt, wonach es absolut verboten ist, ein offenes Feuer auf den Balkonen anzuzünden, wie die Kommune mitteilt.

          Hochhaus wird rund um die Uhr bewacht

          Abdelhadi sagt, er sei für zwölf Stunden eingeteilt. Seine Ablösung auch. Also sei das Hochhaus rund um die Uhr unter Beobachtung. Während der Brandwächter seine Runden dreht, hält er die Hände hinter dem Rücken verschränkt und wirft immer mal wieder einen prüfenden Blick auf das achtstöckige Gebäude. Von manchen Balkonen hängen Blumenkästen, Sonnenschirme sind aufgestellt. Meist sieht es aber auch eher karg aus. Rein geht er nicht. „Nur draußen drum herum“, sagt er. Die Brandwache ist in einem kleinen Container untergebracht, der an der Rückseite des Gebäudes aufgestellt wurde.

          „Bis wir die Dämmung unten haben, dauert das etwa 60 Tage“, sagt Dirg Parhofer, Geschäftsführer der Amadeus & Titom Vermögensverwaltung GmbH aus Limburg, der das Gebäude gehört.

          Das Hochhaus sei 2010 übernommen worden. „Wir haben das aus einer Zwangsversteigerung gekauft.“ Die Dämmung stamme noch von einem Vorbesitzer aus den Jahren 1990/1991. Bisherige Kontrollen hätten keine Beanstandungen ergeben. Nun müsse die GmbH dafür geradestehen. „Das hat uns kalt erwischt“, sagt Parhofer. Die Kosten für die Brandschutzsanierung würden auf rund eine Million Euro veranschlagt.

          Die Bewohner wurden gewarnt

          Die Bewohner der rund 70 Wohnungen behalten trotz allem aber offenbar die Ruhe. Zumindest geben die, die Auskunft geben wollen, sich recht gelassen. So wie zwei Männer aus Somalia, Saed Abdi (20) und Ismael Kariye (19), die im siebten Stock wohnen. „Ich bin per Post informiert worden“, sagt Abdi. Ein junger Mann, der vor den beiden gerade nach Hause gekommen war, will „lieber keine Interviews geben“ und sagt nur soviel, dass ihm das alles „ziemlich egal ist“.

          Mehrere Bewohnerinnen winken ab, wenn sie nach den Informationen gefragt werden. „Ich habe keine Ahnung“, lautet eine häufige Antwort. Wie auch: „Ist mir egal. Fragen Sie jemand anderen.“ Renate Byczkowski ist eine Ausnahme. „Sehr gut“, sagt sie. Es gehöre sich einfach, dass Mieter informiert werden. Die Fassaden-Dämmung müsse jetzt unbedingt weg. „Das ist für unsere Sicherheit“, sagt die 58-Jährige.

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