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Brandstiftung in Hanau : Mit dem Feuer war er noch nicht zufrieden

Erster Prozesstag am Landgericht: Der Angeklagte hatte sich verdächtig gemacht, als er die Beamten fragte, was denn los sei. (Symbolbild) Bild: dpa

In einer Januarnacht hat ein Wohnhaus in Hanau gebrannt, das Feuer war offensichtlich gelegt worden. Jetzt verhandelt das Landgericht über einen versuchten Mord aus Rache.

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          Mit seiner Neugier hat er sich verdächtig gemacht. Als in einer Januarnacht ein Wohnhaus in Hanau brannte, tauchte auf der Straße ein junger Mann auf, der wissen wollte, was denn los sei. Sein Auftreten war auffällig, jedenfalls erinnern sich Polizisten, die in jener Nacht an der Brandstelle waren, noch gut an den Mann, wie sie am Freitag vor dem Landgericht aussagen. Die erste große Strafkammer verhandelt über den Brand, auf der Anklagebank sitzt der damals so neugierige junge Mann, der heute 30 Jahre alte Niederländer Alexander U., der damals ohne festen Wohnsitz war.

          Jan Schiefenhövel

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Staatsanwaltschaft wirft ihm am ersten Prozesstag Brandstiftung vor. Mit dem Feuer habe er elf Personen gefährdet, die sich in dem Gebäude an der Wilhelmstraße aufhielten. Die Strafkammer sieht noch einen schwerwiegenderen Vorwurf: Nach Ansicht der Richter könnte die Tat als versuchter Mord aus Heimtücke gewertet werden.

          Der Anklage zufolge legte U. im vierten Stock des Hauses Feuer, er entzündete einen gefüllten Müllbeutel – direkt vor einer Wohnung. Mit dem Bewohner soll der Angeklagte Streit gehabt haben, es soll sich um einen Racheakt handeln. In der Wohnung befanden sich der Mieter und ein weiterer Mann.

          Sie gingen gleich von Brandstiftung aus

          Vor Gericht berichten drei Polizisten von dem Einsatz in der Nacht, in der sie gegen 23 Uhr an der Brandstelle eintrafen. Die Flammen hatte ein Nachbar schon mit einem Eimer Wasser gelöscht, von dem Müllbeutel war nur noch ein Aschehaufen übrig. Die Wohnungstür im vierten Stock war stark angebrannt, das Feuer hatte auch den Aufgang zum Dachboden und die hölzerne Deckenverkleidung beschädigt.

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          Das obere Treppenhaus war den Aussagen zufolge so verraucht, dass man sich dort nur kurz aufhalten konnte. Die Polizisten brachten die Hausbewohner ins Freie, wo sie versorgt wurden. Währenddessen tauchte der neugierige Mann auf, der betrunken war. Zuerst wurde er von den Beamten vertröstet, weil diese die Hausbewohner befragen wollten.

          Die Polizisten gingen gleich von Brandstiftung aus. Für sie war offensichtlich, dass der Müllbeutel gezielt vor die Wohnungstür gelegt und in Brand gesteckt worden war, wie es in den Aussagen vor Gericht heißt. Das Haus kannten die Beamten schon von anderen Einsätzen. Dort leben Leute, die sonst obdachlos wären, einige von ihnen trinken zu viel, öfter gibt es auch Streitereien.

          Noch etwas spricht gegen den Mann

          In der Nacht wurde der Mieter, vor dessen Tür es gebrannt hatte, nach Konflikten und einem denkbaren Motiv für eine Brandstiftung gefragt. Dabei sprach dieser von einem Alexander, mit dem er Streit gehabt habe. Er habe ihn in der Wohnung aufgenommen, nach einer Woche, drei Tage vor dem Brand, im Streit um Schulden und Drogenkonsum wieder hinausgeworfen.

          Schnell wurde schon in der Nacht klar, dass dieser Alexander der neugierige junge Mann war, der jetzige Angeklagte. Denn Alexander U. hatte in der Tatnacht selbst die Polizei gerufen. Eine Stunde vor dem Brand wählte er den Notruf und wollte sich über einen Mann beschweren, bei dem er kurze Zeit gewohnt habe und der nach dem Rauswurf seine Sachen nicht herausgebe. Schließlich fanden die Beamten auf dem Smartphone des Angeklagten eine Sprachnachricht, in der er dem Wohnungsinhaber droht.

          Und noch etwas spricht nicht für den Angeklagten. Auf Videoaufnahmen von einer Tankstelle in der Nähe ist zu sehen, wie er kurz nach dem Beginn des Feuers Benzin in eine Flasche füllt und damit in Richtung des Hauses geht. Der Staatsanwalt Dominik Mies interpretiert das so: Der Angeklagte war mit dem von ihm gelegten Feuer nicht zufrieden und wollte es mit dem Benzin noch einmal anfachen.

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