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Brand in Wiesbadener Kloster : „Vermutlich ein Racheakt“

Raub der Flammen: Das zerstörte Dach in der Mitte des Seitentrakts des ehemaligen Klosters. Bild: Kaufhold, Marcus

In Wiesbaden hat es im Hofgut Klarenthal gebrannt. Der Leiter der dortigen Jugendwerkstatt geht von Brandstiftung aus - womöglich habe sich jemand ungerecht behandelt gefühlt.

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          Fassungslos schaut Rüdiger Schwarz auf das rot glühende Gebälk und den Rauch, der in den dunklen Himmel steigt. Der Chef einer Gruppe junger Maurer, die aus dem ehemaligen Kloster Klarenthal nach und nach wieder ein architektonisches Schmuckstück machen wollen, begreift, dass sich das Hofgut im Nordwesten der Stadt Wiesbaden von einem solchen Rückschlag nicht so schnell erholen wird.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Dem Feuer, das am Dienstagmorgen um 5.40 Uhr ausgebrochen war, fiel das Dach in der Mitte des großen Seitentrakts zum Opfer. Feuerwehrleute kehren die auf dem Boden liegenden Ziegel zusammen, während der von den Flammen angegriffene hölzerne Dachstuhl einigermaßen stabil wirkt. Dafür ist das prachtvolle, gerade erst errichtete Holztor vollständig abgebrannt.

          Schwierige Löscharbeiten

          Neben Schwarz steht Stefan Ulrich. Er arbeitet als Koch in dem Restaurant, das vor zwei Jahren im Hauptgebäude eröffnet wurde. Als er am frühen Morgen dort eintraf, fand er die Tür der Küche aufgebrochen vor. Durch sie ist die Feuerwehr in das fünfzig Meter lange und zehn Meter breite Bauwerk vorgedrungen, um dort den Innenangriff zu starten. Parallel dazu wurde das Feuer von oben bekämpft.

          Insgesamt 40 Leute haben die Berufsfeuerwehr und freiwillige Wehren aus unterschiedlichen Stadtteilen aufgeboten. Weil der Seitentrakt noch weitgehend leer stand, war das Feuer um kurz vor halb acht Uhr unter Kontrolle. Nur eine kleine Gruppe von Einsatzkräften blieb für die Nachlöscharbeiten bis zum Nachmittag.

          Brandursache nicht bekannt

          Die Flammen hätten sich nicht allzu weit ausbreiten können, weil zwei Brandmauern sie aufgehalten hätten, erklärt der Einsatzleiter der Feuerwehr, Philipp Posledni. So blieb nicht nur der größte Teil des Hofgutes verschont, sondern auch das Hotel in der Nachbarschaft.

          Wegen der Einsturzgefahr konnten die Fachleute der Polizei die Brandursache noch nicht ermitteln. Dafür äußerte sich aber Jörg Bourgett, der ehrenamtliche Geschäftsführer der Wiesbadener Jugendwerkstatt. Er ist auf dem Gut gleichsam der Hausherr. Die von ihm geführte städtische Gesellschaft kümmert sich an unterschiedlichen Standorten um die berufliche Wiedereingliederung von schwer zu vermittelnden Arbeitslosen. Klarenthal zählt dazu.

          Täter habe sich ausgekannt

          Im Restaurant kann man eine Ausbildung als Koch oder Servicekraft machen. Die übrigen Teile des historischen Ensembles sind gleichsam noch in Arbeit. Bei der Sanierung und einzelnen Erweiterungen werden unterschiedliche handwerkliche Qualifikationen vermittelt.

          Bourgett vermutet, dass der Brandstifter aus den eigenen Reihen stamme. Nach seinen Worten hat sich in dem Nebengebäude kein Gegenstand befunden, der ohne fremde Einwirkung einen Brand habe auslösen können. „Da lag nicht einmal ein Elektrokabel.“ Im Übrigen sei das Tor zu dem Seitentrakt verschlossen gewesen. Der Täter habe sich ausgekannt.

          Schaden etwa 300.000 Euro

          Auf einer Überwachungskamera sei eine Person zu sehen, die das Hofgut am frühen Morgen betreten habe. Ob das Bild sich so vergrößern lasse, dass die Person zu erkennen sei, wusste Bourgett noch nicht. Er glaubt an „eine emotionale Tat“. Es könne sich beispielsweise um einen Racheakt handeln. Womöglich habe sich jemand ungerecht behandelt gefühlt.

          Bourgett schätzt den Schaden auf 300.000 Euro. Das Anwesen, das sich im Eigentum der Stadt befindet, ist in seiner langen Geschichte immer wieder zerstört worden. Von dem Kloster, das König Adolf von Nassau im Jahr 1298 errichten ließ, sind heute nur noch wenige Grundmauern und Kellergewölbe übrig.

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