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Main-Taunus-Zentrum : Bouffier: Das ist mal etwas Konkretes

Frankfurt wächst: Rund um das Main-Taunus-Zentrum soll ein neuer Stadtteil entstehen. Bild: Michael Braunschädel

Der Ministerpräsident lobt den Vorschlag, das Main-Taunus-Zentrum durch Wohnbebauung zu ergänzen. Und der Regionalverband treibt Ideen zur Verkehrsanbindung eilig voran.

          3 Min.

          „Das ist das Überzeugendste, was ich zu dem Thema bisher gehört habe.“ Mit diesen Worten kommentierte der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) die Idee eines Neubaugebiets am Main-Taunus-Zentrum. Die Pläne der Stadt Frankfurt, einen Stadtteil beidseits der Autobahn 5 zu errichten, stießen „ja nicht gerade auf Begeisterung“ bei den Nachbarkommunen, sagte Bouffier. Das Main-Taunus-Zentrum durch eine Wohnbebauung zu ergänzen könne dagegen im gemeinsamen Interesse Frankfurts und des Umlandes sein.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die innerstädtische Verdichtung stoße an Grenzen, sagte Bouffier. Die ins Auge gefassten Flächen böten viele Vorteile, beispielsweise die sehr gute Anbindung an das Straßennetz. Im Übrigen habe der Vorschlag vielen anderen etwas voraus: „Das ist mal was Konkretes.“ Bouffier äußerte sich gestern anlässlich einer Pressekonferenz zum Thema Wohnraum, die er gemeinsam mit der dafür verantwortlichen Ministerin Priska Hinz (Die Grünen) gab. Sie hatte sich bisher zu dem Vorschlag nur äußerst zurückhaltend geäußert.

          Wohnraum für 6000 Menschen

          Unterdessen kündigt der Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main, der den Vorschlag für das neue Quartier unterbreitet hatte, an, bis zu den Sommerferien ein Konzept vorzulegen, wie eine „moderne Verkehrserschließung“ für das Einkaufszentrum samt neuem Stadtteil aussehen könnte. Wie Rouven Kötter (SPD), Erster Beigeordneter des Verbands, mitteilte, ist mit der Erarbeitung das Frankfurter Planungsbüro Albert Speer und Partner beauftragt worden. „Gemeinsam mit den Mitarbeitern des Verbands wollen wir noch bis zum Ferienbeginn erste Ideen präsentieren, wie insbesondere eine Schienenanbindung erfolgen könnte.“

          Das etwa 70 Hektar große Quartier, in dem nach Ansicht von Verbandsdirektor Thomas Horn (CDU) rund 6000 Menschen wohnen könnten, müsse auch über eine Anbindung über die Schiene verfügen. „Das ist für ein künftiges Wohngebiet, faktisch eine neue Stadt, unerlässlich“, sagte Kötter. „Der Bus allein reicht nicht.“ Derzeit ist das Einkaufszentrum nur über Busse an den öffentlichen Nahverkehr angebunden. Besonders gut ist das Main-Taunus-Zentrum mit dem Auto zu erreichen. Bis heute kommen die meisten Kunden des Zentrums mit dem Auto und nutzen den Vorzug, viele und zudem unentgeltliche Parkplätze vorzufinden. Die Anbindung gilt jedoch schon deshalb nicht mehr als ideal, da die angrenzende Autobahn 66 mittlerweile ebenso an ihre Kapazitätsgrenzen stößt wie die Bundesstraße 8, über die der Verkehr zum Einkaufszentrum rollt. Insbesondere die Auffahrt zur A 66 ist ein Nadelöhr.

          Stadt- und Verkehrsplaner entwickeln Gesamtverkehrskonzept

          Laut Kötter sollen die Stadt- und Verkehrsplaner von AS+P „eine Art Gesamtverkehrskonzept“ entwickeln, das nicht nur eine Schienenanbindung etwa an die Frankfurt-Königsteiner Eisenbahn berücksichtige, sondern auch die von Frankfurt vorgeschlagene Weiterführung der Straßenbahnlinie 11 über den Bahnhof Höchst hinaus bis zum Main-Taunus-Zentrum. Denkbar sei auch eine Verbindung zur S3, die eine Haltestelle in Sulzbach-Nord hat. Zudem, so Kötter, soll auch an den Radverkehr gedacht werden; und schließlich solle die Anbindung an das Straßennetz verbessert werden.

          Das neue Quartier „soll ein Vorzeigeprojekt sein“, sagte Horn. Schließlich habe es mit dem Main-Taunus-Zentrum eine lebendige Innenstadt. Jetzt müsse auch die Erweiterung vorbildlich ausfallen. Dem CDU-Politiker schwebt eine nicht zu starke Verdichtung vor. Er wünsche sich ein „organisches Wachstum“.

          Um Kommunen und Bürgermeister zu motivieren, sich häufiger gegen den Widerstand aus Teilen der eigenen Bevölkerung für ein neues Wohngebiete einzusetzen, fordern Kötter und Horn das Land Hessen auf, „monetäre Anreize zu bieten“. Eine Stadt oder Gemeinde müsse finanziell belohnt werden, wenn sie neuen Wohnraum zur Verfügung stelle, sagte Kötter. Schließlich müssten Kindergärten, Schulen, Plätze und Grünanlagen gebaut werden. Eine Förderung könne möglicherweise auch die Entscheidung Sulzbachs beeinflussen, das sich bisher sehr kritisch zum Verbandsvorschlag äußert. Die Idee, für das Rhein-Main-Gebiet neue, große, innovative und baukulturell wertvolle Baugebiete zu schaffen, ist auch Grundlage des regionalen Entwicklungskonzepts, das das Regierungspräsidium Darmstadt im April in Auftrag gegeben hatte.

          „Ohne die betroffenen Kommunen geht nichts“

          Binnen eines Jahres, so die Behörde, soll das Büro bis zu 20 Standorte für städteplanerische Leuchtturmprojekte im Rhein-Main-Gebiet benennen. Die Region brauche angesichts des prognostizierten, anhaltenden Bevölkerungswachstums mehr und bezahlbaren, aber auch qualitativ anspruchsvollen Städtebau. Um das zu erreichen, müssten diese Projekte stark gefördert werden, heißt es.

          Die Kritik einiger Kommunalpolitiker, wie sich der Regionalverband anmaßen könne, den Kommunen Vorschläge für einen neuen Stadtteil zu machen, wiesen Horn und Kötter zurück. Die Aufgabe des Regionalverbands sei es, für den Ballungsraum einen regionalen Flächennutzungsplan vorzulegen: „Unsere Aufgabe ist es, eine Angebotsplanung zu machen.“ Die Regionalpolitiker kündigten an, die von ihnen ins Spiel gebrachte Wohnbebauung um das Main-Taunus-Zentrum in den neuen regionalen Flächennutzungsplan aufzunehmen. Ein erster Entwurf des Plans soll Ende 2019 vorliegen. Theoretisch könnte der Verband die Aufnahme der 70 Hektar Siedlungsfläche in den Plan auch gegen den Willen der betreffenden Kommunen durchsetzen. „Ohne die betroffenen Kommunen geht nichts“, sagte Kötter, „das ist auch richtig und wichtig.“ Denn es ist letztlich ihr Recht und ihre Aufgabe, die notwendigen Bebauungspläne aufzustellen, die Baurecht schaffen.

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