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Boris-Becker-Akademie : Tennisschule mit berühmtem Namensgeber

Hat große Pläne für Hochheim: Boris Becker zu Gast in Wiesbaden. Bild: Wonge Bergmann

In Hochheim soll eine Tennisakademie entstehen, die den Namen Boris Beckers trägt. Gestern stellte er das Vorhaben vor und legte dar, welche Richtung er für das Projekt angeben wird.

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          Dirk Westedt lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Als die Fotografen und Kameraleute in einem dichten Pulk zum Podium drängen, geht der Bürgermeister aus Hochheim betont gelassen an den Objektiven vorbei. Die Linsen sind ohnehin nicht auf ihn gerichtet, sondern auf den Mann im grauen Anzug, der auf dem Podium schon Platz genommen hat. Der frühere Tennisstar Boris Becker zieht immer noch die Aufmerksamkeit auf sich, auch wenn es schon lange her ist, dass er auf Rasen von Wimbledon stand. Zur Zeit wird er in den Medien wegen seines Insolvenzverfahren erwähnt. Darüber mag Becker in der Pressekonferenz in Wiesbaden aber nicht reden.

          Jan Schiefenhövel

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Vielmehr will Becker sein nächstes Großprojekt vorstellen, eine Tennisakademie mit Sportinternat, die seinen Namen tragen wird und in Hochheim gebaut werden soll. Vorgesehen ist eine Halle mit 21 Tennisplätzen, sie wird damit die größte Tennishalle der Welt sein, wie der Namensgeber sagt. Auf dem Center Court können Turniere ausgetragen werden, nach den Plänen ist dort Platz für 2000 Zuschauer. Die Tennisschule ist gedacht für 270 Kinder und Jugendliche von der sechsten bis zur 13. Klasse aus der ganzen Welt. 30 Tennistrainer sollen die Jugend anleiten. Das hat seinen Preis, die Eltern werden 50.000 Euro im Jahr für die sportliche und schulische Ausbildung sowie die Unterbringung zahlen. Ergänzt wird das Sportinternat mit Appartements für Eltern, einem Hotel mit 65 Zimmern, einem Restaurant, einem Fitnessstudio, einer Schwimmhalle und einem Tennismuseum.

          Mehr als nur Namensgeber

          Auf die Frage, wer denn die Richtung für die sportliche Ausbildung vorgebe antwortet Becker knapp: „Ich natürlich.“ Denn er will nicht nur Namensgeber sein, sondern selbst auf dem Platz stehen, wie er sagt, mit Trainern und mit Spielern reden, ihnen zeigen, wie sie die Vorhand noch besser spielen können. Als Partner für den Schulunterricht wurden die Obermayr-Schulen gewonnen. Spätestens im Frühjahr 2021 soll der erste Bauabschnitt fertig werden.

          Ähnliche Tennisschulen für Nachwuchsspieler finden sich bisher auf Mallorca und in Nizza, nicht aber in Deutschland. „Endlich ist mal einer darauf gekommen, dass es noch keine Boris-Becker-International-Tennis-Academy gibt.“ Becker meint Khaled Ezzedine. Der Wiesbadener Immobilienunternehmer will als Bauherr die Akademie errichten und nach eigenen Worten 20 Millionen Euro investieren. Auf die Idee ist er gekommen, weil seine eigenen Kinder die Tennisschule in Nizza besuchen.

          Sport und Bildung gehören zusammen

          In dem Oldtimermuseum des Unternehmers findet der Auftritt Beckers denn auch statt. Ezzedine hebt hervor, wie wichtig die Kombination aus Tennistraining und Schulunterricht sei. Seinen eigenen Kindern sage er stets, auf dem Tennisplatz sei man nur eine Verletzung davon entfernt, kein Tennis mehr spielen zu können. Dann bleibe immer noch die Bildung. Das sieht auch Becker so. Jeder kenne Stars wie Angelique Kerber, aber keiner denke an die vielen Nachwuchsspieler, die es nicht bis ins Profitennis schafften.

          Für die Weinstadt Hochheim als Standort entschieden sich Ezzedine und Becker wegen ihrer Nähe zum Frankfurter Flughafen. Der Bauplatz für die Akademie liegt an der Frankfurter Straße. Dort wird ein Firmengrundstück frei, das bisher vom Unternehmen Tetra Pak genutzt wird. Bei der Projektvorstellung in Wiesbaden tritt der FDP-Bürgermeister Westedt zurückhaltend, ja geradezu bescheiden auf. Dabei hat er allen Grund zur Freude, nicht nur wegen der Gewerbesteuer, die von der neuen Einrichtung zu erwarten ist. Auch das neue Hotel wäre für die Stadt ein Gewinn, wie der Rathauschef sagt. Und als Touristenort kann die von Weinbergen umgebene Stadt am Main jene Publicity, die ein Star wie Becker einbringt, auch gut gebrauchen.

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