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Borgen statt kaufen : Hessens erster Leihladen öffnet in Maintal

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Im Leihladen: Yvonne Spiegelhalder und Florian Grünert Bild: dpa

Teilen statt besitzen: Die Sharing-Idee findet immer mehr Anhänger. Dem Trend folgend gibt es nun einen Leihladen im Rhein-Main-Gebiet. Der Vorteil für Kunden: Sie können sich Gegenstände borgen, die sie nicht alltäglich brauchen. Gebühren fallen nicht an.

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          Wie häufig benötigt der Durchschnittsbürger eigentlich ein Fondue-Set? Benutzet wird der Topf für ein Essen in gemütlicher Runde wahrscheinlich nur ein- oder zweimal im Jahr. Für den Rest des Jahres steht er herum, nimmt Platz weg und verstaubt. Dinge, die nur selten gebraucht werden, einfach nur mal borgen - das ist die Idee eines neuen Geschäfts. In Maintal im Main-Kinzig-Kreis eröffnet am 1. Dezember um 16 Uhr der nach Betreiber-Angaben erste Leihladen Hessens.

          „Teilen statt besitzen“ und „tauschen statt kaufen“ lautet die Devise bei den Initiatoren des Leihladens. In Maintal hat ein Kreis von fünf Anhängern die Idee verwirklicht. In einem Gewerbegebiet im Stadtteil Dörnigheim, in direkter Nachbarschaft zu einem großen Discounter, haben sie einen Raum eines ehemaligen Getränkemarkts mietfrei von der Stadt bekommen. Dort stehen nun Schwerlastregale, in denen sich schon rund 250 Artikel angesammelt haben - alles Spenden.

          Fünf Initiatoren

          Mit dabei sind zum Beispiel allerhand Werkzeuge. „Eine Bohrmaschine wird in einem normalen Haushalt innerhalb von vielen Jahren doch nur wenige Minuten benutzt“, erklärt Florian Grünert (34) und legt das Gerät ins Regal. Er ist neben Yvonne Spiegelhalder (38) einer der fünf Initiatoren des Leihladens. Gegenstände, die nur ab und zu gebraucht werden, gebe es zigfach: „Poliermaschinen, Schweißgeräte, Dampfreiniger, Heckenscheren, Sandwichmaker und vieles mehr“, zählt er auf.

          Der Laden soll wie eine Bibliothek sein. „Wir haben uns gefragt, was wir uns ausleihen würden. Davon haben wir uns bei der Auswahl leiten lassen“, erklärt Spiegelhalder. Es gibt auch saisonale Artikel, etwa einen Christbaumständer. „Oder wenn man eine Party schmeißen will: Wer hat schon 30 Longdrink-Gläser daheim? Oder diese Unmengen an Geschirr?“, sagt sie.

          „Das können Bibliotheken besser als wir“

          Jeder kann Mitglied werden im Leihladen. Einbringen müssen Interessenten einen halbwegs wertigen Gegenstand. Oder man meldet sich für einen Monatsbeitrag von zwei Euro an. Für eine Ausleihe wird zwar keine Gebühr fällig, aber es wird ein individuell festgelegtes Pfand kassiert - zum Beispiel für den Fall, dass die Rückgabe vergessen wird. Wer einen Artikel beschädige, bekomme die Chance, ihn zu ersetzen, oder das Pfand werde einbehalten, erklärt Grünert.

          Bücher werden nicht verliehen. „Das können Bibliotheken besser als wir“, sagt Grünert. Kleidungsstücke seien aus hygienischen Gründen ausgeschlossen.

          Die Macher verfolgen mit der Idee des Leihladens aber nicht nur praktische Überlegungen. „Wir wollen den Gedanken der Nachhaltigkeit anstoßen“, sagt Spiegelhalder. „Der Leihladen ist zugleich auch ein Zeichen gegen den Konsumterror. Und außerdem belastet Besitz nur“, findet sie. Ihr Kollege Grünert sagt: „Ich beschäftige mich privat mit Minimalismus. Ich versuche nur wenig zu besitzen, nur das, was ich wirklich brauche und nutze. Ich versuche auch wenig Geld bei Anschaffungen aufzuwenden und brauche keine Statussymbole.“ Der Wunsch, möglichst wenig finanziellen Einsatz für Konsumgüter aufzubringen, könne auch eine Motivation sein, erklärt Grünert, von Beruf Kulturamtsleiter bei der Stadt Maintal.

          Auf einem bereitgestellten Sofa

          Leihläden gibt es schon in einigen anderen Städten in Deutschland - etwa in Berlin, Leipzig und Bonn, wie Grünert sagt. Der Laden in Berlin am Prenzlauer Berg existiere schon seit ein paar Jahren.

          Zudem entspricht die Sharing-Mentalität auch dem Zeitgeist. Teilen und leihen ist in Mode, vor allem in großstädtischen Milieus. „Carsharing“ hat sich dort schon lange etabliert, bei Fahrrädern läuft es auch rund. Und Abenteuerlustige lassen sich gern für eine Nacht oder mehr beim Besuch in einer fremden Stadt auf einem bereitgestellten Sofa nieder („Couchsurfing“).

          Laut dem Institut für Demoskopie Allensbach borgen mehr als 50 Prozent der Bundesbürger ihren Nachbarn gelegentlich Dinge - vor 60 Jahren tat das nur etwa jeder Fünfte. Der Austausch in der Nachbarschaft habe kontinuierlich zugenommen. Das gemeinsame Nutzen von Gegenständen sei in den vergangenen Jahren wichtiger geworden als der Besitz, berichtet der Trendforscher Peter Wippermann. Yvonne Spiegelhalder vom Leihladen in Maintal gefällt auch die Vorstellung, dass ein Leihladen „wieder mehr Menschen in Kontakt bringt“.

          Als Geschäftsidee, um Gewinn zu erwirtschaften, verstehen die Initiatoren den Leihladen nicht. „Wir wollen kein Geld verdienen. Wir wollen aber auch kein Geld drauflegen. Das System ist für Menschen und muss von ihnen als Gemeinschaft auch mitgetragen werden.“ Tipps für den Aufbau der Leihladen-Idee haben sich die Maintaler in Berlin geholt. „Wir wissen nicht, ob es hier funktioniert. Es wird eine spannende Zeit zu sehen, ob die Leute die Idee verstehen und mitmachen“, sagt Grünert.

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