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Bonpflicht in Bäckereien : C’est bon

Aufreger Nummer Eins: Kassenzettel in Bäckereien Bild: dpa

Bäcker und ihre Kunden regen sich gleichermaßen über die Bonpflicht auf. Es stellt sich allerdings die Frage, warum Quittungen vom Bäcker schlimmer als die vom Supermarkt sein sollen.

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          Hei, da haben sie aber wieder etwas gefunden, all diejenigen, die den Politikern als solchen nicht über den Weg trauen, die sowieso nur eine Bürokratiemaschine auf sich zurollen sehen, die alles schlecht finden in der modernen Welt: Kassenbons in Bäckereien! In einem Unternehmen dieser Branche in Frankfurt ist man über die neue Vorschrift dermaßen sauer, dass man der geschätzten Kundschaft rät, sie solle doch die überflüssigen Schnipsel den Herrschaften vom Finanzamt in die ohnedies überfüllten Briefkästen stecken, die FDP ist ganz aufgeregt und die AfD auch, und im Hessischen Industrie- und Handelskammertag haben sie gleich nach der Weihnachtspause eine geharnischte Pressemitteilung verfasst, dass dieser Unfug rasch ein Ende haben möge.

          Ja, es ist immer wieder eine Freude, sich über die Bürokratie in diesem fein regulierten Land zu echauffieren, und oft genug ist es ja auch berechtigt, die Beispiele für Blödsinn sind Legion, sie sind auch an dieser Stelle oft gegeißelt worden, aber Kassenbons in Bäckereien? Kassenbons? Wenn jemand möchte, dass wir Schatullen voller Quittungen in Briefkästen von Finanzämtern stecken, können wir gerne unsere Sammlung von Aldi- und Rewe-Belegen beisteuern, die Schnipsel stopfen noch viel schöner, denn sie sind in der Regel weitaus länger, und auch darüber hat sich nie jemand aufgeregt.

          Nichts spricht gegen Kassenbons

          Kassenbons in Bäckereien, das war ein phantastisches Thema für unseren Berufsstand in den vergangenen nachrichtenarmen Tagen, obwohl wir zu unserem Ruhme anmerken möchten, dass wir anders als die Kollegen vom Berliner „Tagesspiegel“ immerhin der Versuchung widerstanden haben, auch noch der Frage nachzugehen, ob eigentlich die Bonpflicht auch in Bordellen gilt, in Frankfurt ist es halt nicht so langweilig wie in der Hauptstadt, da bekommen wir die Zeitung mit besseren Geschichten zu.

          Aber wie auch immer, das alles war entschuldbar, aber jetzt ist es auch gut. Nichts spricht gegen Kassenbons dort, wo sie bisher nicht ausgeteilt wurden, ob nun in der Bäckerei, in Restaurants oder am Gemüsestand, es ist kein Generalverdacht gegen diese Gewerbetreibenden, wie ja auch kein Generalverdacht gegen Supermärkte besteht, die seit eh und je derlei aushändigen, wie auch Klempner, Maler und Autowerkstätten Quittungen ausstellen.

          Es stimmt schon, Politiker und Bürokraten sind von Grund auf regulierungswütig, vieles, was sie vorschreiben, wäre besser nie vorgeschrieben worden, und es empfiehlt sich stets, genau hinzuschauen. Aber Bons in Bäckereien? Von morgen an bitte: nur noch über Wichtiges aufregen.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

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