https://www.faz.net/-gzg-9v74w

Bonpflicht in Bäckereien : C’est bon

Aufreger Nummer Eins: Kassenzettel in Bäckereien Bild: dpa

Bäcker und ihre Kunden regen sich gleichermaßen über die Bonpflicht auf. Es stellt sich allerdings die Frage, warum Quittungen vom Bäcker schlimmer als die vom Supermarkt sein sollen.

          1 Min.

          Hei, da haben sie aber wieder etwas gefunden, all diejenigen, die den Politikern als solchen nicht über den Weg trauen, die sowieso nur eine Bürokratiemaschine auf sich zurollen sehen, die alles schlecht finden in der modernen Welt: Kassenbons in Bäckereien! In einem Unternehmen dieser Branche in Frankfurt ist man über die neue Vorschrift dermaßen sauer, dass man der geschätzten Kundschaft rät, sie solle doch die überflüssigen Schnipsel den Herrschaften vom Finanzamt in die ohnedies überfüllten Briefkästen stecken, die FDP ist ganz aufgeregt und die AfD auch, und im Hessischen Industrie- und Handelskammertag haben sie gleich nach der Weihnachtspause eine geharnischte Pressemitteilung verfasst, dass dieser Unfug rasch ein Ende haben möge.

          Ja, es ist immer wieder eine Freude, sich über die Bürokratie in diesem fein regulierten Land zu echauffieren, und oft genug ist es ja auch berechtigt, die Beispiele für Blödsinn sind Legion, sie sind auch an dieser Stelle oft gegeißelt worden, aber Kassenbons in Bäckereien? Kassenbons? Wenn jemand möchte, dass wir Schatullen voller Quittungen in Briefkästen von Finanzämtern stecken, können wir gerne unsere Sammlung von Aldi- und Rewe-Belegen beisteuern, die Schnipsel stopfen noch viel schöner, denn sie sind in der Regel weitaus länger, und auch darüber hat sich nie jemand aufgeregt.

          Nichts spricht gegen Kassenbons

          Kassenbons in Bäckereien, das war ein phantastisches Thema für unseren Berufsstand in den vergangenen nachrichtenarmen Tagen, obwohl wir zu unserem Ruhme anmerken möchten, dass wir anders als die Kollegen vom Berliner „Tagesspiegel“ immerhin der Versuchung widerstanden haben, auch noch der Frage nachzugehen, ob eigentlich die Bonpflicht auch in Bordellen gilt, in Frankfurt ist es halt nicht so langweilig wie in der Hauptstadt, da bekommen wir die Zeitung mit besseren Geschichten zu.

          Aber wie auch immer, das alles war entschuldbar, aber jetzt ist es auch gut. Nichts spricht gegen Kassenbons dort, wo sie bisher nicht ausgeteilt wurden, ob nun in der Bäckerei, in Restaurants oder am Gemüsestand, es ist kein Generalverdacht gegen diese Gewerbetreibenden, wie ja auch kein Generalverdacht gegen Supermärkte besteht, die seit eh und je derlei aushändigen, wie auch Klempner, Maler und Autowerkstätten Quittungen ausstellen.

          Es stimmt schon, Politiker und Bürokraten sind von Grund auf regulierungswütig, vieles, was sie vorschreiben, wäre besser nie vorgeschrieben worden, und es empfiehlt sich stets, genau hinzuschauen. Aber Bons in Bäckereien? Von morgen an bitte: nur noch über Wichtiges aufregen.

          Manfred Köhler
          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Weitere Themen

          Waldstadion in Regenbogenfarben

          Nach Verbot der UEFA : Waldstadion in Regenbogenfarben

          Nach dem Verbot des europäischen Fußballverbands UEFA, die Münchner Arena beim EM-Spiel zwischen Deutschland und Ungarn in Regenbogenfarben auszuleuchten, strahlt das Waldstadion am Mittwochabend bunt angeleuchtet.

          Topmeldungen

          2:2 gegen Ungarn : Ein denkwürdiges deutsches Drama

          Es ist ein Abend des puren Nervenkitzels: Lange droht dem DFB-Team ein Debakel wie bei der WM. Der eingewechselte Leon Goretzka verhindert das EM-Vorrundenaus mit dem späten Ausgleich gegen Ungarn.
          Britney Spears will sich mit nunmehr 39 Jahren von der Vormundschaft ihres Vaters befreien. (Archivbild von 2019)

          Anhörung vor Gericht : Britney Spears fordert Ende von Vormundschaft

          Seit 13 Jahren verwaltet ihr Vater als Vormund das Vermögen von Popstar Britney Spears. Nun äußerte sich die 39-Jährige vor einer Richterin zu dieser Situation: Sie sei nicht glücklich, deprimiert, vor allem aber wütend.
          Hoffnung auf Herdenimmunität: Menschen in der Fußgängerzone der Münchener Innenstadt

          Neue RKI-Zahlen : Immer mehr Delta-Infektionen

          Die Inzidenzen sinken weiter. Doch laut RKI hat sich der Anteil der Delta-Variante bei den Neuinfektionen seit vergangener Woche fast verdoppelt. Dennoch: Die Bundesländer bleiben gelassen.
          Der Berliner Erzbischof Heiner Koch am 29. Januar bei der Vorstellung des Missbrauchsgutachtens für das Erzbistum Berlin

          Missbrauch im Erzbistum Berlin : Ein Erzbischof ringt um Worte

          Die Beschäftigung mit dem Trauma sexualisierter Gewalt höre nie auf, berichtet ein Opfer. Sie müsse sich dafür rechtfertigen, für die Kirche zu arbeiten, berichtet eine Seelsorgerin. Eine Anhörung in Berlin erschüttert Erzbischof Koch.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.