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Verzögerte Evakuierung : „Eine Mischung aus Ignoranz und Dummheit“

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Nicht alle Anwohner wollte ihre Wohnungen freiwillig verlassen. Bild: KAMMERE/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Bei der größten Evakuierungsaktion in der Geschichte der Bundesrepublik sollten mehr als 60.000 Menschen ihre Wohnungen verlassen. Doch uneinsichtige Anwohner torpedierten den Zeitplan für die geplante Bombenentschärfung in Frankfurt.

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          Mit Verzögerung hat in Frankfurt die Entschärfung einer gefährlichen Sprengbombe aus dem Zweiten Weltkrieg begonnen. Mehr als 60.000 Anwohner hatten dafür im Umkreis von 1,5 Kilometern um den Fundort Bombe ihre Wohnungen verlassen müssen. Es war die größte Evakuierungsaktion in der Geschichte der Bundesrepublik.

          Rund 500 Menschen wurden am Sonntagmorgen mit Spezialtransporten in Sicherheit gebracht, 600 waren es bereits am Samstag. Auch Altenheime und zwei Krankenhäuser wurden evakuiert. Weil bis zum Mittag immer neue Bitten um Hilfe bei der Feuerwehr eingingen, dauerten die Transporte länger als geplant.

          Das sei „super ärgerlich und super aufwendig“ gewesen, sagte ein Sprecher der Frankfurter Feuerwehr. Bei einem der Krankentransporte gab es laut Polizei einen Zwischenfall. Eine Person sei beim Transport bewusstlos geworden und habe reanimiert werden müssen.

          Für die längste Verzögerung sorgten jedoch renitente Anwohner, die sich weigerten, ihre Häuser zu verlassen. „Wegen weniger als einem Dutzend Leuten ist jetzt die ganze Maschinerie angehalten“, schimpfte Feuerwehrchef Reinhard Ries am Mittag, als die Entschärfung eigentlich schon hätte laufen sollen. Seit dem Morgen hätten Polizei und Rettungskräfte einen super Job gemacht „und diese Herrschaften verhageln uns alles“.

          Ries sprach von einer Mischung aus „Ignoranz und Dummheit“. Rettungskräfte, die Hilfsbedürftige aus der Sicherheitszone brachten, hätten Anwohner winkend am Fenster gesehen. Das sei „unverschämt“. „Ich hoffe, dass das Konsequenzen hat.“

          Eine Person musste nach Angaben von Polizeichef Gerhard Bereswill in Gewahrsam genommen werden. Der Mann musste mit einer Drehleiter über den Balkon aus der Wohnung geholt werden. Die Behörden prüfen, ob sich der renitente Anwohner damit strafbar gemacht hat oder ob man ihm die Kosten für den längeren Polizeieinsatz in Rechnung stellen kann. Einige Anwohner hätten sich auch zunächst versteckt und dann doch Angst bekommen und die Polizei gerufen.

          Statt wie geplant um 12.00 Uhr konnte die Entschärfung erst zweieinhalb Stunden später beginnen. „Um 14.27 Uhr ist der Einsatzleiter der Entschärfung informiert worden, dass Sicherheit besteht“, sagte Bereswill, „das heißt, dass das Areal menschenleer ist“. Trotz Verzögerungen habe man die Evakuierung „in einigermaßen überschaubarer Zeit“ geschafft. Die Polizei werde in den kommenden Stunden die Sperrzone von außen sichern. „Jetzt ist der Kampfmittelräumdienst dran.“

          Der erste Zünder der britischen Luftmine war in weniger als einer halben Stunde entschärft, wie ein Feuerwehrsprecher am Nachmittag berichtete. Die mit 1,4 Tonnen Sprengstoff ausgestattete Bombe hat drei Zünder, die nacheinander unschädlich gemacht werden müssen. Pro Zünder rechnen die Experten mit etwa einer Stunde, die gesamte Entschärfung sollte bis ungefähr 19.30 Uhr dauern.

          Wenn es zu keinen weiteren Verzögerungen kommt, könnte der ursprüngliche Zeitplan doch noch gehalten werden, glaubt Bereswill. Gegen 20 Uhr könnte der Verkehr wieder freigegeben werden. Zuvor sollten Kranke und Alte zurückgebracht werden.

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