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Riederwald teilweise evakuiert : Weltkriegsbombe in Frankfurt erfolgreich entschärft

  • -Aktualisiert am

Per Shuttle nach Nieder-Eschbach: Hilfskräfte der Johanniter-Unfall-Hilfe betreuen die Evakuierten. Bild: Helmut Fricke

Für die Entschärfung einer 50 Kilo schweren Weltkriegsbombe hatten 1200 Menschen ihre Wohnungen und Häuser im Riederwald für Stunden verlassen müssen. Mittlerweile können sie wieder in die eigenen vier Wände zurück – die Feuerwehr meldete die erfolgreiche Entschärfung.

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          Ein Polizeihubschrauber dröhnt über den Riederwald, an seinem Rumpf ist eine Wärmebildkamera befestigt. Ein Polizist verrät: „Damit schauen wir, ob sich noch Menschen im Viertel befinden.“ Einige, die an diesem Abend zur Gruppe derer zählen, die ihre Wohnungen für mehrere Stunden verlassen müssen, huschen noch mit vollgepackten Rucksäcken unter einem Flatterband der Polizei hindurch. „Aus dem Viertel kommt man nur noch heraus, nicht mehr hinein“, sagt ein Polizist, der das Geschehen überwacht.

          500 Meter Luftlinie von der Polizeiabsperrung entfernt wurde am Mittwochnachmittag eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt. Der 50 Kilogramm schwere, amerikanische Blindgänger war auf einem Baugrundstück nördlich der Lahmeyerbrücke bei Sondierungsarbeiten entdeckt worden. Die Position der Bombe in der Erde sei stabil, teilt die Feuerwehr mit, darum habe man mit der Entschärfung bis gestern Abend warten können.

          Straßensperrung in der Gefahrenzone

          Für die Bombenentschärfung müssen etwa 1200 Bürger ihre Häuser verlassen. In einem Umkreis von 500 Metern um den Fundort herum wurde die Evakuierungszone eingerichtet. Die Gefahrenzone erstreckt sich auf den nahen Wald sowie auf ein Gewerbe- und ein Wohngebiet. „Die Gegend ist für Frankfurter Verhältnisse dünn besiedelt“, sagt ein Sprecher des Kampfmittelräumdienstes. „Die meisten Wohnhäuser sind Reihenhäuser und niedrige Wohnblocks.“ Auch ein Teil der Hanauer Landstraße habe gesperrt werden müssen, teilt ein Sprecher der Feuerwehr mit. Davon seien sowohl Autos als auch der öffentliche Nahverkehr betroffen.

          Ein Mann, der nur einige Meter entfernt vom Fundort der Bombe wohnt, läuft aufgeregt zwischen seinem Haus und einer Polizeiabsperrung hin und her. „Soll ich meine Landschildkröte mitnehmen?“, fragt er sich und zeigt sich äußerst besorgt: „Wenn das Ding explodiert, kann die ja nicht hierbleiben.“ Damals, bei der letzten Entschärfung, habe es ganz in der Nähe einen Ort gegeben, an dem Helfer Würstchen verteilt hätten, erinnert er sich. Das gebe es diesmal nicht. „Ich werde einfach ein Stück fahren und mich in mein Auto setzen und abwarten“, kündigt er an.

          Wenig Andrang im Notquartier

          Später am Abend, als die Evakuierungszone längst menschenleer sein soll, stellt sich heraus, dass einige Bewohner die Aufrufe von Polizei und Feuerwehr nicht ernst genommen haben und in ihren Wohnungen verharren. Ein Mann wird schließlich von der Feuerwehr per Leiter aus dem zweiten Stock heraus befördert. Dabei stehen seit Stunden außerhalb der Zone Shuttlebusse bereit.

          Daniel Bader von der freiwilligen Feuerwehr ist als Lotse im Einsatz. Er begleitet Menschen zum Notquartier. Viel zu tun hat er nicht an diesem Abend. Nur eine Handvoll Menschen hätten sie nach Nieder-Eschbach gebracht, sagt er. Dass so wenige Hilfe in Anspruch nähmen, sei dem guten Wetter geschuldet. „Die Leute haben sich etwas vorgenommen.“ Andere sind bei Freunden und Verwandten untergekommen.

          Für alle ist die Überraschung groß, als nicht erst wie angekündigt um 23 Uhr, sondern schon eine halbe Stunde früher Entwarnung gegeben wird und die Bombe entschärft ist. René Bennert vom Kampfmittelräumdienst hat mit seinem Team schnell gearbeitet. Schließlich hatte er wegen des verspäteten Auszugs einiger Bewohner erst um 21.30 mit den Arbeiten an der Bombe loslegen können. 21 Uhr ist ursprünglich geplant gewesen. Doch die Handgriffe sitzen. Selbst im entscheidenden Augenblick der Entschärfung behält Bennert die Bombe im Blick. „Das muss sein“, sagt er, falls sich doch jemand Unbefugtes nähere.

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