https://www.faz.net/-gzg-9ogim

Späte Entschärfung : Die Bombe kann warten

Auf dieser Baustelle im Frankfurter Ostend wurde die Weltkriegsbombe gefunden. Bild: Helmut Fricke

Am 7. Juli soll eine 500 Kilogramm schwere Bombe im Ostend entschärft werden. Dass die Gefahrenquelle erst so spät beseitigt wird, hängt unter anderem mit dem internationalen Triathlon zusammen.

          Fast zwei Jahre nach der bisher größten Evakuierung der Nachkriegszeit in Frankfurt müssen sich vor allem viele Menschen im Osten der Stadt auf einen weiteren unruhigen und unbequemen Sonntag einstellen. Am 7. Juli soll die amerikanische Fliegerbombe entschärft werden, die am Dienstag während Bauarbeiten im Areal Eytelweinstraße/Mayfarthstraße nahe der Europäischen Zentralbank gefunden wurde. Wie berichtet, ist der Sprengkörper rund 500 Kilogramm schwer und soll an Ort und Stelle entschärft werden. Der Kampfmittelräumdienst hat eine Schutzzone in einem Radius von etwa einem Kilometer festgelegt; sie umfasst weite Teile des Ostends, und südlich des Flusses Gebiete von Sachsenhausen und Oberrad.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Art des Sprengkörpers und die Siedlungsstruktur im Ostend bringen es mit sich, dass die Sperrzone keinen Kreis beschreibt. Es handelt sich um eine amerikanische Bombe, die weniger wegen ihrer Sprengkraft als wegen ihrer Splitter besonders gefährlich ist. Relativ nahe gelegene Gebäude nördlich der Fundstelle würden im schlimmsten Fall, falls die Entschärfung misslingt, die Splitter aufhalten; entsprechend konnte der Sicherheitsabstand verkürzt werden. Gen Süden aber ist das Feld offener und entsprechend weiter wäre mit Einschlägen zu rechnen. Zwar liegen weite Teile des Zoos außerhalb der Schutzzone, aber der Tiergarten bleibt am 7. Juli dennoch voraussichtlich geschlossen, wie die Feuerwehr mitteilte. Zum einen, weil man keine unnötigen Risiken eingehen will, zum anderen, weil es an diesem Tag für Besucher schwierig sein dürfte, den Tiergarten zu erreichen.

          Vermutlich mehrere Tausend Bürger werden am 7. Juli ihre Wohnungen verlassen müssen. Stadt und Feuerwehr wollen heute Zahlen nennen. Auch die Bewohner von Altenheimen und Gäste mehrerer Hotels sind gezwungen, sich für einige Stunden eine andere Bleibe zu suchen. Um welche Uhrzeit alle spätestens das Nötigste gepackt haben müssen, um sich auf den Weg zu Freunden, Verwandten oder in eine Halle zu machen, das wird in den nächsten Tagen bekannt gegeben.

          Entschärfung voraussichtlich am frühen Vormittag

          Nach den Erfahrungen mit dem Bombenfund im Herbst 2017 im Westend dürfte das abermals am frühen Vormittag der Fall sein. Die Einsatzkräfte müssen dann noch eine Frist einplanen, in der, so weit möglich, sichergestellt wird, dass tatsächlich auch alle die Gefahrenzone verlassen haben. Die Entschärfung werde voraussichtlich einige Stunden dauern, sagte gestern ein Sprecher des zuständigen Regierungspräsidiums in Darmstadt. Die Bombe hat zwei Zünder, was doppelte Vorsicht und doppelten Aufwand erfordert.

          Karte Evakuierungsgebiet um den Fundort der Weltkriegsbombe im Ostend
          Vergrößern

          Dass sie nicht schon an diesem Sonntag unschädlich gemacht wird, liegt an ihrer stabilen Lage. Sie wurde während der Sondierung des Bodens entdeckt. Diese ist für Bauvorhaben angesichts der immer noch großen Zahl von Blindgängern im Frankfurter Erdreich Pflicht. Weil der Sprengkörper dabei aber nicht bewegt wurde, hatten die Experten aus Darmstadt nach einer Untersuchung keine Bedenken, mit der Entschärfung noch einige Tagen zu warten.

          Der erste Gedanke, die Gefahrenquelle so schnell wie möglich zu beseitigen, konnte somit wieder verworfen werden. Wäre dies doch angesichts des internationalen Triathlons und einiger weiterer Großveranstaltungen in der Stadt eine noch größere logistische Herausforderung geworden als ohnehin schon; Hotels in der Schutzzone sind mit Sportlern belegt. Und weil etliche Straßen- und Schienenverbindungen gesperrt werden, hätten zudem viele Familien zum Start in die Sommerferien eilig umplanen müssen.

          Weitere Informationen und interaktive Karte auf feuerwehr.frankfurt.de

          Weitere Themen

          Früher war mehr Prestige

          Frankfurter Bühnen : Früher war mehr Prestige

          Eine Diskussion beschäftigt sich mit einem möglichen Comeback des Schauspielhauses von 1902. Aus den Fehlern bei der Kölner Sanierung könne Frankfurt dabei nur lernen. Auch die Funktion des Hauses für die Stadt und ihre Bevölkerung hat Priorität.

          Topmeldungen

          Sowohl Trump als auch Johnson winken mit ihrem zerstörerischen Potential. Nur schätzen sie ihre Position falsch ein.

          Schwäche der EU? : Boris Trump

          Sowohl Trump als auch Johnson verschätzen sich: Man kann aus den Wechselbeziehungen der globalisierten Welt nicht in Trotzecken fliehen und dabei nachhaltige Gewinne machen. Europa ist da in einer stärkeren Position.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.