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Bohrung dieses Jahr geplant : Suche nach Erdöl nahe Stockstadt

Auf der Suche: Eine Förderpumpe für Erdöl. Bild: Koppelstätter Kommunikation

Das Unternehmen Rhein Petroleum GmbH mit Sitz in Heidelberg will in der Nähe von Stockstadt nach Erdöl bohren - und das noch dieses Jahr.

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          Das Unternehmen Rhein Petroleum GmbH mit Sitz in Heidelberg will in der Nähe von Stockstadt nach Erdöl bohren. Seismische Untersuchungen im hessischen Ried hätten gezeigt, dass in diesem Raum noch Erdöl lagere, dessen Förderung womöglich rentabel sei, sagte Geschäftsführer Michael Suana. Deshalb habe das Unternehmen beim Regierungspräsidium Darmstadt eine Probebohrung beantragt. Sofern die Genehmigung in den nächsten Monaten erteilt werde, sei noch für dieses Jahr eine Bohrung nach Erdöl bis in eine Tiefe von 1600Metern geplant. Erweise sich die Lagerstätte als so ergiebig wie erhofft, werde das Bohrloch für eine regelmäßige Förderung hergerichtet.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Im Raum um Stockstadt ist die Erdölförderung nicht neu. Von 1952 bis 1994 wurde dort an mehreren Stellen Öl ans Tageslicht geholt, dann ließen die damaligen Techniken nicht mehr zu, dies rentabel fortzusetzen. Heute erinnert nur noch eine Pferdekopfpumpe als Industriedenkmal an diese Zeit. Neues Interesse am Erdöl in Lagerstätten nahe dem Rhein zwischen Mainz und Basel flammte auf, als 2003 zufällig eine überaus ertragreiche Quelle nahe Speyer gefunden wurde. Eigentlich hatte man dort nach heißem Wasser für die Energieerzeugung gesucht.

          „Es sieht gut aus“

          Die Rhein Petroleum GmbH hatte 2011 mit seismischen Untersuchungen in verschiedenen Gebieten, unter anderem im hessischen Ried, begonnen. Dafür hatte man Spezialfahrzeuge geordert. Schwere Platten zwischen den Achsen der Lastwagen schlugen mit Wucht auf den Boden, und die dadurch ausgelösten Schwingungen wurden gemessen. Auf diese Weise konnten sich die Fachleute nach und nach ein Bild vom Untergrund machen.

          Nach der Auswertung der so gewonnenen Karten hat sich Suana zufolge gezeigt, dass aus der Lagerstätte nahe Stockstadt doch noch einmal rentabel Erdöl gefördert werden könnte. „Es sieht gut aus“, sagt der Geschäftsführer. Denn zum einen habe sich die Technik gegenüber den neunziger Jahren weiterentwickelt, zum anderen sei der Rohölpreis gestiegen, so dass sich die Förderung auch bei höherem Aufwand noch lohne. Deshalb sei in einem zweiten Schritt eine Probebohrung geplant, die etwa vier Millionen Euro koste. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die kommerzielle Förderung lohnt, gibt Suana mit zwei Dritteln an. Von der Probebohrung bis zur dauerhaften Förderung könnten sechs Monate bis zwei Jahre vergehen. Als wirtschaftlich gilt die Ausbeutung der Lagerstätte nach den Worten des Managers, so lange der Preis für ein Fass Rohöl bei mehr als 80Dollar liegt. Derzeit sind gut 92Dollar zu zahlen.

          Erdgas aus dem hessischen Ried

          Auch wenn Hessen nicht als Bergbauregion gilt, ist die Nutzung unterirdischer Lagerstätten doch genau geregelt; zuständig ist im Fall des Rieds die Bergverwaltung beim Regierungspräsidium Darmstadt. Sie hat Rhein Petroleum zunächst für die seismischen Verfahren eine Aufsuchungserlaubnis erteilt, die auch vor Konkurrenz schützt. Nun muss die Probebohrung genehmigt werden, und sollte das Unternehmen tatsächlich dort Erdöl fördern wollen, so wäre eine Produktionsbewilligung notwendig. Die Allgemeinheit würde insofern davon profitieren, als Rhein Petroleum eine spezielle Förderabgabe zahlen müsste. Denn grundsätzlich gehören Bodenschätze dem Land.

          Im hessischen Ried wurde bis 1979 auch Erdgas gefördert. Daran anzuknüpfen lohnt sich Suana zufolge jedoch nicht. Es sei zu wenig Gas vorhanden, und es liege auch nicht tief genug, so dass der Druck nicht hoch genug sei. Bei der Probebohrung nach Erdöl handele es sich nicht um das umstrittene Fracking, hebt der Manager hervor. Geplant sei vorerst lediglich ein einziges Bohrloch mit einem Durchmesser von ungefähr 50Zentimetern, das sich mit zunehmender Tiefe auf weniger als 20Zentimeter verjünge. Das Öl liege in einer Sandschicht.

          Rhein Petroleum gehört zu 90 Prozent der niederländischen Tulip Oil, die von ehemaligen Shell-Managern, darunter Suana, gegründet wurde. Das Geld dafür stellte die britische Barclays Bank bereit, die auf der Suche nach Anlagemöglichkeiten war. Zehn Prozent liegen bei der Deutschen Rohstoff AG, die ähnliche Geschäfte betreibt wie Rhein Petroleum. Diese Aktiengesellschaft ist börsennotiert.

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