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Börsenverein des Deutschen Buchhandels : Ein Haus für die Buchbranche

Nachkriegsmoderne: Zur Berliner Straße hin wird das neue Gelände des Börsenvereins vom Gebäude mit der Hausnummer 27 abgeschlossen. In ihm ist die Buchmesse untergebracht, eine Tochtergesellschaft des Börsenvereins. Errichtet wurde das Gebäude 1956 von Otto Apel. Rechts neben dem Buchmessenhaus öffnet sich der Durchgang in den Innenhof, der nach Süden zur Braubachstraße und in Zukunft auch zur wiederaufgebauten Altstadt führt. Bild: Wonge Bergmann

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels bezieht seinen neuen Sitz in der Innenstadt. Auch die Führung der Buchmesse ist von nun an dort untergebracht.

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          Es ist ein Bau, der zu seinem Nutzer passt. Als einziger Branchenverband der Welt vertritt der Börsenverein des Deutschen Buchhandels sämtliche Wirtschaftszweige, die vom Geschäft mit Büchern leben, auch wenn sie unterschiedliche Ziele verfolgen. Seit jeher ist der 1825 in Leipzig gegründete Zusammenschluss für Verleger und Buchhändler zuständig, Vertreter, Antiquare und Zwischenhändler kommen hinzu. Der neue Sitz, den der seit 1953 in Frankfurt ansässige Börsenverein nun bezieht, vereint ebenfalls sehr unterschiedliche Gebäude zu einem Ensemble.

          Florian Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zwischen der Berliner Straße im Norden und der Braubachstraße im Süden hat das Frankfurter Architekturbüro Scheffler+Partner für den Börsenverein drei denkmalgeschützte Gebäude saniert. Ihre Fassaden sind restauriert worden, die bisher unverbundenen Häuser werden durch einen neu errichteten Verbindungsbau mit Konferenzsälen zu einem Komplex zusammengefasst. Erschlossen wird er über einen gemeinsamen Haupteingang im Innenhof, der durch den Abriss mehrerer Hinterhäuser entstanden ist. Noch ist er nicht durchgehend gepflastert, Bauzäune versperren den Weg. Wenn der gesamte, vom Börsenverein als „Haus des Buches“ bezeichnete Komplex am nächsten Donnerstag eröffnet wird, soll der fertiggestellte Hof Angestellten und Passanten als Durchgang von der Berliner Straße zur Braubachstraße dienen.

          „Goethehöfe“ und eventuell Romantikmuseum

          Investiert hat der Börsenverein in den neuen Sitz nach Angaben seines Hauptgeschäftsführers Alexander Skipis rund 19Millionen Euro. Rund um den Hof sind neben dem Börsenverein nun erstmals alle seine Tochtergesellschaften untergebracht. Zu ihnen zählt die Ausstellungs- und Messe GmbH, die jeden Oktober die Frankfurter Buchmesse veranstaltet und bislang eine Immobilie in der Nähe der Konstablerwache nutzte. Die größte Bücherschau der Welt wird von nun an im Gebäude Berliner Straße27 organisiert, das der Architekt Otto Apel1956 in den Formen der Wiederaufbaumoderne vollendete. Den südlichen Abschluss des Geländes bilden an der Braubachstraße zwei benachbarte Häuser aus dem Jahr 1926. In ihnen ist jetzt unter anderem der Marketing- und Verlagsservice des Börsenvereins untergebracht. Er führt das „Verzeichnis lieferbarer Bücher“ und gibt das Branchenmagazin „Börsenblatt“ heraus. Die gemeinsame Unterbringung soll nicht nur die Zusammenarbeit der insgesamt rund 340Mitarbeiter der Börsenvereinsgruppe erleichtern, sondern nach Angaben von Skipis auch ein Zeichen für die Zukunft des Buches setzen. Schließlich kämpft der mehr als 5700Unternehmen repräsentierende Verband in Zeiten des digitalen Wandels für das Urheberrecht und die Buchpreisbindung. Stärker als bisher will der Börsenverein sich auch im Frankfurter Kulturleben bemerkbar machen. Rund um das Restaurant „Margarete“, das Ende Februar in dem von Paul Vincent Paravicini entworfenen Gebäude Braubachstraße18-22 eröffnet werden soll, wird es daher ein Veranstaltungsprogramm geben. Weitere Mieter sind das Schokoladengeschäft „Bitter&zart“ in Hermann Ernst Senfs spätexpressionistischem Gebäude Braubachstraße 14-16 und das Küchenstudio „Arclinea“ an der Berliner Straße.

          Bis Ende2008 hatte der Börsenverein auch in anderen Städten nach einem neuen Standort gesucht. Dann entschied er sich, in Frankfurt zu bleiben, und tauschte seinen bisherigen Sitz am Großen Hirschgraben mit der Stadt gegen das nun bezogene Gelände. Dessen Umgestaltung dürfte dazu beitragen, außer dem Börsenverein auch die Buchmesse in Frankfurt zu halten, die vertraglich bis 2022 an ihren augenblicklichen Veranstaltungsort gebunden ist.

          Auf dem vom Börsenverein geräumten Gelände neben dem Goethehaus plant die Stadt die vorrangig kulturell genutzten „Goethehöfe“ und für die Bestände des Goethehauses ein Romantikmuseum, dessen Finanzierung durch Bund, Land und Stadt noch nicht gesichert ist. Unterdessen hat der Börsenverein das bisherige Gebäude der Buchmesse an der Reineckstraße verkauft. Wie er auf Anfrage mitteilte, ist der neue Eigentümer die Merkur Immobilien- und Beteiligungs GmbH, eine Tochter der Gauselmann-Gruppe, die über die Merkur-Spielothek GmbH im Erdgeschoss der Immobilie seit Jahren eine Spielhalle betreibt.

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