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Börsenverein des Deutschen Buchhandels : Ein Ganzes aus drei Epochen

Luftig: Die Treppe im Foyer ist der Blickfang im Inneren des Hauses. Fast frei schwebt die Sichtbeton-Konstruktion im Raum.
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          Wer sich mit Ernst Ulrich Scheffler unterhält, ist schnell um ein Brecht-Zitat oder eine Anekdote über Arno Schmidt klüger. Seine Leidenschaft für Literatur kann der Frankfurter Architekt kaum verbergen. Scheffler ist ein Bücherwurm und um Lektüretipps nie verlegen. Seine Begeisterung teilt er mit einigen anderen Fachkollegen, die auch selten ohne ein Buch anzutreffen sind. Von schriftstellernden Architekten ganz zu schweigen: Max Frisch gewann mit einem Entwurf sogar einmal einen Architekturwettbewerb für ein Freibad, bevor er die Schreibmaschine dem Zeichenstift vorzog.

          Rainer Schulze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nun ist es zwar nicht gesagt, dass ein lesender auch ein besserer Architekt ist. Aber für das neue Domizil des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels ist Literaturbegeisterung sicher kein Nachteil. Hilft sie doch, die Bedürfnisse eines Verbands zu verstehen, der von der kleinen Buchhandlung bis zum großen Verlagshaus die Interessen der Buchbranche vertritt und mit der Frankfurter Buchmesse auch die größte Bücherschau der Welt veranstaltet.

          Heutige Herausforderungen für Architekten

          Im Wesentlichen ist der neue Sitz ein Bürohaus - aber kein steriles, gewöhnliches. In vier Baukörpern, die von drei Seiten einen kleinen Hof umschließen, sind die 340Mitarbeiter des Börsenvereins und seiner Tochtergesellschaften untergekommen. Nur ein Verbindungsbau und ein angebautes Hinterhaus sind neu, die anderen, unter Denkmalschutz stehenden Gebäude wurden aufwendig saniert.

          Die Aufgabe, den Börsenverein auf dem dichten Areal unterzubringen, zeigt stellvertretend, welchen Herausforderungen sich Architekten vielerorts heute stellen müssen. Beim Bauen im Bestand gilt es stets, auch alte Qualitäten zu bewahren und weiterzuentwickeln. Unter diesen Bedingungen muss der Anspruch, frei zu entwerfen, manchmal zurücktreten. Für Scheffler ist das selbstverständlich: „Die Stadt soll ihre Geschichte erzählen.“ Der Erhalt von Baudenkmalen sei eine ureigene Aufgabe von Architektur. „Wenn wertvolle alte Bausubstanz da ist, gehört es sich, dass man sie pfleglich behandelt.“

          Die einzelnen Teile fügen sich harmonisch zu einem Ganzen

          Der neue Sitz des Branchenverbands in der Innenstadt hat zwei Schauseiten. Zur Berliner Straße und zur Braubachstraße säumen drei Altbauten aus zwei Architekturepochen das kleine Carree. Wie ein schön gestalteter Einband zum Aufschlagen eines Buchs anregt, verlockt die Fassade dazu, den Hof zu betreten, den früher vor allem Taxis als Wendeschleife nutzten. Den einst vollgestellten, dunklen Innenhof hat Scheffler entrümpelt und dabei auch ein Atelierhaus entfernt. An seiner Stelle ist nun mehr Platz für Fußgänger und einen Verbindungsbau, der den Übergang zwischen den Bauteilen herstellt und das Foyer und hohe Sitzungssäle beherbergt.

          Die einzelnen Teile fügen sich so harmonisch zu einem Ganzen. Zur Orientierung in dem Baukörper genügt ein Blick auf das Treppengeländer. Mal ist der Handlauf filigran geschwungen, ein typisches Zeichen der fünfziger Jahre. Mal ist er rund und robust, wie in den Zwanzigern. Und dann wieder streng reduziert in schwarzem Metall, ein untrügliches Zeichen für die Gegenwart.

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