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Bob-Ross-Malkurs : Alaska Mountains und befreundete Bäume

  • -Aktualisiert am

Immer feste draufstoßen: Albin Michel kennt keine Schüchternheit im Umgang mit der Leinwand. Bild: Sick, Cornelia

Ölschinken wie geschnitten Brot: Albin Michel braucht nur einem Tag, um in seinem Bob-Ross-Malkurs aus jedem Teilnehmer einem großen Künstler zu machen.

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          Zaghaft, vorsichtig, mit der Überzeugung, sowieso kein anständiges Bild zustande bringen zu können, tappen sie den Pinsel in die Farbe. Vor ihnen die Leinwand auf der Staffelei, im linken Arm die Acrylplatte mit einem Klecks „Liquid White“, in der rechten Hand den Zwei-Zoll-Pinsel. 80 Euro werden sie am Ende des Tages dafür zahlen, dass sie Schicht um Schicht die Berge Alaskas in Nebelbank hinter saftgrüner Wiese an einem Bergsee entstehen lassen. Das Geld werden sie Albin Michel geben, der in seinem kleinen Atelier in Höchst einen Bob-Ross-Malkurs anbietet.

          Gekommen ist Familie Bernhardt, aus Meißner bei Kassel. Vater Frank und Mutter Claudia kennen den amerikanischen Maler Bob Ross aus dem Fernsehen, die Töchter Ronja und Kathrin, 13 und 16Jahre alt, nur noch von Youtube. Bis vor wenigen Jahren lief „The Joy of Painting“ im Spätprogramm auf Bayern Alpha, ein unerwarteter Quotenhit für den Spartensender.

          Seit 40 Jahren Künstler

          Bob Ross malte in jeder Folge ein komplettes Ölbild, ausschließlich romantische Motive aus der Natur, ohne Menschen. Farbenprächtige Sonnenaufgänge an Floridas Stränden, mächtige Wasserfälle aus dem Amazonas, schneebedeckte Wälder aus dem Mittleren Westen. Alaska Mountains statt röhrendem Hirsch. Ross wendete die für Ölfarben ungewöhnliche Nass-in-Nass-Technik an: Auf eine noch feuchte Schicht Farbe wird sofort die nächste aufgetragen. Für jedes Bild brauchte er 25 Minuten. Bei Familie Bernhardt wird es mehr als acht Stunden dauern.

          „Verstreichen Sie das Weiß mit kleinen Kreuzstrichen auf der Leinwand“, sagt Albin Michel. Schlaksig, weißhaarig und mit hoher Stirn, den gleichen sanften Ausdruck wie Ross im Gesicht, seit 40 Jahren Künstler, Musiker und Maler. Er nimmt seinen eigenen Bob-Ross-Pinsel, tunkt ihn beherzt in das Bob-Ross-Liquid-White auf seiner Bob-Ross-Acrylpalette und verteilt die Farbe auf der Bob-Ross-Leinwand.

          Farben und Werkzeuge seien aufeinander abgestimmt

          Jedes Bild, das er andere malen lässt, malt er im Kurs auch selbst. Michel, der in Deutschland geboren ist, streicht mit dem jetzt trockenen Pinsel in schnellen, kurzen Bewegungen über das Bild, verteilt die Farbe auf der Leinwand gleichmäßig. Neben der Staffelei liegen aufgereiht noch Fächerpinsel, Ein-Zoll-Pinsel, Script-Liner-Pinsel und Malspachtel. Alles trägt das Logo der Bob-Ross-Künstlerbedarf-Linie. Selbst die Malpaletten und die Kanister mit Farbverdünner. „Auch wenn das so klingt, als wollen die nur verkaufen, es macht einfach Sinn, ausschließlich mit Bob-Ross-Produkten zu arbeiten“, sagt Michel.

          Nur die Feuchttücher sind aus Deutschland, Michel hält seine Schüler dazu an, sich mit ihnen die Hände von der Ölfarbe zu reinigen. Farben und Werkzeuge seien aufeinander abgestimmt. Verwende man andere Farben, trockneten diese schneller oder langsamer. Sie verbänden sich daher anders miteinander, man bekomme dann die Bilder nicht so hin wie Bob Ross.

          20.000 Bilder hat Ross gemalt

          Auch die Technik von Ross müsse genau befolgt werden, sagt Michel. Allein das Laden des Pinsels - so nennt er es, wenn die Borsten in Farbe getunkt werden - ist ungewöhnlich. Mit dem Malspachtel wird der Farbklecks auf der Palette zu einem breiten Streifen ausgezogen, dann stößt man mit dem Pinsel die Farbbahn hinauf. „Wie mit einem Schneeschieber“, sagt Michel und korrigiert Frank Bernhardt, der seinen Pinsel einfach nur in Pthaloblau gerührt hat. Mit dieser Farbe wird der Himmel gestaltet, ein blauer Bogen spannt sich über die obere Hälfte des Bildes. Auch das Wasser am unteren Bildrand soll jetzt schon mit der gleichen Farbe gemalt werden. „Stoßen Sie den Pinsel jetzt einfach kräftig auf die Leinwand“, sagt Michel, so werde die Farbe gleichmäßig und deckend verteilt. „Tüt, tüt, tüt, so macht der Bob Ross immer, wenn er den Himmel malt.“

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