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Blutspende : „Wer im Gefängnis war, darf nicht mehr spenden“

  • Aktualisiert am

Geprüft: Stefanie Fritzsche, die Sprecherin des DRK-Blutspendedienstes Hessen und Baden-Württemberg, erklärt die Standards für eine Blutspende. Bild: Röth, Frank

In den Ferien gibt es weniger Blutspender. Doch auch nach dem Urlaub dürfen nicht alle sofort wieder spenden. Für manche ist es sogar immer verboten. Ein Gespräch mit Stefanie Fritzsche vom Deutschen Roten Kreuz.

          Wie viele Liter Spenderblut braucht Hessen jeden Tag?

          Die Patienten in den hessischen Krankenhäusern brauchen ungefähr tausend Blutspenden täglich. Das sind 500 Liter.

          Mehr als einen halben Liter darf man nicht spenden?

          Nein.

          Wer darf spenden?

          Grundsätzlich alle Gesunden ab 18, die sich fit fühlen. Erstspender dürfen bis 65 Jahre ihr Blut abgeben, Mehrfachspender bis zum 72. Geburtstag.

          Warum die Unterscheidung?

          Das sind festgelegte Kriterien der Bundesärztekammer und des Paul-Ehrlich-Instituts. Es geht um Spenderschutz. Wer bis zum 65. Lebensjahr noch nicht gespendet hat, soll nicht durch eine Erstspende in relativ hohem Alter gefährdet werden. Bei routinierten Mehrfachspendern dagegen wissen wir, dass sie das gut vertragen.

          Wo kann man spenden?

          Zum Beispiel direkt bei uns, beim DRK-Blutspendedienst in der Sandhofstraße 1, von Montag bis Freitag. Montags, mittwochs und freitags von 7 bis 14 Uhr, dienstags und donnerstags von 11.30 bis 19 Uhr. Außerdem bieten wir in der Woche annähernd 100 Blutspendetermine in ganz Hessen an. Wir fahren in Schulen, Firmen, Bürgerhallen. Überall dorthin, wo unsere Spender sind.

          Wo sind die Termine zu finden?

          Im Internet unter www.blutspende.de. Oder bei unserer kostenfreien Service-Hotline 08 00/1 19 49 11.

          Was muss man mitbringen?

          Den Personalausweis. Wir müssen bei jeder Blutspende sicher sein, dass Sie der sind, als der Sie sich ausweisen. Wir brauchen in jedem Fall ein Foto im Ausweis oder in einem der älteren Spenderausweise. Die neuen haben ja kein Foto mehr.

          Blutbeutel im Kühlraum des DRK-Blutspendedienst Hessen in Frankfurt am 05.08.2014.

          Wie machen sich die Ferien beim Blutspenden bemerkbar?

          Wir merken es fast immer. Ich schätze, dass wir zehn Prozent weniger Blutspenden haben. Weil aber 92 Prozent unserer Spender Mehrfachspender sind, kommen sie oft noch kurz vor dem Urlaub.

          Wie oft im Jahr darf man spenden?

          Männer sechsmal, Frauen viermal.

          Warum der Unterschied?

          Weil Männer im Schnitt mehr Blut im Körper haben. Je nach Körpergröße sind es bis zu acht Liter.

          Gibt es Reisegebiete, nach deren Besuch man nicht spenden darf?

          Ja. Das sind alle Länder, die als malariagefährdet gelten. In den ersten sechs Monaten nach der Rückkehr ist keine Blutspende erlaubt. Erst danach lässt sich definitiv nachweisen, dass keine Malaria-Erreger im Blut sind.

          Können Sie Länder nennen?

          Indien zum Beispiel. Aber auch große Teile Afrikas, Teile von Südamerika und weite Teile Chinas. Kuba übrigens auch.

          Wie läuft eine Blutspende praktisch ab?

          Sie weisen sich aus, nach der Anmeldung bekommen Sie einen Fragebogen. Darin wird unter anderem gefragt, wo Sie den letzten Urlaub verbracht und welche Medikamente Sie eingenommen haben. Danach geht es zu einer ärztlichen Voruntersuchung, ein kurzes Gespräch. Außerdem wird der Blutdruck gemessen.

          Und dann?

          Dann gehen Sie zum sogenannten Hb-Test oder auch Fingertest. Mit einem Piekser in die Fingerkuppe oder ins Ohrläppchen wird der Hämoglobin-Wert gemessen. Damit wird geprüft, ob Sie genug Sauerstoff im Blut haben, um die Spende gut zu vertragen. Schließlich wird eine Kanüle gesetzt für die eigentliche Blutspende. Zuerst werden drei Röhrchen gefüllt für eine Blutuntersuchung. Die eigentliche Menge läuft in einen sterilen Plastikbeutel. Das dauert fünf bis sieben Minuten.

          Und wann gibt’s die Brötchen?

          Zuerst bleiben Sie noch für etwa zehn Minuten liegen. Wir gucken, ob Ihr Kreislauf stabil ist. Danach gibt es Brötchen. In ländlichen Gegenden bereiten unsere ehrenamtlichen Helfer oft richtige Buffets vor mit Schnitzeln und Salaten.

          Kann ich in der Woche darauf schon wieder spenden?

          Nein. Gesetzlich vorgeschrieben ist eine Pause von 56 Tagen. Und Sie müssen die Jahreshöchstzahl von sechs beziehungsweise vier Terminen einhalten.

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