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Straßenschlachten : Warum die Proteste so eskaliert sind

Pflastersteine, gepanzerte Polizeifahrzeuge und Rauchschwaden - in Teilen Frankfurts lieferten sich gewalttätige Demonstranten und die Einsatzkräfte eine Straßenschlacht. Bild: dpa

Wieder haben Bilder gewalttätiger, vermummter Demonstranten die Blockupy-Proteste dominiert. Dabei gab es auch zahlreiche Menschen, die in Frankfurt friedlich gegen den Kapitalismus auf die Straße gingen. Eine Analyse.

          Es sind Bilder, die sind nur schwer mit dem zu vereinbaren, was am Mittwochmorgen in Frankfurt passierte. Auf der Flößerbrücke blockieren Demonstranten die Wege, doch sie scherzen mit den Polizisten und lachen.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Es herrscht eine gelöste Stimmung, bunt geschminkte Straßenkünstler balancieren auf Stelzen, Clowns malen Parolen auf die Straße. Ein Aktivist spielt gar Piano, es herrscht Volksfeststimmung.

          Doch nur wenige Stunden vorher herrschte hier Ausnahmezustand. Barrikaden brannten, Feuerwehrmänner wurden angegriffen und Pflastersteine aus der Straße gepuhlt, um damit Polizisten zu bewerfen. Selbst Polizeiautos standen in Flammen. Die Polizei selbst reagierte mit Wasserwerfern. Doch wie konnte es so weit kommen, wie konnte der Protest so sehr eskalieren?

          Die Polizei selbst war von dem Protest offensichtlich überrascht. Gerechnet wurde wohl eher damit, dass sich ein großer Pulk bildet und dieser zur EZB zieht und von da an aufsplittert. Doch es kam ganz anders. Die Organisation, besonders der internationalen Demonstranten, war hervorragend: Sie teilten sich in so genannten fünf Fingern auf, die alle auf die EZB zulaufen wollten. Jeder Finger hatte eine andere Farbe.

          Polizei überrascht von Vehemenz

          Innerhalb dieser Finger gab es wiederum Kleinstorganisationen von 10 bis 20 Leuten, die sich Namen wie Grexit oder Gandalf gaben. Für die Polizei war überraschend, mit welcher Vehemenz diese auftraten. Das war die Polizei seit den 80er Jahren nicht mehr gewöhnt. Solche Krawalle kennen die Frankfurter nur noch von dem Bau der Startbahn West. Was in den vergangenen Jahren passierte, war dagegen Kindergarten verglichen mit den Ausschreitungen in diesem Jahr. So brannten noch vor 7 Uhr die ersten Autos.

          Auch wenn morgen andere Thesen dominieren werden, muss man es doch klar sagen: Die Mehrheit der vielen tausenden Demonstranten waren friedlich. Sie waren bunt, international und fröhlich. Es war eine Minderheit, wenn auch eine große, die randalierte. Es sind fast immer einzelne, die provozieren. Sie rennen auf die Blockaden zu, werfen vielleicht einen Pflasterstein oder Böller und werden niedergeworfen. Dann rennt die Polizei auf die Demonstranten zu. Es ist ein ständiges Laufen und Gerenne, ein Ritual linker Großdemonstrationen. Leicht bekleidete Demonstranten gegen die schwer gepanzerten Polizisten, es ist immer wieder ein skurriles Bild.

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          Doch der Vorteil der Steinewerfer  war: Sie konnten sich hinter friedlichen Aktivisten verstecken. Steine werfen und in der Masse wieder abtauchen, so lautete die Taktik. Viele, zu viele, goutierten das Verhalten mit höhnischem Gelächter.  Auch wenn sie aktiv keine Gewalt ausübten, so machten sie sich doch durch ihre Tolerierung zu Tätern. Auch Blockupy selbst distanzierte sich nur halbherzig, wenn überhaupt. Das Bündnis selbst spricht gar von Provokationen der Polizei.

          Die wirklich friedlichen Demonstranten sind die großen Verlierer. Denn was sollten sie machen? Nicht demonstrieren, weil Gewalttäter sich hinter Ihnen verstecken? Die Aktivisten, welche sich in hemmungslosen Gewaltorgien üben, zur Rede stellen oder gar ausliefern? Fragen, die man nicht mit mit ja oder nein beantworten kann und die schwierig sind. Fest steht nur, sie haben ungewollt den Gewalttätern geholfen.

          Diese werden in den nächsten Tagen auch die Nachrichten dominieren, kaum einer wird von den Reden und der Kundgebung auf dem Römer schreiben. Blockupy, so viel steht schon jetzt fest, hat sich mit dem heutigen Tag unmöglich gemacht. Als Gesprächspartner, aber auch als linkes Bündnis. In wessen Namen so viel Gewalt entsteht, der kann nicht die angebliche Gewalt des Kapitalismus geißeln.

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