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Blockupy-Proteste in Frankfurt : Im Ausnahmezustand

Blockupy-Protestler trotzen einem Wasserwerfer der Polizei. Bild: Daniel Pilar

Mindestens 200 Verletzte, Dutzende zerstörte Autos, zertrümmerte Fensterscheiben - das ist das Fazit der Ausschreitungen von Frankfurt. Die Polizei spricht von einem der schlimmsten Angriffe auf die Einsatzkräfte seit Jahren.

          Links brennt ein Auto, rechts brennt ein Auto und keine zwanzig Meter weiter steht ein Polizeiwagen mit eingeschmissenen Scheiben und Farbbeutelflecken. Ein Polizist in Vollmontur wischt sich die Farbreste vom Visier. Rund zehn junge Männer, komplett schwarz gekleidet, schlagen davon unbeeindruckt Blumenkübel kaputt, um sie als Barrikade auf die Straße zu legen.

          Justus Bender

          Redakteur in der Politik.

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          In die Hanauer Landstraße im Frankfurter Ostend, vielleicht 200 Meter von den Sperrzäunen um die Europäische Zentralbank (EZB) entfernt, legt sich schon um kurz vor sieben Uhr morgens ein Teppich aus beißendem Tränengas. Rauchsäulen steigen in den Himmel und sind noch von weitem über der Innenstadt zu sehen. Während sich auf der Straße noch einige Leute die Augen auswaschen, rennen die Linksextremisten, geschützt durch ihre schwarzen Sonnenbrillen und Halstücher zur Baustelle am Straßenrand um alles auf die Fahrbahn zu schleppen, was sie tragen können: Gitter, Hölzer, Metallstäbe. Kein Auto soll hier durchkommen. Kurz darauf rennen rund 50 Polizisten auf die Krawallmacher zu, verscheuchen sie – und räumen die Straße wieder frei. Es sind keine fünf Minuten vergangen.

          Die Frankfurter Innenstadt befindet sich am Mittwoch im Ausnahmezustand. Vom frühen Morgen an ziehen Tausende Linksextremisten des kapitalismusfeindlichen Blockupy-Bündnisses durch die Stadt. Nach Angaben des Bündnisses 6000 an der Zahl, davon rund 1000 aus dem Ausland. Rund 8000 Polizisten sind im Einsatz. Später versammeln sich nach Angaben der Polizei fast 10.000 Menschen, um auf der Hauptkundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes vor dem Rathaus der Stadt gegen die Europäische Zentralbank (EZB) zu demonstrieren. Bei schweren Auseinandersetzungen werden im Verlauf des Tages mindestens 200 Personen verletzt. Nach Angaben der Polizei allein 90 Polizisten. Die Polizei setzt Wasserwerfer, Tränengas und Schlagstöcke gegen Randalierer ein und nimmt Dutzende Personen fest.

          Anlass für die Proteste, die schon am Morgen in Gewalt umschlagen, ist die Eröffnung des 1,3 Milliarden Euro teuren Neubaus der Zentralbank. Aber das interessiert bald kaum jemanden mehr. Im Laufe des Tages ziehen immer mehr Kleingruppen durch die Stadt. Autonome aus deutschen Großstädten neben italienischen Gruppen, dem – weil sie sich bunt kleiden – „Regenbogen-Block“. Aus Berlin ist ein Sonderzug angereist mit rund 900 Demonstranten, sie bilden einen von fünf „Fingern“, also großen Gruppen, die auf die EZB zuströmen und sie so blockieren sollen. Mit dabei im sogenannten blauen Finger sind die Demonstranten aus Italien, die zwar bunt, aber auch vermummt sind: Sie tragen Sturmhauben in Regenbogenfarben, dazu blaue T-Shirts mit der Aufschrift „Vive la commune“. Obwohl sie gegen das Vermummungsverbot verstoßen, lässt die Polizei sie in Ruhe – noch, denn der blaue Finger aus Berlin ist vielleicht der friedlichste in diesem Blockupy-Bündnis am Mittwoch.

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