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Frankfurts Polizeipräsident : „Beamte sind oft wie Freiwild“

Starker Mann: Gerhard Bereswill sieht sich als Vermittler zwischen Bürgern und der Polizei. Der 57 Jahre alte Frankfurter Polizeipräsident ist seit einem halben Jahr im Amt. Bild: Helmut Fricke

Seit einem halben Jahr ist Gerhard Bereswill Frankfurter Polizeipräsident. Im Interview spricht er über Gewalt gegen Polizisten, sein Verständnis von Führungskultur und den ewigen Kampf gegen Einbrecher.

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          Bei der jüngsten Pegida-Demonstration in Frankfurt ist es abermals zu Ausschreitungen gekommen. Muss die Polizei künftig härter durchgreifen?

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Polizeiliche Einsätze werden von uns immer nachbereitet. Daraus ergeben sich Gefahrenanalysen, die als Grundlage dafür dienen, künftige Veranstaltungen zu bewerten. Aus diesen Nachbereitungen werden Überlegungen abgeleitet, wie diese Einsätze ablaufen könnten. Dies trifft auch auf die montäglichen Pegida-Einsätze zu.

          Wie sehen Sie die Entwicklung, dass die Polizei jeden Montagabend mit einem massiven Aufgebot die Versammlung von Pegida schützen muss? Wäre es nicht hilfreich, wenn die Stadt die Veranstaltung an einen anderen, weniger attraktiven Ort verlegen würde?

          Über die Frage nach Häufigkeit und Örtlichkeit haben wir nicht zu entscheiden. Das Versammlungsrecht ist ein hohes Gut, welches wir zu schützen haben. Unsere Rolle ist da klar definiert.

          Immerhin entstehen durch diese Großeinsätze jede Woche auch immense Kosten, die die Allgemeinheit zahlen muss.

          Auch über die Kostenfrage haben wir nicht zu entscheiden.

          Sie haben als Schutzmann angefangen und die Polizeilaufbahn absolviert, haben unter anderem das Mobile Einsatzkommando geleitet und waren im Landeskriminalamt und im Ministerium tätig. Ist eine solche Karriere typisch?

          Ja, eine Rotation ist sinnvoll und auch so gewollt. Als junger Polizist habe ich noch nicht eingesehen, warum man öfter wechseln muss. Aber ich habe schnell gelernt, dass es hilfreich ist, andere Behörden und Arbeitsweisen kennenzulernen.

          Sie werden ja in Ihrer Laufbahn auch eine starke Veränderung von Führungsverständnis erlebt haben. Früher ist ein Polizeipräsident anders aufgetreten als Sie heute. Denkt man darüber nach, wie man eine Führungsposition innerhalb der Polizei am besten lebt?

          Das sind Gedanken, denen man nachgehen sollte, wenn man sich entwickeln will. Ich glaube, da hat sich vieles verändert, weil sich auch die Gesellschaft verändert hat. Sie ist zu einer Informations- und Kommunikationsgesellschaft geworden. Früher ist man kaum mit dem Polizeipräsidenten in Berührung gekommen. Heute ist man vernetzter, und auch die Besprechungskultur ist eine andere geworden. Man versucht, sich gegenseitig ausreichend zu informieren, Dinge nicht nur loszutreten, sondern sie auch zu begleiteten. Ich würde mich komisch fühlen, wenn heute ein junger Polizist mir so gegenübertreten würde, wie wir das damals bei den Vorgesetzten getan haben.

          Wie handhaben Sie das in der Praxis? Es wurde ja in den vergangenen Jahren viel über die Führungskultur innerhalb der Polizei diskutiert.

          Ich glaube, man ist tatsächlich mehr, als man selbst glaubt, ein Vorbild. Es wird darauf geschaut, wie geht jemand mit Problemen um? Haut er gleich drauf, oder wartet er ab. Mir ist es wichtig, mit den Leuten erst einmal zu sprechen. Es geht auch darum zu unterstützen, insbesondere wenn Probleme oder Fehler entstanden sind. Wir haben auch ein System der runden Tische eingeführt, etwa für Fälle, in denen jemand in eine Schieflage gerät.

          So wie der Beamte, der zahlreiche Vorgänge einfach nicht weiter bearbeitet hat?

          Genau. Da kann man hingehen und sagen, ich betrachte den Fall disziplinar- oder strafrechtlich. Das wäre eine Möglichkeit, aber eben nur eine einzige. Es ist aber wichtig, genau zu überlegen, was liegt denn da überhaupt vor? Ist es Fehlverhalten von einem Einzelnen? Gibt es Rahmenbedingungen, die nicht günstig waren? Warum hat das so lange keiner bemerkt? Dann stellt sich wie in diesem Fall heraus, dass es eine Häufung von Problemen hinten dran gibt, die man nicht einfach ausblenden kann. Wir haben als Vorgesetzte auch die Personalverantwortung. Dazu gehört auch eine Fürsorge. Man muss schauen, dass der Beamte eine entsprechende Beratung bekommt, bis hin zur Überprüfung der Dienstfähigkeit. Man stellt natürlich immer die Grundsatzfrage: Wenn das einmal passiert ist, passiert das auch bei anderen Personen? Oder in der ganzen Kripo oder im gesamten Präsidium? Diese Fragen müssen Sie sich stellen.

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