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EZB-Eröffnungsfeier : Schützen können wir uns allein

Die EZB lädt Zeitungsjournalisten dazu ein, ihre Eröffnungsfeier im Internet zu verfolgen. Man könne wegen der Blockupy-Proteste vor Ort ihre Sicherheit nicht garantieren. Was für ein schräges Argument.

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          Braucht es den Brötchenkäufer zu kümmern, wie schwer es der Bäcker in seiner Backstube hat? Nein, der Kunde darf einwandfreie Ware erwarten. Muss es Zeitungsleser interessieren, wie Redaktionen ihre Arbeit machen? Nein, siehe oben. Das setzt freilich voraus, dass Bäcker und Redaktionen ungehinderten Zugang zu Mehl und Informationen haben.

          Nun hat die Europäische Zentralbank verfügt, dass zu ihrer Eröffnungsfeier übermorgen der Hessische Rundfunk und Berichterstatter von Nachrichtenagenturen zugelassen werden, nicht aber Zeitungsjournalisten. Ja und? Kann die EZB wie jeder Gastgeber nicht frei entscheiden, wen sie einlädt? Kann sie nicht, denn die EZB ist keine Diskothek, sondern ein öffentlicher Akteur. Das Zeitungsembargo wirft die Frage auf, ob hier gegen das Gleichbehandlungsgebot verstoßen wird.

          Die EZB führt zwei Argumente an: Wegen der Blockupy-Demonstrationen könne sie Sicherheit „nur für eine begrenzte Anzahl von Gästen und Medienvertretern“ garantieren, zudem würden „die Zeremonie live im Internet übertragen und die Reden veröffentlicht“. Das eine überzeugt so wenig wie das andere.

          Vielen Dank für die Fürsorglichkeit, aber angenommen, es könnte wirklich nur sicheres Geleit für x Berichterstatter garantiert werden, führt das nicht zwangsläufig zum Ausschluss einer ganzen Gattung. Außerdem haben Zeitungsreporter schon ganz anderes erlebt als eine noch so ungemütliche Blockupy-Demonstration. Und mit dem schrägen Argument, die Spiele würden doch im Fernsehen übertragen und die Namen der Torschützen schriftlich mitgeteilt, könnte man auch Zeitungen aus Fußballstadien ausschließen.

          Schon klar, das Fernsehen und die Agenturen sichern der Europäischen Zentralbank eine öffentliche Wahrnehmung von Trondheim bis Neapel. Aber die EZB sitzt nun einmal hier, und die meisten Frankfurter freuen sich zu Recht darüber. Wenn der EZB-Führung die Stadt und die hiesigen Zeitungsleser egal sind, wenn sie sich eher als ein Exterritorialraum und weniger als ein Teil dieser Stadt versteht, sollte sie es sagen. Für die Berichterstatter hätten drei Klappstühle genügt, und schützen können wir uns allein.

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