https://www.faz.net/-gzg-80z0l

EZB-Eröffnung : „Das wird kein normaler Arbeitstag“

Stacheldraht und Absperrgitter: Die Polizei hat bereits am Sonntag begonnen, die EZB abzusperren. Bild: dpa

Reduzierte Öffnungszeiten und lockere Kleidung - die Frankfurter Wirtschaftswelt bereitet sich auf die Blockupy-Proteste vor.

          Der nächste Mittwoch, wenn die EZB die Eröffnung ihrer neuen Zentrale feiert und mit Ausschreitungen bei Demonstrationen zu rechnen ist, wird auch das Geschäftsleben in der Stadt stark beeinflussen. Wie kommen Mitarbeiter und Kunden sicher in die Stadt und wieder zurück? Lohnt es sich für den Handel überhaupt zu öffnen? Wie kann man sich gegen Übergriffe schützen? Das sind Fragen, die die Sicherheitsvertreter in diesen Tagen auf Trab halten. Wobei alle bemüht sind, die Aufregung kleinzuhalten.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Kaufhof-Chef Frank Bertsch gibt die Parole aus: „Business as usual“, alles wie immer. „Wir nehmen Blockupy nicht auf die leichte Schulter, aber wir versuchen, besonnen zu reagieren.“ Er vertraue auf die Zusammenarbeit mit der Polizei. Zum Sicherheitskonzept im eigenen Haus, das am Mittwoch zumindest nicht an der Route von Demonstranten liegt, möchte er sich nicht äußern, nur so viel: Zur Not könne man auch kurzfristig die Türen schließen.

          Cafés räumen ihre Terrassen

          Die Sicherheit an den Türen verstärken laut Hanns-Peter Laux von der IHK die meisten größeren Geschäfte. „Aber es ist ja nicht die erste Banken-Demonstration in Frankfurt. Ich gehe davon aus, dass die Polizei das gut im Griff hat.“

          Ungemütlich könnte es für die Anrainer des Opernplatzes werden, dort ist die Abschlusskundgebung geplant. „Nach heutigem Stand haben wir geöffnet“, sagt jedoch der Filialleiter des Modegeschäfts Polo Ralph Lauren. Bei Protesten vor zwei Jahren habe man einen Schreiner beauftragt, die Schaufenster zu verbarrikadieren. Dann sei alles friedlich verlaufen. Deshalb verzichte man diesmal darauf.

          In Sorge, aber noch etwas unentschieden ist man in den Restaurants gegenüber der Alten Oper, im „Charlot“ und in der „Brasserie“. Die Wetterprognosen für die nächste Woche sind gut. Und daran, den Betrieb einzuschränken, etwa auch die am Abend begehrten Tische vor der Tür beiseitezuräumen, mag im Moment noch niemand denken. Für das „Operncafé“ steht hingegen schon fest: Die Terrasse wird abgeräumt. Sonst laufe der Betrieb wie gewohnt, heißt es. Thomas Klüber, Chef vom Restaurant „Oosten“ am Mainufer, in dem jetzt mittags auch die EZB-Banker essen gehen, will dagegen kein Risiko eingehen. Der Glaskasten bleibt am Mittwoch geschlossen.

          Krawatten könnten Autonome provozieren

          Die Frankfurter Einzelhändler richten sich derweil auf einen schwachen Verkaufstag ein. „Wir schließen um 15 Uhr“, heißt es bei der Niederlassung des Edelversenders Manufactum im Opernturm. „Danach kommt eh keiner mehr zu uns durch.“ Die Filiale des Elektroauto-Pioniers Tesla nebenan bleibt an dem Tag sogar ganz geschlossen. Das teure Testauto (70.000 Euro) wird vorsichtshalber an einem anderen Ort geparkt. Auch in den Autohäusern an der Hanauer Landstraße trifft man Vorsorge. Die Mercedes-Benz-Niederlassung wird ihre Autos von der Straße wegfahren - „für den Fall der Fälle“, wie Niederlassungsleiter Burkhard Wagner sagt. Servicetermine für Mittwoch wurden, soweit möglich, verschoben. Mitarbeiter dürfen einen Tag Urlaub nehmen. „Aber wir sind da.“

          Wie bereiten sich die Finanzinstitute vor? „Es gibt keinerlei Hinweise, dass wir Ziel von irgendwas sind“, sagt ein Sprecher der Frankfurter Sparkasse. Gleichwohl bleibe die Filiale, die am nächsten zur EZB gelegen ist, geschlossen. Vier Filialen in der Innenstadt schließen mittags. Wer nicht unbedingt benötigt wird, um den laufenden Betrieb in der Zentrale aufrechtzuerhalten, darf zu Hause bleiben oder mittags nach Hause gehen. Wer will, darf sich am Mittwoch auch legerer anziehen als üblich - auf dass sich kein Autonomer durch das Tragen einer Krawatte provoziert fühlt.

          In der Deutschen Bank sondiert man die Lage noch und will konkrete Angaben abwarten. Die Commerzbank wird versuchen, den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten. „Wir behalten uns aber vor, im Bedarfsfall Filialen kurzfristig zu schließen“, sagt eine Sprecherin. Eine Niederlassung liegt am Opernplatz.

          In den EZB-Türmen selbst wird am Mittwoch mit reduzierter Belegschaft gearbeitet. Ein großer Teil arbeite von zu Hause aus, sagt ein Sprecher. „Die Sicherheitslage erfordert dies. Das wird kein normaler Arbeitstag.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Des einen Freud’: Der Bund gibt viel Geld für Pensionen aus.

          Beamte im Ruhestand : Die Pensionslasten steigen um 70 Milliarden Euro

          Den Bund kommen die Gehälter und Beihilfen für seine Beamten im Ruhestand immer teurer zu stehen. Inzwischen rechnet er mit einem Betrag von deutlich mehr als 700 Milliarden Euro. Darunter leiden vor allem die Länder.
          Gratulation vom Präsidenten: Emmanuel Macron (links) mit Julian Alaphilippe.

          Hochspannung beim Radsport : Frankreich dreht bei der Tour am Rad

          Was ist nur los bei dieser Tour de France? Alles, was sicher schien, ist ins Wanken geraten. Frankreich hat einen Mann im Gelben Trikot – und einen, der das wichtigste Radsport-Rennen der Welt gewinnen kann.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.