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Blockupy-Organisator Wilken : „Ziviler Ungehorsam ist keine Gewalt“

Gewalt oder ziviler Ungehorsam? Demonstranten vor der EZB in Frankfurt am vergangenen Mittwoch. Bild: Helmut Fricke

Die Linkspartei steht nach den Blockupy-Krawallen in der Kritik. Blockupy-Organisator Ulrich Wilken verurteilt die Gewalt, will aber den Protest fortsetzen.

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          Es gibt Teile des Blockupy-Bündnisses, die sich von den Gewalttaten am Mittwoch nicht eindeutig distanzieren. Gilt das auch für Sie?

          Katharina Iskandar
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nein. Uns als Linkspartei hat das, was da geschehen ist, entsetzt. Das ist definitiv nicht das, was wir wollten. Das war Randale und keine Protestform, wie wir sie geplant hatten.

          Aber was genau wollten Sie denn? Zu zivilem Ungehorsam, was auch immer jeder einzelne darunter versteht, hatten ja auch die Linken aufgerufen.

          Ziviler Ungehorsam ist ja ausdrücklich keine Gewalt. Wir wollten einen bunten, lauten Protest, so, wie er sich am Nachmittag bei der Demonstration gezeigt hat. Es geht um die Unzufriedenheit der Menschen mit der derzeitigen Austeritätspolitik. Betrachten wir den ganzen Tag, dann ist es mit der Kundgebung gelungen, auch Inhalte zu transportieren.

          Ulrich Wilken, der hessische Landesvorsitzende von Die Linke.
          Ulrich Wilken, der hessische Landesvorsitzende von Die Linke. : Bild: dpa

          Was bleibt, sind dennoch die Bilder blinder Zerstörungswut. Das kam doch nicht völlig überraschend.

          In dieser Intensität schon, und es war nicht der Aktionskonsens des Bündnisses. Uns ist bewusst, dass wir eine Mitverantwortung haben für das, was geschehen ist. Es muss aber auch gesagt werden, dass die, die da randaliert haben, nicht Teil des Bündnisses sind.

          Aber Sie können als Bündnis doch steuern, wen sie dabei haben wollen und wen nicht. Werden Sie denn jetzt beim nächsten Mal diese Gewalttäter explizit auszuschließen?

          Die Straftäter zu ermitteln, ist ja erst einmal Aufgabe der Polizei. Wir werden alle erfahren, wer das war. Aber wir werden es am Ende nicht schaffen, diejenigen auch beim nächsten Mal davon abzuhalten, zu kommen.

          Sie tolerieren im Blockupy-Bündnis durchaus auch Gruppen, die Gewalt nicht immer abgeneigt waren.

          Unsere bisherige Erfahrung ist, dass sich diese Gruppen, wie das Ums-Ganze-Bündnis, bei den Blockupy-Protesten immer an unseren Aktionskonsens gehalten haben und es natürlich darum ging, politische Inhalte zu transportieren.

          Einige Akteure aus dem Bündnis sagen, die Gewalttaten am Mittwoch waren ein „politischer Protest“. Sehen Sie das auch so?

          Ich kann daran nichts Politisches entdecken. Schon gar nicht, wenn Einrichtungen wie das Kolpinghaus angegriffen werden, in der sich auch Flüchtlinge befinden.

          Dann ist das also die pure Lust an der Zerstörung?

          Es ist zum Teil wohl auch so, dass sich eine Wut entlädt, die auch durch das aufgeheizt wird, was beispielsweise in Griechenland geschieht oder darüber, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht.

          Wie wollen Sie als Bündnis jetzt weitermachen?

          Wir werden unser Anliegen auch weiterhin auf die Straße bringen und dabei auf einen Mix aus zivilem Ungehorsam und Demonstrationen setzen.

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