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Blockupy-Proteste in Frankfurt : Gewaltbereite bleiben in der Minderheit

  • -Aktualisiert am

Mehr als 20.000 Menschen nahmen an der zentralen Demonstration teil; ihr Protest blieb bunt und friedlich. Bild: Hoang Le, Kien

Blockupy hat Frankfurt den Rücken gekehrt. Am vierten und letzten Tag der Proteste gegen die Macht der Banken und die Sparpolitik in Europa demonstrierten mehr als 20.000 Menschen, fast durchweg friedlich.

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          Befürchtungen, es könne zu schweren Ausschreitungen kommen, haben sich am Ende der „europäischen Aktionstage“ nicht bestätigt. Tausende zogen vom Baseler Platz das Mainufer entlang und durch die Innenstadt bis zu den Absperrungen vor der Europäischen Zentralbank - und blieben fast durchweg friedlich. Laut Polizei unternahm der berüchtigte „Schwarze Block“ nur einzelne Versuche, die Lage eskalieren zu lassen. Nach einer vorläufigen Bilanz wurde ein Beamter von einem Stein, ein anderer von einer Leuchtspurkugel getroffen.

          Rund tausend gewaltbereite Personen

          Helmut Schwan
          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Während das Blockupy-Bündnis die Zahl von 25.000 Teilnehmern nannte, schätzte die Polizei 5000 weniger. Der Protestzug gegen die europäische Politik in der Schulden- und Eurokrise war die einzige von der Stadt und den Gerichten genehmigte Veranstaltung. Schon während der Kundgebung vor Beginn der Demonstration am Samstagmittag war abzusehen, dass diese wenig gemein haben dürfte mit jener am 31. März, als aus einem Protestzug von Kapitalismusgegnern und linksradikalen Gruppen heraus Vermummte in mehreren Teilen der Stadt randaliert, Schaufenster eingeschlagen und mehrere Polizisten, einen von ihnen schwer, verletzt hatten. Diese Ereignisse und Hinweise, Ähnliches sei auch für die Blockupy-Tage zu befürchten, hatten dazu geführt, dass die meisten der geplanten Veranstaltungen, vor allem die „Besetzungen“ des Frankfurter Bankenviertels verboten worden waren.

          Phantasievoll gekleidete Demonstranten protestieren in Frankfurt gegen die europäische Sparpolitik und die Macht der Banken Bilderstrecke
          Blockupy : Kapitalismusgegner demonstrieren in Frankfurt

          Wie die Polizei mitteilte, mischten sich am Samstag rund tausend „gewaltbereite Personen“ in zwei Gruppen unter die Demonstranten. Auf den Zufahrtsstraßen waren am Vormittag rund 160 Fahrzeuge kontrolliert worden, um möglichst viele aus dieser Klientel daran zu hindern, an dem Protestmarsch teilzunehmen. Man habe eine Person festgenommen und fünf sogenannte Platzverweise ausgesprochen, so die Polizei.

          Insgesamt zeigten sich die Ordnungshüter „mehr als zufrieden“ mit dem Verlauf der Versammlung. Das Konzept, mit dem Gewaltszenen wie am 31. März verhindert werden sollten, sei aufgegangen. Es seien während der vier Tage insgesamt rund 700 Personen in Gewahrsam genommen worden. Außer versuchter Körperverletzung, Verstößen gegen das Versammlungsgesetz, demolierten Scheiben und dem Versuch, einen Streifenwagen in Brand zu setzen, wurden zunächst keine Straftaten bekannt.

          Blockupy und Polizei zufrieden

          Das Blockupy-Bündnis sprach seinerseits von einem „enormen Erfolg“ zum Abschluss der Aktionstage. Trotz Diffamierung und einer „Verbotsorgie“ sei es gelungen, den Widerstand gegen die „unsoziale und undemokratische Kürzungspolitik“ an einen ihrer Ausgangspunkte, den Finanzplatz Frankfurt, zu tragen.

          Gegen 12 Uhr glich der Baseler Platz nahe dem Hauptbahnhof einem bunten Meer aus Regenbogenflaggen, Gewerkschaftsfahnen und Antikapitalismus-Transparenten. Es bildete sich ein deutlich breiteres gesellschaftliches Spektrum ab als noch vor eineinhalb Monaten. Familien mit Kindern, eine „Trommelgruppe für den Frieden“, Gewerkschaften und eine große Gruppe von Stuttgart-21-Gegnern. Die Menge, darunter viele junge Leute aus Griechenland, Spanien, Frankreich und Italien, zog im gemächlichen Tempo entlang des Untermainkais, durch die Kurt-Schumacher-Straße und die Hochstraße, vorbei am Opernplatz und durch die Taunusanlage - die vielen Schaulustigen entlang der Strecke mussten eine Dreiviertelstunde warten, ehe alle vorbei waren. Die Polizei konzentrierte sich auf das letzte Drittel des Zuges, wo eine Gruppe von schwarz gekleideten und zum Teil vermummten Männern und Frauen lief. Zum Teil in Sechserreihen flankierten Beamte in Schutzanzügen diesen Abschnitt - sehr zum Missfallen der Organisatoren: Sie forderten die Einsatzkräfte immer wieder auf, sich aus der Kundgebung zurückzuziehen. Die Polizei wies in Durchsagen darauf hin, es sei verboten, sich zu vermummen.

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