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Blockupy-Proteste in Frankfurt : Gewaltbereite bleiben in der Minderheit

  • -Aktualisiert am

Eine kritische Situation

An der Kreuzung Battonnstraße und Kurt-Schumacher-Straße kam es zu einer kritischen Situation, als der hintere Teil des Zuges kurzzeitig den Anschluss verloren hatte. Es wurden zwei Feuerwerkskörper gezündet, Polizisten offenbar mit Pflastersteinen beworfen. Die Lage war jedoch schnell wieder unter Kontrolle. Gegen 16.15 Uhr erreichten die letzten Teilnehmer den Ort der Abschlusskundgebung an der Taunusanlage, an der Rückseite des Occupy-Camps.

Wie an den Vortagen gelang es der Polizei, die jeweils rund 5000 Beamte aus mehreren Bundesländern einsetzte, die Kapitalismuskritiker davon abzuhalten, entgegen dem gerichtlichen Verbot das Frankfurter Bankenviertel zu besetzen. Dies allerdings zu dem Preis, dass der Distrikt vom Leben der Stadt bis zum Samstagabend weitgehend abgeschnitten blieb. Autos wurden nur ausnahmsweise durchgelassen, jeder, der zu Fuß die Kontrollstellen passieren wollte, musste sich ausweisen. Die S- und U-Bahn-Stationen Taunusanlage und Willy-Brandt-Platz blieben an allen vier „Aktionstagen“ gesperrt; es kam wegen des mehrstündigen Protestzugs abermals zu erheblichen Verkehrsbehinderungen.

Schaufenster mit Brettern geschützt

Banken hatten den meisten Mitarbeitern am Tag nach Himmelfahrt frei gegeben, weil kaum vorauszusehen war, wie sich die Lage entwickeln werde. Geschäfte und Lokale in der Innenstadt verbuchten nach eigenen Angaben in der Woche starke Einbußen. Viele, die an der Route des Demonstrationszuges liegen, blieben aus Furcht vor Zerstörungen geschlossen; zum Teil waren die Schaufenster mit Brettern geschützt.

Schon am Mittwochmorgen hatte das Ordnungsamt das Camp der Occupy-Bewegung vor der Europäischen Zentralbank räumen lassen. Der Plan, die EZB - aus Sicht des Blockupy-Bündnisses eine der Hauptverantwortlichen für die Schuldenkrise und die sozialen Missstände in Europa - „lahmzulegen“, sollte nicht zuletzt verhindert werden, um internationale Verwicklungen zu vermeiden. Die Bundesrepublik und die Stadt haben sich vertraglich verpflichtet, die Sicherheit und die Funktionsfähigkeit der Notenbank zu sichern. Das Camp - so war es in den Ablaufplänen der „europäischen Aktionstage“ des Blockupy-Bündnisses in Frankfurt vorgesehen - sollte ein Sammelpunkt für die Besetzung werden. Seine Bewohner hatten sich meist ohne Gegenwehr wegtragen lassen; rund ein Dutzend wurden nur deswegen vorläufig festgenommen, weil sie die Einsatzkräfte mit Farbe attackiert hatten.

Rückkehr ins Camp

Am Donnerstag setzte die Polizei ihre Strategie der Kommunikation und Deeskalation fort. Sehr massiv präsent zu sein, aber abzuwarten, was passiert, lautete die Devise. Sie ließ die Aktivisten während einer eigentlich ebenfalls untersagten Veranstaltung eines „Komitees für Grundrechte“ vor der Paulskirche feiern. Als am Abend immer mehr Unterstützer der Protestbewegung eintrafen und den Römerberg „besetzten“, hatte die Toleranz vorerst ein Ende.

Die Tage, als Frankfurt stillstand, sind noch längst nicht aufgearbeitet. Am Samstagabend kündigte ein Occupy-Aktivist an, man wolle das Ordnungsamt beim Wort nehmen und schon an diesem Sonntagmorgen in das Lager an der EZB zurückkehren.

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