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Blockupy-Bewegung : Hase und Igel

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Die Guerillataktik ist die ihnen eigene: Die Demonstranten der Okkupy-Bewegung setzen sich gegen den Kapitalismus zur Wehr. Bild: REUTERS

Die Blockupy-Aktivisten setzen auf eine Guerilla-Taktik. Kleine Gruppen ziehen durch die Stadt und organisieren spontane Blockaden. Wenn die Polizei kommt, sind sie oft schon wieder weg.

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          Twitter, Kanal von Blockupy-Frankfurt, 8.11 Uhr: „Ecke Kaiserstraße /Moselstraße sind 30 Leute, die zusehen wollen wie die Banken sich selber blockieren! Kommt und unterstützt sie!“.

          Am Freitag, dem dritten Tag der Blockupy-Proteste, setzen die Demonstranten nicht mehr auf große Besetzungen wie noch am Mittwoch auf dem Paulsplatz, sondern folgen einer Art Guerilla-Taktik. Die Organisatoren führen über Twitter Regie, in knappen Nachrichten informieren sie die Protestierenden über Aktionen und Treffpunkte. Kleine Gruppen wandern durch die Stadt, treffen für die Polizei überraschend an irgendeiner Straßenecke aufeinander und formieren sich zur Kurzzeit-Blockade.

          „Es läuft alles nach Plan“

          Um 9 Uhr hat die Polizei ungefähr 150 Personen auf der Beethovenstraße in Bockenheim umstellt. Einige Demonstranten sitzen auf dem Boden im Halbkreis und haken sich beim Nebenmann unter. Andere stehen, skandieren Parolen oder singen. Die Blockupy-Aktivisten wirken entspannt. Vor einer halben Stunde waren etwa 1.000 Personen in Richtung Messe losgezogen. Als die Polizei versuchte, sie aufzuhalten, teilten sie sich in drei Gruppen.

          Die Demonstranten an der Beethovenstraße werden mittlerweile festgenommen. Ein paar Meter entfernt, hinter der Polizeiabsperrung, steht eine Sprecherin des Bündnisses, sie ist Mitglied der Grünen Jugend: „Es läuft alles nach Plan“, sagt sie, „das wird jetzt den ganzen Tag so weitergehen“.

          „Heute Abend treffen wir uns wieder und trinken zusammen ein Bier“

          Auf der Ludwig-Erhard-Anlage, keine 1.000 Meter entfernt, steht die zweite Gruppe im Polizeikessel - auf der Rasenfläche des Mittelstreifens, direkt neben den Tram-Gleisen. Bald sollen auch sie ins Polizeipräsidium gebracht werden, aus der Menge heraus spricht einer von ihnen ins Megafon: „Das ist alles halb so schlimm. Bleibt ruhig - heute Abend treffen wir uns wieder und trinken zusammen ein Bier.“

          Die Polizei sagt etwas durch: „Personen, die auf die Toilette müssen oder medizinische Versorgung benötigen, kommen bitte als erste an die Durchgänge.“ Die Demonstranten singen die Internationale, und der Mann am Megafon sagt: „Heute ist unser Tag. Wir haben jetzt schon gewonnen.“ Wenig später werden die Demonstranten in große Gefangenentransporter geführt - bis zum Abend wird die Polizei etwa 400 Personen vorübergehend festnehmen.

          „Ich bin dafür, wir bleiben hier und machen irgendetwas Kreatives“

          Der größte Teil der Demo vom Morgen hat sich um 11 Uhr bis zum Willy-Brandt-Platz durchgeschlagen und versammelt sich nun direkt vor den Polizeiabsperrungen gegenüber dem verwaisten Occupy-Camp, auch hier hat die Polizei einen Zirkel um die Protestierenden gebildet. Massenhafte Festnahmen fürchten die aber nicht: „Sagen wir mal so“, sagt ein junger Mann aus Hamburg, „wenn sie uns alle knasten, ist der Knast voll“.

          Am Brunnen diskutieren die Aktivisten in einem Mini-Plenum über ihre Strategie. Entweder sie folgen den Anweisungen der Polizei und räumen den Platz oder sie nehmen das Risiko in Kauf, ebenfalls festgenommen zu werden. „Ich bin dafür, wir bleiben hier und machen irgendetwas Kreatives, Friedliches“, sagt ein junger Mann. „Wenn wir hier bleiben und die uns mitnehmen, sind die Straßen um 13 Uhr leer“, gibt ein anderer zu bedenken. Am Ende nimmt die Polizei etwa 80 Personen fest, der Rest verschwindet in kleinen Gruppen durch den Polizei-Korridor auf die umliegenden Straßen.

          „(...) Ruht euch aus für morgen!“

          An fast jeder Ecke zwischen Mainufer und Kaiserstraße ziehen am Nachmittag kleine Gruppen von Demonstranten durch die Straßen. Eine fünfzehnköpfige Samba-Kapelle beschallt das ganze Viertel mit Trommel- und Glockenrhythmen. Immer wieder versuchen die Polizisten, die Züge aufzuhalten, umstellen einzelne Gruppen. Doch dann stoßen aus einer anderen Richtung plötzlich neue Aktivisten hinzu, die Beamten orientieren sich um, und die Protestierenden laufen in eine andere Richtung davon.

          Twitter, 17.40 Uhr, Blockupy-Kanal: „Heute keine zentrale Versammlung mehr. Nutzt die Möglichkeit, DGB/Campus-Veranstaltungen zu besuchen. Ruht euch aus für morgen!“

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