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Mit Zettelchen gegen SUVs : Wer ist hier dick?

Zettel des Anstoßes: „Amtliche“ Ermahnung für SUV-Fahrer, aufgetaucht in Frankfurt am Main Bild: F.A.Z.

Sport Utility Vehicles machen sich auf den Straßen breit und verstopfen Parkhäuser. Ein hellblaues Zettelchen versetzt nun Frankfurter SUV-Besitzer in Aufregung.

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          Besetzt. Immer wieder besetzt. Den ganzen lieben Freitag lang ist bei der Zulassungsstelle kein Durchkommen. Das kann nur daran liegen, dass Tausende Frankfurter Geländewagen-Fahrer die Leitung blockieren, weil sie ihr SUV (steht für: Super unnützes Vehikel) stilllegen wollen. Wahrscheinlich dauert es so lang, weil sie die Behördenmitarbeiter vorher noch um Vergebung bitten für ihre Sünden wider die Ökobilanz, den guten Geschmack und das Gebot, keinen öffentlichen Parkraum zu verschwenden.

          Matthias Trautsch

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Augen geöffnet hat ihnen ein hellblauer Zettel, der derzeit an Windschutzscheiben extrabreiter Protzschüsseln zu finden ist, etwa im Nordend und in Bornheim. Unter dem Wappen und dem Schriftzug der Stadt Frankfurt wird dem „sehr geehrten Verkehrsteilnehmer“ mitgeteilt, dass er leider ein sehr umweltschädliches Auto fahre. Das hätte der Fahrzeughalter freilich selbst wissen können, schließlich kann sich ja jeder denken, dass ein Zweieinhalb-Tonnen-350 PS-Allrad-Panzer mit 15 Litern Spritverbrauch (kombiniert) kein Beitrag zum Klimaschutz ist.

          Er hat doch eine grüne Plakette

          Die Verkehrsbehörde - wie ein von dieser Zeitung in Auftrag gegebenes forensisches Handschriftengutachten ergeben hat, ist das Zettelchen mit „Grrllmmmm“ unterzeichnet - lässt dennoch Milde walten. Sie sieht von einer Verwarnung ab, bittet aber unbürokratisch darum, an einen der bekannten Umweltverbände zu spenden und das Fahrzeug zeitnah stillzulegen. Es folgt ein Rüge des unsolidarischen Verhaltens gegenüber Mitbürgern, die auch gerne einen Parkplatz hätten, aber keinen bekommen, weil die fahrende Burg allein für ihr überdimensioniertes Ego so viel Platz beansprucht wie zwei Ford Fiesta.

          So weit, so gut. Aber jetzt, liebe Leserinnen und Leser, kommt der Clou der Geschichte: Die Zettelchen stammen gar nicht von der Stadt Frankfurt! Ein international vernetztes Netzwerk investigativer Journalisten hat nach monatelanger Recherche herausgefunden, dass sich vielmehr jemand einen Spaß mit den arglosen Frankfurter SUV-Fahrern erlaubt. Die Erkenntnisse stützen sich auf Informationen eines Whistleblowers, der in der Abteilung Verkehrssicherheit beim Straßenverkehrsamt arbeitet und den Decknamen „Rainer Michaelis“ trägt.

          Offenbar imitierten SUV-kritische Scherzbolde mit dem hellblauen Papier das Erscheinungsbild der früheren Knöllchen, sagt Michaelis. Solche Zettel gebe es aber gar nicht mehr, seitdem die Mitarbeiter der Verkehrssicherheit mit mobilen Datenerfassungsgeräten ausgerüstet seien. Das hat sich unter den SUV-Fahrern offenbar noch nicht herumgesprochen. Sie überhäufen die Stadtverwaltung mit Beschwerden. So etwas müsse sie sich nicht bieten lassen, empört sich eine Bürgerin aus dem Nordend. In bester Obelix-Manier („Dick? Wer ist hier dick?“) verteidigt sie ihren Möchtegern-Offroader. Der habe nämlich eine Anwohner-Parkberechtigung und sogar eine grüne Plakette. Überhaupt: Die Kontrolleure vom Amt brauchten wohl eine Schulung!

          Jüngsten Gerüchten zufolge ist eine Variante des blauen Briefs auch der Führungsetage des hessischen Automobilherstellers Opel zugegangen. Das Unternehmen hatte eigentlich vorgehabt, 2019 ein neues SUV als zweites Flaggschiff neben dem Insignia auf den Markt zu bringen. Diese Pläne könnten nun in Frage gestellt sein. Aber mit Umparken im Kopf haben die Rüsselsheimer ja Erfahrungen.

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