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Vereinsnachwuchs gesucht : Musik unter anderen Vorzeichen

Eine Erfahrung des Verbands ist, dass Vereine sich mit guter Arbeit zu regionalen Zentren entwickeln können. So spielen beim Fanfarenzug Hundstadt Musiker aus dem ganzen Usinger Land. Einen Namen hat sich auch der Fanfarenzug Königstein gemacht, und zwar mit der „Mushoba“, der Musik- und Showband. „Wir haben viele Mitglieder aus dem weiteren Umkreis und eigentlich kaum Königsteiner“, sagt Schriftführerin Carmen Perez Costa.

Ende eines Traditionsvereins?

Ihr Eindruck ist, dass viele Eltern ihre Kinder lieber in der teuren Musikschule anmelden als in einem Musikverein, wo sie sich vielleicht auch selbst engagieren müssten. Die „Mushoba“ hat darauf reagiert, dass sich für eine Marschformation auf der Straße nicht genug Aktive finden. „Wir haben eine Bühnenshow entwickelt, die ist einmalig“, sagt Perez Costa.

Bei allen unterschiedlichen Voraussetzungen eint die Fanfarenzüge und Gruppen, ob in Hundstadt, Oberursel oder Königstein, die Suche nach Nachwuchs. Bei den Wiesbachtaler Musikanten schien es dafür zu spät zu sein. Von einer Aufgabe des Traditionsvereins im Wehrheimer Ortsteil Pfaffenwiesbach war vor einem Jahr zu lesen. Der Vorsitzende Gerhard Erker, der diese Position schon früher einmal für 26 Jahre lang innehatte, widerspricht heftig. „Es wäre Blödsinn, den Verein sterben zu lassen.“ Allerdings gebe es mehr Aktive jenseits der 70 Jahre als in den Fünfzigern. „Wir werden immer älter, mit dem Nachwuchs sieht es miserabel aus.“ Damit täten sich aber auch andere Vereine wie die Chöre schwer.

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Den Wiesbachtalern helfen bei kleineren Konzerten Musiker aus Wernborn oder Anspach aus. Für die Übungsstunde mit sechs oder sieben Leuten könne man allerdings keinen Dirigenten für 400 Euro im Monat engagieren. „Aber ein paar Jahre geht es noch weiter“, hofft Erker.

Junge Musiker mit vielen Interessen

Während der Vorsitzende der Wiesbachtaler Musikanten mit „Amizeugs“ wie Glenn Miller nichts anfangen kann, scheidet dieser auch für den Leiter der Oberurseler Jugend-Brassband aus – aber unter umgekehrten Vorzeichen. Die Jugendlichen bekomme man eher mit modernen Stücken, die Robert Neitzel selbst arrangiert. Hört man sich unter den jungen Leuten in der Probe um, liegt auch hier die Musik oft im Blut: „Mein Papa hat die Trommel beim Frohsinn gespielt“, sagt der elf Jahre alte Nils an der Posaune. Auch Trompeterin Lea, 16 Jahre alt, ist über Schwester und Onkel dazu gekommen, die in der großen Brassband spielen. Jemand wie Moritz ist eher die Ausnahme. Der Zehnjährige hat zu Hause Unterricht an der Snare Drum, wie die Marschtrommel heute als Bestandteil des Schlagzeugs üblicherweise heißt, und lernte die Brassband im Musikunterricht kennen. „Da habe ich im Internet nachgeschaut, wann die proben.“

Im Oberurseler Vereinsheim zeigt sich, dass es am Engagement der Jugendlichen nicht mangelt. Im Gegenteil: Wer ein Instrument spielt, hat oft auch andere Interessen. „Einige Kinder kommen nur zu einer der zwei wöchentlichen Proben, weil sie bei der Feuerwehr sind“, hat Trompeten-Ausbilderin Michèle Setzepfand festgestellt. Und Felix Keller, der sich um die „Drumkids“ kümmert, ist selbst das beste Beispiel. Er ist seit elf Jahren beim Frohsinn dabei, daneben aber aktiver Rettungsschwimmer und Ausbilder bei der DLRG. Außerdem spielt er mit einer eigenen Band Punk und Heavy Metal. Kein Wunder, wenn der Achtzehnjährige über die Musikauswahl der Jugend-Brassband sagt: „Das breite Spektrum ist schon o.k.“

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