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Idealismus gegen Konsum : Black Fridays for Future

Protest vor dem McDonalds: Umweltaktivisten demonstrieren gegen Konsum und Wegwerfgesellschaft. Bild: Marina Pepaj

In Frankfurt blockieren junge Klimaaktivisten die wichtigste Einkaufsmeile. Zur selben Zeit gehen Altersgenossen zum „Black Friday“ auf Schnäppchenjagd. Ist Konsumsucht stärker als der grüne Idealismus?

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          Um kurz vor zehn ist die Zeil zum ersten Mal blockiert. Nicht etwa durch Fridays for Future. Die Schüler beginnen ihre Demonstration erst zwei Stunden später und wollen dann im Anschluss die Frankfurter Einkaufsmeile lahmlegen. Die Altersgenossen, die vor der Filiale von Foot-Locker eine beeindruckende Schlange bilden, haben es nicht auf die Rettung der Welt abgesehen, sondern auf ein Schnäppchen. Denn die Sneaker-Kette gewährt am Black Friday bis zu 50 Prozent Nachlass.

          Innerhalb weniger Jahre hat sich die aus den Vereinigten Staaten importierte Rabattschlacht in der jungen Generation zu einer Art inoffiziellem Feiertag entwickelt. Manche Jugendliche fiebern dem Freitag nach Thanksgiving entgegen, als fielen Weihnachten und der 18. Geburtstag zusammen. Um ein reines Jugendphänomen handelt es sich freilich nicht: Die Lust an der Schnäppchenjagd erfasst auch Erwachsene und ist zudem nicht neu. Manch einer wird sich noch an die Szenen erinnern, die sich früher beim Winterschlussverkauf an den Wühltischen abgespielt haben.

          Stellenwert des Konsums

          Frappierend sind die gegenläufigen Bewegungen unter den Jugendlichen, zumal dann, wenn sie so direkt aufeinander stoßen wie auf der Zeil. Denn die Generation Fridays for Future existiert allenfalls in den Medien. Es sei die These gewagt, dass die Zahl der Schüler, die um des Klimas willen den Unterricht geschwänzt haben, zumindest nicht größer war als die Zahl derer, die der Schule ferngeblieben sind, um beim Shoppen vorne dran zu sein.

          Wer sich ein Bild davon machen will, welchen Stellenwert der Konsum in der jungen Generation hat, kann unter Millionen von Beauty- und Unboxing-Videos auf Youtube wählen. An den Jungen liegt es auch, dass in den deutschen Spotify-Charts die ersten zehn Plätze von Deutsch-Rappern belegt sind. Aus den Texten und der zugehörigen Selbstdarstellung spricht eine Vergötterung der Warenwelt.

          Luxusuhren, Villen mit Pool, vergoldete Steaks und Monsterautos – während die eine Fraktion der Jugendlichen von einem Leben mit solchen Statussymbolen träumt, geht die andere auf die Straße, um für eine Zukunft ohne Flugreisen, Kohlekraft und Einwegverpackungen zu kämpfen. Und natürlich gibt es auch solche, die sich zur Stärkung nach der Demo erst einmal eine XXL-Box Sushi beim Lieferservice bestellen.

          Matthias Trautsch

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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