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Reitsimulator in Langenselbold : Der richtige Galopp

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Haltung bewahren: In Langenselbold lässt sich auf einem Reitsimulator der richtige Sitz auf dem Pferd üben. Bild: dpa

Einer der wenigen Reitsimulatoren in Deutschland steht in Langenselbold. Auf ihm können Reiter den richtigen Sitz und die perfekte Hilfengebung üben. Günstig ist das allerdings nicht.

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          Black Beauty ist ein Traumpferd: Er ist immer gehorsam, macht sich nie dreckig, braucht kein Futter, keinen Tierarzt und keinen Schmied. Schlechtes Benehmen wie Buckeln oder Durchgehen ist ihm fremd. Der Reiter muss nicht befürchten, aus dem Sattel zu fallen. „Wenn ich ihn reite, kann ich mich nur auf mich konzentrieren“, schwärmt die Dressurreiterin Simone Reich aus Bruchköbel von dem schwarzen Plastikpferd mit den empfindlichen Sensoren am Rücken, Bauch und Maul. Seit dem vergangenen Jahr steht der Reitsimulator in einem Geschäftsraum in Langenselbold.

          Seine Besitzerin Anja Schade vermietet Black Beauty, den sie selbst auf diesen Namen getauft hat, vor allem an Reiter. „Sie können auf ihm den richtigen Sitz und die passende Hilfengebung üben“, erklärt sie. Mit seinem Stockmaß von rund 1,5 Metern ist der Rappe ein eher kleines Pferd. Er simuliert das perfekt ausgebildete Dressurpferd.

          Keine Überraschungen, keine Eigenarten

          Seine Bewegungen sind weich, auf die korrekten Hilfen reagiert er sofort folgsam. So reitet Simone Reich zunächst Schritt. Dann nimmt sie die Zügel etwas an, verlagert ihr Gewicht nach links, legt den rechten Unterschenkel ein bisschen zurück und drückt mit ihrem linken Bein - Black Beauty versteht: Er galoppiert an.

          Das Pseudo-Tier reagiert jedoch auch auf Fehler. Die Reiterin macht im Trab zu viel Druck mit dem Bein - er rennt immer schneller. Sie hält die Zügel zu fest - er knirscht mit dem Maul, dann bleibt er einfach stehen. Doch das Reiten auf ihm ist trotzdem deutlich leichter als auf einem lebendigen Pferd. Seine Bewegungen sind viel gleichmäßiger, es gibt keine Überraschungen, der Reiter muss sich auf keine Eigenarten einstellen. Außerdem wird nur die Bewegung in der Geraden simuliert, so dass keine Fliehkräfte auf den Reiter wirken. Und es lenkt ihn nichts von der Konzentration beim Reiten ab.

          Reiter im Vordergrund

          Es gibt bislang nur wenige Reitsimulatoren in Deutschland. „Bisher sind sie fast nur auf Messen und Ausstellungen zu sehen, weil der Bedarf in der Form, dass es sich rechnen würde, offensichtlich nicht da ist“, erklärt Thies Kaspareit, Ausbildungsleiter beim deutschen Reitverband im westfälischen Warendorf. „Black Beauty“ hat mehr als 60 000 Euro gekostet, er stammt von einer britischen Firma. Das gleiche Modell gibt es nach Auskunft von Schade nur noch in München.

          „In größeren Reitschulen würde das schon Sinn haben“, sagt Kaspareit. Auch wenn ein solch starrer Körper die realistischen Bewegungen nicht wirklich simulieren könne, sei er als ergänzende Trainingshilfe sinnvoll. Einen anderen Anspruch stellen Schade und ihre Kundschaft an Black Beauty auch nicht. „Der Vorteil ist, dass hier im Training der Reiter im Vordergrund steht und nicht wie sonst das Pferd“, erklärt Schade.

          Angaloppieren aus dem Schritt

          Der Reiter kann sich stets auf einem Bildschirm beobachten, er wird permanent von vier Kameras gefilmt. So kann er genau sehen, wenn er zum Beispiel schief sitzt. Außerdem zeigen ihm auch die Sensoren, ob er alles richtig macht. Ist er im Gleichgewicht? Ist der Druck der Zügel in Ordnung? Liegen die Beine an der richtigen Stelle? Günstig ist ein Ritt auf Black Beauty allerdings nicht. 30 Minuten kosten 59 Euro, mit einem Reitlehrer an der Seite müssen 75 Euro gezahlt werden.

          Die Reiterin Reich hält das Geld für gut investiert. Sie übt auf dem Reitsimulator die Lektionen, mit denen sie Probleme hat - wie etwa das Angaloppieren aus dem Schritt. Seitdem klappe es auch auf ihrem Pferd viel besser, sagt sie. „Aber auf einem echten Pferd ist Reiten schon schöner.“

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