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Bitcoins im Rhein-Main-Gebiet : Antikes mit Digitalem zahlen

  • -Aktualisiert am

Unstet: Der Wechselkurs der digitalen Währung Bitcoin unterliegt starken Schwankungen. Das ist eines der Probleme mit der Währung. Bild: dpa

Es gibt eine neue, weltweite Währung, sie soll digital und unkompliziert sein: die Internetwährung Bitcoin. Doch allzu groß scheint die Zustimmung am Finanzplatz Frankfurt nicht, im Rhein-Main-Gebiet gibt es derzeit acht Akzeptanzstellen.

          Auf einem geblümten Sofa vor einem Tisch aus Massivholz sitzt Sven Antoine Richard, seinen Laptop hat er vor sich aufgeklappt. Den Kaffee serviert er in Porzellan mit Goldrand. Seit einem Jahr bietet Richard seinen Kunden die Zahlung mit der digitalen Währung an. Sein Geschäft ist damit eine von nur acht Akzeptanzstellen im Rhein-Main-Gebiet.

          Er spricht gerne darüber: „Bitcoin ist ein Statement für Freiheit und Fairness.“ Damit meint er einen der wichtigsten Unterschiede zu Euro und Co: Es gibt keine Ausgabestelle wie etwa die Zentralbanken. Staaten und Banken sollten keinen Einfluss auf die Währung haben, so die Idee. Durch Rechenoperationen werden sie dezentral im Internet erzeugt, das wird als „Mining“ bezeichnet. Theoretisch kann also jeder Bitcoins erzeugen, die benötigte Serverleistung übersteigt allerdings den Wert des erstellten Bitcoin. „Für Otto Normalverbraucher macht das Mining deshalb keinen Sinn. Bald werden keine Privatpersonen mehr minen, Firmen und Organisationen werden das übernehmen“, sagt Eric Sidibe, Mitglied der Bitcoin-Community Frankfurt. Sie gibt es seit dem vergangenen Jahr. Einmal im Monat treffen sich ihre dreißig Mitglieder und tauschen Ideen rund um die neue Währung aus.

          Niedrige Gebühren für Geldtransfer

          Sie entstand 2008, ihre Urheber sind unbekannt. Seit 2009 sind die Bitcoins im Umlauf. Dass die Währung ausgerechnet im Jahr 2008 aufkam, ist kein Zufall, sondern Ausdruck schwindenden Vertrauens in die Banken im Zuge der damaligen Finanzkrise. Die Fans von Bitcoin sprechen gerne in Superlativen: „So etwas hat es in der Weltgeschichte noch nicht gegeben – wir sehen das als Finanzrevolution“, sagt Sidibe.

          Auch in einer Frankfurter Anwaltskanzlei akzeptiert man die Zahlung der Honorare mit Bitcoin. Mit acht von zehn Fällen zahlen auffällig viele Mandanten aus dem Ausland. Sie locken offenbar die niedrigen Gebühren, die bei Transaktionen mit Bitcoin anfallen. Sie sind standortunabhängig, egal, aus welchem Land der Kunde sie transferiert, die Gebühren sind immer gleich hoch. Und günstiger, denn selbst bei Zahlungen im Inland fallen normalerweise Gebühren von zwei bis drei Prozent der Rechnungssumme an – für den Händler. Transaktionen mit Bitcoin werden dagegen nach Angaben der Frankfurter Bitcoin-Community nur mit 0,01 Prozent belastet, die der Kunde trägt. Außerdem gilt die Währung aufgrund komplexer Verschlüsselungsverfahren als fälschungssicher.

          330 Euro für einen Bitcoin

          Die digitalen Münzen machten in der Vergangenheit aber vor allem durch Negativschlagzeilen von sich reden. Ende Februar ging die bekannteste Bitcoin-Börse Mt Gox in die Insolvenz. Hacker sollen nach Angaben des japanischen Anbieters für den Verlust von 850000 virtuellen Münzen verantwortlich sein. Nach derzeitigem Wechselkurs entspricht das einem Gegenwert von etwa 380 Millionen Euro. Auch die Regierungen werden nach und nach auf die Internet-Währung aufmerksam. So warnte etwa die russische Regierung ihre Bürger davor, beim Handel mit Bitcoin in illegale Aktivitäten verwickelt zu werden. China hat den Handel mittlerweile verboten. Das größere Problem ist aber offenbar der stark schwankende Wechselkurs. Anfang April entsprach ein Bitcoin etwa 450 Dollar, nur vier Monate zuvor waren es knapp 1200 Dollar. Hierzulande muss man derzeit etwa 330 Euro zahlen, wer einen Bitcoin erwerben will.

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