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Bistum Limburg : „Moralisch fragwürdige“ Transaktion rund um Bischofssitz

  • -Aktualisiert am

Erinnerung: Fotos aus einem Album von Ludwig Reichert. Der Vater des Priesters, Bernhard Reichert, hat bei einem Projekt des Georgswerks mitgearbeitet. Zu sehen ist er auf dem oberen Foto ganz links und auf dem unteren als Dritter von links. Bild: Wolfgang Eilmes

Tebartz-van Elst und das Georgswerk: Der Oberhirte soll Geldanlagen in Millionenhöhe verkauft haben. Schon länger untersucht das Bistum intern diese „moralisch fragwürdige“ Transaktion.

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          Bernhard Reichert war ein überzeugter Katholik. Und er packte 1949 mit an, als das Georgswerk dringend benötigte Wohnungen baute. 30 Jahre alt war er damals und erst kurz zuvor aus französischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt. Sein Sohn Ludwig Reichert, Priester des Bistums Limburg, hat Fotos von Bauarbeiten, auf denen auch sein Vater zu sehen ist. Zwar ist nicht klar, wo sie aufgenommen wurden, aber der Sohn weiß aus Erzählungen seines Vaters, „dass er damals mit einem gewissen Stolz mitgearbeitet hat“. Die Stiftung Georgswerk der Diözese war 1948 vom damaligen Bischof Ferdinand Dirichs gegründet worden. Es sollte zum Bau familiengerechter Eigenheime beitragen, wie der Kirchenhistoriker Klaus Schatz in seinem Buch zur Bistumsgeschichte erläutert.

          Ludwig Reichert erinnerte sich spontan an das Foto und die Schilderungen seines Vaters, nachdem das Georgswerk durch einen Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ in die Schlagzeilen geraten war: Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst soll mehrere Millionen Euro aus dem Stiftungsgeld des Werks für den Bau seines Bischofssitzes in Limburg verwendet haben.

          „Keine weiteren Auskünfte“

          Das Georgswerk, zu dessen Aufgabe auch der Wiederaufbau kirchlicher Gebäude gehörte, war vorwiegend ein Projekt für die kleinen Leute – sowohl was die Nutzer der Wohnungen, kinderreiche Familien, anging als auch die Unterstützer. Von 1950 an rief Bischof Wilhelm Kempf einmal im Jahr zum „Stundenlohnsparen“ auf: Die Teilnehmer stellten dem Werk monatlich den Lohn einer Arbeitsstunde als zinsloses Darlehen zur Verfügung, wie Schatz ausführt. Diese Aufrufe gab es 25 Jahre lang. Das Werk hatte dem Kirchenhistoriker zufolge bis 1974 in 5800 Fällen zum Bau eines Eigenheims oder zur Beschaffung einer Wohnung beigetragen. Es wurde aber nicht nur Geld gespendet, es gab auch Freiwillige, die mitarbeiteten – so wie Bernhard Reichert.

          Im Jahr 2011 wurde die Stiftung Georgswerk aufgelöst, wie das Bistum Limburg auf Anfrage mitteilte. „Wir sind dabei, den aktuellen Sachverhalt aufzuklären. Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, bitten wir um Verständnis, dass wir derzeit keine weiteren Auskünfte geben können“, sagte der Bistumssprecher.

          Georgswerk auch im Bericht

          Dem Vernehmen nach soll Tebartz-van Elst beim Bischöflichen Stuhl vorhandene langfristige Anlagen des Georgswerks an das Bistum veräußert und dafür rund sieben Millionen Euro bekommen haben. Das Werk war eine rechtlich unselbständige Einrichtung des Bischöflichen Stuhls. Aus diesem, einem eigenen Vermögenstitel, wurde der Bau des mehr als 30 Millionen Euro teuren Bischofssitzes zum allergrößten Teil finanziert. Der Umgang mit dem Geld des Georgswerks wird, wie zu hören ist, wegen seiner „moralischen Fragwürdigkeit“ bistumsintern seit einiger Zeit untersucht – schon bevor die externe Prüfkommission Mitte Oktober 2013 ihre Arbeit aufnahm. Sie nimmt im Auftrag des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, die Finanzierung des Bischofssitzes unter die Lupe.

          Der Umgang mit dem Georgswerk wird höchstwahrscheinlich Teil des Kommissionsberichts sein, der laut dem Sprecher der Bischofskonferenz Erzbischof Zollitsch bis Ende nächster Woche vorgelegt wird. Gemeinsam mit der Bischofskongregation im Vatikan sei für die nächsten Wochen ein Prozedere zur Einsichtnahme und Diskussion des Berichtes vereinbart worden, das allen Interessen fair Rechnung tragen solle. „Um eine möglichst unvoreingenommene Befassung zu gewährleisten, bitten wir um Verständnis, dass wir dies nicht weiter kommentieren.“

          Ähnlicher Fall wie bei Siedlungswerk

          Die Verfahrensweise, die Tebartz-van Elst beim Georgswerk offenbar angewendet hat, erinnert an seinen Umgang mit Anteilen des Gemeinnützigen Siedlungswerks. Zum 1.Januar 2010 hatte er die Anteile des Bischöflichen Stuhls an diesem kirchlichen Wohnungsbau-Unternehmens, einer GmbH, an das Bistum übertragen. Das war 2012 bekanntgeworden. Damals wurde gemutmaßt, der Bischof wolle so an Geld für seinen Bischofssitz kommen. Offiziell hieß es, aus der Wohnungsbeteiligung seien Aufgaben entstanden, die nicht zu denen des Bischöflichen Stuhles gehörten. Die Bistumsverwaltung hingegen könne die mit der Beteiligung verbundenen Aufgaben fachgerecht wahrnehmen. Die Diözese ist laut Geschäftsbericht des Siedlungswerks mit Anteilen von 6,7 Millionen Euro größter Gesellschafter des im Jahr 1949 von den Bischöfen von Limburg, Fulda und Mainz gegründeten Unternehmens.

          Das Georgswerk wiederum war mit dem Gemeinnützigen Siedlungswerk verbunden: „Ziel des St.Georgswerks war die Bereitstellung der Mittel aus Spenden und Darlehen für familiengerechte Eigenheime, vor allem für die Bauvorhaben des Siedlungswerks“, schreibt der Kirchenhistoriker Klaus Schatz. Das Siedlungswerk selbst nahm keine Stellung zu Fragen, sondern verwies an die Pressestelle des Bistums Limburg.

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