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Bistum Limburg : „Furcht und Resignation in der Diözese“

Wird von Priestern zu „Korrekturen“ aufgefordert: der Limburger Bischof Tebartz-van Elst Bild: Kretzer, Michael

Das Bistum Limburg kommt nicht aus den Schlagzeilen. Priester benennen nun schriftlich Missstände und fordern Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst zum Dialog auf.

          Mehrere Priester des Bistums Limburg haben deutlich auf Missstände hingewiesen, die es ihrer Meinung nach in der Diözese gibt, und Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst und die Bistumsleitung zu Korrekturen aufgefordert. Ein entsprechendes Schreiben, das von 21 im aktiven Dienst stehenden Priestern unterzeichnet ist, wurde am Montag im Priesterrat der Diözese behandelt. Zu den Verfassern gehören unter anderem der Frankfurter Stadtdekan, Johannes zu Eltz, der auch Domkapitular ist, der Bezirksdekan im Hochtaunus, Paul Lawatsch, die Frankfurter Dekane Rolf Glaser und Werner Portugall, weitere Pfarrer aus Frankfurt und dem Taunus sowie der Sprecher des Priesterrats, Reinhold Kalteier. Weitere acht Geistliche, unter ihnen sechs Pfarrer im Ruhestand, sind Mitunterzeichner.

          Stefan Toepfer

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Priester konstatieren in fünf Kapiteln eine „Atmosphäre lähmender Furcht“, „intransparente Entscheidungsprozesse“, „wachsende Resignation“ bei Priestern, Diakonen und pastoralen Mitarbeitern, eine Verengung des Priesterberufs auf die Liturgie sowie „Skepsis und Argwohn“ gegenüber Caritas-Mitarbeitern. In einem sechsten Abschnitt heben sie hervor, dass sie ihr Papier als Beitrag zu einem neuen Dialog und einem „Pastoralentwicklungsprozess“ in der Diözese verstanden wissen wollen. Die gestrige Diskussion ist nach Angaben eines Teilnehmers „offen und mit Freimut“ geführt worden.

          Furcht vor dem Bischof

          Die Kleriker sprechen ihre „Beobachtungen, Sorgen und Wünsche“ klar an. So heißt es: „Wir beobachten aktuell mit Sorge, dass Priester, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im pastoralen Dienst und Engagierte in der caritativen Arbeit zunehmend Furcht vor Bischof und Bistumsleitung entwickeln.“ Sie hätten den Eindruck, „dass die ,Orthodoxie‘ Priorität hat vor dem seelsorglichen Bemühen um moderne Menschen“. Es könne und dürfe nicht sein, dass die Kirchenleitung gewollt oder ungewollt Angst auslöse und so das Engagement der Priester und der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter lähme. Die Verfasser „ermutigen“ Bischof und Bistumsleitung, sich dem Gespräch mit den engsten Mitarbeitern zu stellen und eigene Meinungen zu korrigieren. Dies erhöhe die Glaubwürdigkeit des Bischofs und befördere das „Wir-Gefühl in unserer Diözese“.

          Weiterhin treten die Priester für einen „echten Dialog“ auf der synodalen Ebene ein. Entscheidungsprozesse müssten offen und nachvollziehbar gestaltet werden, unbeschadet der Kompetenz des Bischofs, letztlich zu entscheiden. Wenn es um strittige Themen gehe, wollten Ehrenamtliche ernst genommen werden. Moniert wird in dem Schreiben auch, dass sich Pastoral- und Gemeindereferenten nicht wertgeschätzt fühlten. Angesichts der Bildung neuer, großer Pfarreien würden immer mehr Seelsorger und Seelsorgerinnen erkennen, das sie „Dinge vertreten müssen, die sie so nicht verantworten können“. Die Verfasser fordern Motivationshilfen. „Mit großer Sorge sehen wir wachsende Resignation, Ermüdungserscheinungen, zunehmende Krankheitsfälle sowie Rückzugstendenzen unter Priestern, Diakonen, pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.“

          „Auftakt zu einer Kurskorrektur“

          Die Verfasser sehen eine weitere Gefahr darin, dass sich der liturgische und der seelsorgerliche Dienst weiter auseinander entwickle, so dass der Priester künftig nur noch als jemand erlebt werde, der Gottesdienste feiere, „aber kaum noch als Person“. Sie fordern dazu auf, weiter über Gottesdienste nachzudenken, für die man keinen Priester brauche. Bezogen auf die Caritas sprechen die Unterzeichner vom Eindruck, dass den Mitarbeitern „anstelle der gebührenden Anerkennung seitens kirchlicher Entscheidungsträger Skepsis und Argwohn“ begegneten. Mitarbeiter fühlten sich der nicht zureichenden Kirchlichkeit verdächtigt. Die Priester fordern „ein klares, positives Signal des Bischofs und der Bistumsleitung“ an die Caritas-Mitarbeiter. Den jüngsten Fastenhirtenbrief des Bischofs verstehen sie als „Auftakt zu einer Kurskorrektur“. In ihm hatte sich Tebartz-van Elst ausführlich mit dem caritativen Einsatz der Kirche befasst.

          Das Schreiben hatten die Priester bereits im März verfasst, im Mai gab es ein Gespräch mit dem Bischof und anderen Vertretern der Bistumsleitung. Dort wurde entschieden, den Priesterrat mit dem Brief zu befassen. Schon seit eineinhalb Jahren treffen sich einige Pfarrer regelmäßig, in der, wie es heißt, „Sorge um Gesprächskultur und pastorale Grundausrichtung“ im Bistum. Ein von ihnen entworfenes Thesenpapier wurde in einem um einige Priester erweiterten Kreis besprochen, so dass schließlich das Schreiben entstand, das jetzt im Priesterrat besprochen wurde.

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