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Bistum Limburg : Ein bisschen Frieden

  • -Aktualisiert am

Gottesdienst mit Gast aus Rom: Kardinal Lajolo (links) und der Limburger Bischof Tebartz-van Elst in Königstein Bild: Kretzer, Michael

Kardinal Lajolo hat seine Mission beendet und beim Kreuzfest in Königstein Einmut im Bistum Limburg gefordert. Doch der Konflikt ist noch nicht ausgestanden.

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          Blumengestecke in den Farben des Vatikan - Gelb und Weiß - als kleiner floraler Gruß an den hohen Gast aus Rom, ein Fahnenmeer beim Einzug, festlich-heitere Musik: Der Gottesdienst zum „Kreuzfest“, dem zentralen Fest des Bistums Limburg, auf dem Hof der St.-Angela-Schule in Königstein hatte alles, was das Herz eines Katholiken gemeinhin höher schlagen lässt. Wenn da nicht die tiefe Krise wäre, die das Bistum derzeit durchlebt. Schließlich war Giovanni Kardinal Lajolo eigens von Papst Franziskus ins Bistum geschickt worden, um sich ein Bild von der Situation zu machen und um angesichts der Kritik an Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst Wege zur Einheit zu suchen.

          Seinem Auftrag bleibt er auch in Königstein treu, wirbt in der Predigt im Namen des Papstes vor mehreren hundert Gläubigen um Versöhnung, Einmut, Demut, Frieden und Geduld. Wie gravierend die Situation im Bistum ist, zeigen auch die Worte des Bischofs vor dem Beginn der Messe. Das Bemühen um Versöhnung sei „kein leichter und vor allem ein langer Weg“, sagt er und bittet die Gläubigen um Nachsicht und Verzeihung, „wo ich Sie enttäuscht und verletzt habe“.

          „Möchte Taten vom Bischof sehen“

          Ein Ruck geht vom Königsteiner Kreuzfest aber nicht aus. Der Kardinal bekommt zwar auch Applaus für seine Predigt, und ein Gläubiger hält die Messfeier angesichts der Krise für „vom Niveau her gelungen“. Andere beklagen eine Medienkampagne gegen den Bischof. Doch es gibt auch weiter Kritik. „Was heißt Versöhnung denn konkret?“, will ein Gläubiger wissen. „Ich möchte Taten vom Bischof sehen.“ Ein anderer sieht im Besuch Lajolos den „Einstieg zum Ausstieg für den Bischof“, ein Dritter nimmt ein Wort des Papstes auf und findet, dass es Tebartz-van Elst als Hirten nach wie vor am „Geruch der Schafe“ mangele.

          „Man sollte den Kampf so lange führen, bis es gar nicht mehr geht“, meint eine Katholikin, „aber Hoffnung habe ich keine mehr.“ Anders urteilt Paul-Stefan Freiling, Vorsitzender der Bezirksversammlung Hochtaunus: „Ich habe das Gefühl, es kann ein Neuanfang gelingen.“ Das Thema sei aber noch nicht ausgestanden.

          Das zeigt auch die Reaktion auf die Entschuldigungsworte des Bischofs, die er vor der Messe fand. Die einen loben sie, weil sie über das hinausgingen, was er bisher gesagt habe, die anderen sehen in ihnen nichts Neues: „Es fehlt die Substanz.“

          Zurück nach Rom

          Wie Lajolo und Tebartz-van Elst die Situation einschätzen, bleibt deren Geheimnis. Sie waren in Königstein für die Medien nicht zu sprechen, wie vorher mitgeteilt wurde. Günther Geis hingegen spricht. Danach gefragt, wie es nach diesem Sonntag weitergehe, mag der Domdekan und Vorsitzende des Domkapitels keine Prognose abgeben. „Wir sind guten Mutes“, obgleich nicht alle „Beobachtungen“ der jüngeren Zeit ausgelöscht seien. Der Kardinal habe Brücken gebaut, nun müsse man sehen, wie der Bischof damit umgehe.

          Damit überhaupt der Versuch eines Neubeginns gemacht werden kann, brauchte es die ganze Autorität des Papstes. Auf ihn berief sich Lajolo nicht nur in Königstein, sondern dem Vernehmen nach auch in den vielen Gesprächen, die er im Bistum geführt hat. Seit Montag hat er sich mit Bischöfen, dem Domkapitel, anderen Geistlichen und Laienvertretern getroffen. Heute fliegt er wieder zurück nach Rom, um dem Papst Bericht zu erstatten.

          Was er dem Bistum hinterlässt, ist eine von ihm mitunterzeichnete Erklärung des Bischofs und des Domkapitels. Es war die Aufgabe des Hochtaunus-Bezirksdekans Paul Lawatsch, sie nach dem Gottesdienst in Königstein zu verlesen. In ihr sichert Tebartz-van Elst zu, alle Kosten für die Baumaßnahme auf dem Domberg - seinen Wohn- und Dienstsitz in Limburg - im Ordinariat feststellen zu lassen und einer externen Sonderprüfung zugänglich zu machen. Außerdem habe er „erneut seinen festen Willen zum Ausdruck gebracht“, bei der Leitung der Diözese von den Beratungsorganen regelmäßigen und verlässlichen Gebrauch zu machen.

          Auf Erklärung aufbauen

          „Diese Erklärung ist eine Basis, auf der wir alle aufbauen können - und müssen“, sagt Ingeborg Schillai, die Präsidentin der Diözesanversammlung, nach dem Gottesdienst. „Das Miteinander muss besser werden.“ Andere hingegen sind von der Verlautbarung eher enttäuscht, die zu sehr auf Harmonie setze und mit der das Domkapitel klein beigegeben habe. Eine solche Betrachtung weist Geis als „kurzsichtig“ zurück, es gehe nicht um eine Sieger-Verlierer-Logik. Schillai weiß, wie sehr der Konflikt im Bistum Limburg auch außerhalb seiner Grenzen auf Interesse stößt. Sie war am Freitag und Samstag in Stuttgart, wo der von der Deutschen Bischofskonferenz initiierte Dialogprozess mit rund 300 Teilnehmern fortgesetzt worden war. „Wir werden beobachtet“, sagt Schillai. Das sieht auch Paul-Stefan Freiling so: „Wir werden daran gemessen, wie wir miteinander umgehen.“

          Ein erster Test dafür ist die heutige Sitzung des Priesterrats in Limburg. Bald steht auch wieder ein Treffen von Bischof und Hofheimer Kreis an, jenen Priestern, die im vergangenen Jahr mit einem kritischen Schreiben die Diskussion ins Rollen gebracht hatten. Zu ihm gehört auch der Königsteiner Pfarrer Olaf Lindenberg. „Spannend ist, wie ein Aufeinanderzubewegen möglich ist“, sagt der Pfarrer. Einen konkreten Ausweg sieht auch er noch nicht.

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