https://www.faz.net/-gzg-a67kt

Sexueller Missbrauch : Bistum Fulda will Täter nennen

  • -Aktualisiert am

Hirte von fast 400.000 Schäfchen: Michael Gerber, neuer Bischof von Fulda Bild: dpa

Das Bistum Fulda will die Missbrauchsfälle in der Diözese aufarbeiten. Bischof Michael Gerber erläutert, warum das Bistum erst jetzt damit beginnt.

          2 Min.

          Im Bistum Fulda soll eine aus neun Personen bestehende Kommission den sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in der Diözese aufklären. Wie Bischof Michael Gerber in einem Pressegespräch am Donnerstagabend sagte, wird das Gremium seine Arbeit möglichst bald aufnehmen. Es setze sich zusammen aus drei Personen, die haupt- oder ehrenamtlich für das Bistum arbeiteten, vier Personen ohne Bistumsbezug, unter ihnen ein im Umgang mit Tätern erfahrener Forensiker. Außerdem sollen laut Gerber zwei Betroffene in der Kommission sitzen. Auf die Frage, warum das Bistum Fulda, anders als andere Bistümer, noch nicht mit der Aufarbeitung begonnen habe, verwies Gerber auf den Bischofswechsel in der Diözese; er ist seit März 2019 im Amt.

          Grundlage der Aufarbeitung wird nach Worten des Bischofs eine im Juni von der Deutschen Bischofskonferenz und dem Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung unterzeichnete „Gemeinsame Erklärung über verbindliche Kriterien und Standards für eine unabhängige Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche in Deutschland“ sein. Sie sieht vor, dass in allen 27 Bistümern eine unabhängige Kommission an die Arbeit geht, die aus Vertretern des Bistums, Experten aus der Wissenschaft und der Fachpraxis besteht. Auch die Justiz, die öffentliche Verwaltung und Betroffene sollen den Kommissionen angehören.

          Bistum Limburg schon weiter

          Unabhängig davon haben manche Bistümer ihre Aufarbeitung schon weit vorangetrieben. So hat das Bistum Limburg bereits Mitte Juni 2020, noch vor der Unterzeichnung der gemeinsamen Erklärung, eine Studie fertiggestellt. Darin sind 61 konkrete Schritte gegen den Missbrauch erarbeitet worden. Das Limburger Projekt vertieft – wie auch die neuen Kommissionen – die Erkenntnisse aus der bundesweiten MHG-Studie zum Missbrauch in der katholischen Kirche, die im Herbst 2018 veröffentlicht worden war.

          Gerber sagte, er gehe davon aus, dass es am Ende der Fuldaer Aufarbeitung möglich sein werde, Täter, Helfer und Vertuscher des Missbrauchs im Bistum auch namentlich zu benennen. Das Bistum Limburg hat dies unter Führung von Bischof Georg Bätzing getan.

          Beirat der Betroffenen

          Gerber berichtete außerdem von dem Plan, gemeinsam mit den Bistümern Limburg und Mainz einen aus ebenfalls neun Personen bestehenden Betroffenenbeirat zu bilden, der dann auch entscheiden werde, welche zwei Mitglieder in die Fuldaer Kommission entsandt würden. Einen Aufruf mit der Bitte um eine Teilnahme an dem Beirat solle es Anfang 2021 geben. Gerber äußerte: „Ich hoffe, dass der Beirat im Frühjahr seine Arbeit aufnehmen kann.“

          Die anstehende Weihnachtszeit hält Gerber angesichts der Corona-Pandemie für eine „Riesenherausforderung“. Im Sommer hätten die Gemeinden angesichts niedriger Infiziertenzahlen „vieles fröhlich geplant“. Jetzt jedoch stellten sie fest, dass vieles nicht möglich sei. Zwar seien im Bistum Fulda ohnehin nicht so viele Außengottesdienste für die Feiertage geplant worden. Doch klar sei nun auch, dass in den Kirchen weiterhin strikt die Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten werden müssten.

          Zwar lasse sich in der Weihnachtszeit die Zahl der Gottesdienste vergrößern, sagte der Fuldaer Bischof. Die Frage laute aber: „Bis zu welchem Grad kann man die Frequenz erhöhen?“ Zu berücksichtigen sei dabei auch, dass sich immer mehr Geistliche selbst in Quarantäne befänden und für die Gottesdienste ausfielen. Derzeit seien ihm drei Fälle bekannt, ein Priester habe sich mit dem Coronavirus angesteckt. Deshalb werden seiner Ansicht nach viele Gemeinden abermals Gottesdienste streamen, also im Internet übertragen. Dennoch sei klar: „Es wird an Weihnachten etwas fehlen.“

          Neues Logo

          Außerdem stellte das Bistum ein neues Logo vor; es soll das alte Wappen nach und nach als Erkennungszeichen ersetzen. Das Logo in Gelb- und Orangetönen verbindet das Kreuz als universales Markensymbol der Kirche mit einer imaginären, stilisierten Sprechblase. Bei der Entwicklung habe das Bistum Fulda mit dem Bistum Münster kooperiert, erläuterte ein Sprecher.

          Auch im Münsterland befinde sich die katholische Kirche in einem Prozess des Kulturwandels. Dessen Ziel sei es, „eine offene, lebendige Kirche zu sein, die nicht mehr von der Kanzel herab zu den Menschen spricht“. Stattdessen wolle sie sich dem Dialog, anderen Meinungen und alternativen Lebensmodellen öffnen, um Beziehung aufzubauen und zu fördern.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Jetzt sind alle ernannt: Kanzler Olaf Scholz und sein Kabinett beim Bundespräsidenten.

          Scholz-Regierung : Der Auftrag der Ampel

          Das Virus hat der neuen Bundesregierung vor dem Start eine wichtige Lektion erteilt. Sie sollte sie beherzigen.
          Klare Sache: Thomas Müller und der FC Bayern München besiegen den FC Barcelona.

          Champions League : Barcelona erlebt Debakel beim FC Bayern

          In München geht der einstige Spitzenklub mit 0:3 unter. Weil parallel Benfica Lissabon souverän gewinnt, scheidet der FC Barcelona aus der Champions League aus. Die Bayern bejubeln ein Tor-Jubiläum von Thomas Müller.
          Was hat Wladimir Putin in der Ukraine vor?

          Ukraine-Krise : Russlands wunde Punkte

          Neue westliche Sanktionen könnten Russland hart treffen – aber auch in Ländern wie Deutschland Schaden anrichten, das von russischem Gas abhängig ist.