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Bis zu 90 Prozent Kursgewinn : Die besten Aktien aus Rhein-Main 2015

Siegerzentrale: Der Firmensitz des Headset-Herstellers Ceotronics AG in Rödermark Bild: Cornelia Sick

Wer sein Geld nur auf das Sparbuch legt, kommt nicht vom Fleck. Wer hingegen einen Teil des Geldes in Aktien angelegt hat, kann sich auch dieses Jahr freuen. Die beste Aktie aus Rhein-Main ist ein ganz kleiner Wert.

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          Wer sein Geld nur auf das Sparbuch legt, kommt nicht vom Fleck weg angesichts der Minizinsen von 0,02 oder 0,05 Prozent im Jahr. Wer hingegen einen Teil des Geldes in Aktien angelegt hat, kann sich auch dieses Jahr freuen. Vor allem Nebenwerte haben wieder schöne Kursgewinne erzielt. Und die beste Aktie aus Rhein-Main ist ein ganz kleiner Wert.

          Die Überraschung

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wer vor Jahresbeginn diese Aktie im Sinn oder auf der unter Aktionären beliebten Watchlist hatte, der war entweder sehr mutig oder mit der Kunst des Hellsehens gesegnet. Denn die Ceotronics AG ist lange kein Wert gewesen, der seinen Besitzern viel Freude bereitet hätte: Auf Sicht von drei Jahren steht ein Kursgewinn von nur zehn Prozent zu Buche.

          Zudem ist der in Rödermark ansässige Mittelständler Ceotronics einer der kleinsten Werte an der Börse. Schon deshalb befindet er sich so gut wie nie im Blickpunkt von Anlegern. In diesem November hat sich das aber schlagartig geändert. Der Kurs liegt mehr als 90 Prozent über dem Niveau von Anfang Januar. Aber an den Geschäftszahlen liegt das nur bedingt.

          Ceotronics hat in der ersten Hälfte des Geschäftsjahrs 2015/16 gut ein Fünftel mehr umgesetzt als vor einem Jahr; die Erlöse summierten sich auf 8,5 Millionen Euro. Der Auftragsbestand erhöhte sich um 9,2 Prozent auf 5,8 Millionen Euro, und der Vorstand erwartet ein positives Jahresergebnis. Doch das alles ist erst seit Anfang Dezember bekannt - die Aktie war aber schon vorher stark gestiegen. Weshalb? Der Vorstand verweist auf die Anschläge von Paris im November und deren Folgen. So mancher Anleger spekuliere darauf, dass Ceotronics als Anbieter elektronischer Kommunikationssysteme für Polizei, Feuerwehr und Sicherheitsdienste wie zum Beispiel Headsets nun mehr Aufträge erhält. Ob dieses Kalkül aufgeht, wird sich in den nächsten Monaten zeigen.

          Der Dauerläufer

          Ein guter Aktienchart ist einer, in dem der Kurs von links unten nach rechts oben verläuft - und das möglichst ohne Einbrüche. Denn in solchen Fällen hat ein Titel seinen Besitzern über die Jahre hinweg regelmäßig mehr oder weniger schöne Kursgewinne beschert. Die Aktie von Fresenius aus Bad Homburg gehört zu dieser Sorte. In diesem Jahr haben sich im deutschen Leitindex Dax in Gestalt des Sportartikelherstellers Adidas und des Halbleiterproduzenten Infineon nur zwei Werte besser entwickelt als Fresenius; in den vergangenen fünf Jahren hat nur der Autozulieferer Continental die Hessen hinter sich gelassen. Derzeit ist die Aktie des von Ulf Schneider geführten Gesundheitskonzerns gut die Hälfte mehr wert als zu Jahresbeginn.

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          Das liegt daran, dass Gesundheitsdienste ein Wachstumsmarkt sind. Fresenius hat sich in diesem Markt breit positioniert: Unter dem Dach der Muttergesellschaft sind der ebenfalls im Dax vertretene Dialysedienstleister FMC, der Krankenhausbetreiber Helios, der Klinikenbauer Vamed und nicht zuletzt Kabi vertreten. Diese Tochtergesellschaft vertreibt Arzneimittel in flüssiger Form, das Geschäft läuft seit Monaten sehr gut, auch weil Kabi von den Spätfolgen von Produktionspannen bei Konkurrenten profitiert. Im Oktober hat Fresenius seine Jahresziele angehoben. Der Gewinn soll 20 bis 22 Prozent höher liegen als 2014.

          Der Umsiedler

          Die einst aus der Gabelstapler-Sparte der Linde AG hervorgegangene Kion Group wird vom übernächsten Jahr zu den Unternehmen in Frankfurt zählen. Im Oktober gab der Konzern bekannt, seine Zentrale aus Wiesbaden bis Ende 2017 in die Nähe des Frankfurter Flughafens zu verlegen. 200 Mitarbeiter ziehen dann um. Diese Prognose ist aber gewiss nicht der Grund für den Kursgewinn von 47 Prozent seit Anfang Januar. Vielmehr hält sich der Staplerbauer trotz der spürbaren Abschwächung der Nachfrage in dem für Kion wichtigen Markt China wacker.

          Wie die Wiesbadener im November berichteten, lag der Umsatz am Ende des dritten Quartals bei 1,24 Milliarden Euro und damit fast neun Prozent höher als zur gleichen Zeit des Vorjahres. Der Betriebsgewinn kletterte ähnlich stark auf 121,2 Millionen Euro. Zuletzt hob die Commerzbank ihre Einstufung für die Kion-Aktie von „Halten“ auf „Kaufen“ an und steckte das Kursziel bei 52 Euro; zuvor hatte Analyst Sebastian Growe gemeint, mit 38 Euro sei der Titel, der zuletzt 46 Euro kostete, gut bezahlt. Die Hochstufung begründete er mit dem Hinweis, eine früher als erwartet eingetretene Erholung der Nachfrage aus China und Brasilien bedeute ein weiteres Aufwärtspotential für das Geschäft von Kion. Da steigende Gewinne der im Grunde wichtigste Treibstoff für den Kurs einer Aktie sind, müsste sich dies dann eben auch an der Börse bemerkbar machen. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18,1 ist Kion weder teuer noch auffallend günstig.

          Die Wiedererstarkte

          Kurz vor Weihnachten hat die Stada ein Geschenk bekommen, auf das sie gerne verzichtet hätte. Die Analysten von Warburg Research haben das Kursziel für die Aktie des Bad Vilbeler Herstellers von Nachahmerarzneien (Generika) und anderen Gesundheitsprodukten leicht auf 35 Euro gesenkt. Zur Begründung verwies Warburg Research auf die anhaltende Rubel-Schwäche, die den Gewinn von Stada in Euro belastet. Von diesem Urteil abgesehen, war es aber ein erfreuliches Jahr für die im MDax gelistete Stada. Seit Beginn des Jahres haben die Anleger der Aktie zu einem schönen Kursgewinn von etwa 43 Prozent verholfen.

          Das besonders Hübsche daran ist, dass der Kurs im zu Ende gehenden Jahr so hoch steht wie in den zurückliegenden zwölf Monaten nicht. Dabei hat Stada weiter mit den Schwierigkeiten zu kämpfen, die den Wert zuvor auf Talfahrt geschickt hatten; die Rubel-Schwäche gehört dazu. Aber die Wetterauer verdauen die Währungsschwankungen zusehends besser. So wies Stada für das dritte Quartal einen Umsatz aus, der fast sechs Prozent über dem des gleichen Vorjahreszeitraums lag. Vor allem aber verdreifachte sich der Gewinn, nachdem er im ersten Halbjahr noch merklich gesunken war.

          In der Gesamtschau rechnet der Vorstand auch weiter mit weniger Gewinn als 2014, wie es im November hieß. Mitte Dezember signalisierte der Vorstand neue Zuversicht für das Russland-Geschäft. Finanzchef Helmut Kraft sagte, Stada erwarte dort „ein noch etwas dynamischeres Wachstum“. Kurz zuvor hatte Stada mitgeteilt, sich den Zugriff auf Botulinumtoxin A gesichert zu haben, ein Nervengift, das gegen Falten gegeben wird und umsatzträchtig ist. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13 ist Stada günstig.

          Die Zuverlässige

          Enis Ersü zeichnet ein gesundes Selbstbewusstsein aus. Aber das kann sich der Gründer, Großaktionär und Vorstandsvorsitzende der Isra Vision AG auch ohne Frage leisten. Der Darmstädter Spezialsoftware-Hersteller steht seit Jahren schon für eine der schöneren Börsengeschichten - und das ganz ohne Mitgliedschaft in einem der vielbeachteten Auswahlindizes. Seit 2009 ist die Aktie von 4,85 Euro auf gut 65 Euro gestiegen. Das bedeutet einen Zuwachs von mehr als 1200 Prozent; seit Januar steht ein Plus von 41 Prozent zu Buche. Zum Vergleich: Der Leitindex Dax hat seit 2009 einen Zuwachs von 167 Prozent geschafft. Dies zeigt wie andere Beispiele auf dieser Seite, dass Aktionäre nicht immer nur auf den Dax schauen sollten, wenn es um Dividendenpapiere geht. Vor allem lobt die Börse mit diesem Kursauftrieb die Verlässlichkeit und Wachstumsstärke von Isra Vision. Nur einmal hat Ersü mit einer Prognose von Geschäftszahlen danebengelegen - aber das war ihm einmal zu viel, wie er hin und wieder anmerkt. So prognostiziert er eher zurückhaltend und hält dafür Voraussagen zu Umsatz und Gewinn mit schöner Regelmäßigkeit ein.

          Dabei legt der Gewinn meist noch etwas stärker zu als der Umsatz - so auch im Geschäftsjahr 2014/15, das Ersü kurz vor Weihnachten bilanzierte. Der Umsatz lag schließlich bei 112 Millionen Euro, ein Zehntel höher als Ende 2013/14, der Vorsteuergewinn wuchs um 14 Prozent. Der Gewinn je Aktie legte auf den Bestwert von 3,39 Euro zu. Und die Gewinnmarge stieg um einen Punkt auf 18 Prozent. Anleger lieben solche Geschichten. Zumal der Auftragsbestand zuletzt mehr als 80 Millionen Euro betrug, nach 57 Millionen Euro vor einem Jahr. Mittelfristig will Ersü 150 Millionen Euro umsetzen.

          Geld verdient Isra mit Robotersteuerung und Oberflächeninspektion. Der Konzern verknüpft dafür Kameras mit dahinterliegender Software, die etwa Produktionsfehler in Bandstahl, Glasscheiben, Solarzellen und Banknoten erkennt.

          Die Digitale

          Wie der Spezialsoftware-Hersteller Isra Vision ist auch Syzygy in keinem großen Auswahlindex vertreten. Aber auch abseits von Dax oder SDax lässt es sich für Unternehmen gut leben. Denn über den Erfolg entscheidet das Geschäft - und das läuft für die Syzygy AG mit Sitz in Bad Homburg nach eigenen Angaben erfreulich. Syzygy ist eine internationale Agenturgruppe für digitales Marketing. Zu den Kunden gehören der Autovermieter Avis und die Modemarke Chanel, die Commerzbank und der Autobauer Daimler, der Kräuterlikörhersteller Jägermeister, der Kreditkartenkonzern Vida und auch der Telekommunikationsanbieter Telefónica Deutschland.

          Mit ihren Kunden macht die Syzygy-Gruppe offenbar gute Geschäfte. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahrs 2015 summierten sich Umsätze auf fast 42 Millionen Euro und lagen um 22 Prozent über Vorjahresniveau. Der Konzerngewinn stellte sich auf gut vier Millionen Euro, das waren sieben Prozent mehr. Daraus errechnete sich ein Ergebnis je Aktie von 30 Cent.

          Vor diesem Hintergrund will der Vorstand das Gesamtjahr mit Umsätzen von etwa 55 Millionen Euro abschließen, ein Plus von einem Fünftel im Vergleich zu 2014. Der Gewinn je Aktie soll bei rund 40 Cent landen nach 35 Cent vor einem Jahr. Laut Vorstand tragen sämtliche Geschäftssegmente zum Wachstum bei.

          Zuletzt ist die Aktie zu etwa 8,80 Euro gehandelt worden, das waren 35 Prozent mehr als zu Jahresbeginn. Trotz des Kurs-Gewinn-Verhältnisses von sportlichen 22,3, der Käufer zahlt also das 22,3-Fache des Gewinns, halten die Analysten von Warburg Research und jene von Equinet Syzygy für klar unterbewertet. Überdurchschnittlich ist die Dividendenrendite, die, gemessen am Kurs, 4,2 Prozent beträgt.

          Der Dauergast

          Im vergangenen Jahr hatte die Drillisch AG noch in der Rangliste der besten Aktien aus Rhein-Main vorne gelegen. Dazu hat es diesmal nicht gereicht. Aber mit einem Kursgewinn von gut 30 Prozent folgt der Titel des im TecDax gelisteten Mobilfunkdienstleisters aus Maintal nur knapp hinter den besten sechs; Gleiches gilt für die Deutsche Börse im Dax und die Deutsche Wohnen im MDax. Drillisch ist am Markt seit längerer Zeit mit Marken wie McSim, Maxxim, Hellomobil, Smartmobil und seit diesem Jahr auch Yourfone (vormals im Besitz von Telefónica Deutschland) vertreten. Der Anbieter erwirbt Telefonieminuten und Datenpakete von anderen Netzbetreibern und vertreibt sie unter den eigenen Marken weiter. Das machen die von dem Brüderpaar Paschalis und Vlasios Choulidis geführten Maintaler ziemlich gekonnt und profitabel.

          Drillisch steht für einen sagenhaften Aufstieg an der Börse: Seit 2002, als die Aktie bis auf 56 Cent gesunken war, ist der Kurs um gut 6800 Prozent gestiegen. Angesichts der schon hohen Bewertung zu Jahresbeginn mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 29 ist das zu Ende gehende Jahr deutlich holpriger verlaufen als etwa 2014. Dennoch scheinen Anleger Drillisch weiterhin eine Menge Wachstum zuzutrauen; anders ist das aktuelle hohe Kurs-Gewinn-Verhältnis von 42 kaum zu deuten. Und erst kurz vor Weihnachten hat der Vorstand die Prognose für den operativen Gewinn angehoben. Die Dividendenrendite von 4,6 Prozent ist klar überdurchschnittlich.

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