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Birgit Simon über Vorranggebiete : „Wir gehen raus und erklären die Windrad-Standorte“

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Diskussionsbereit: Birgit Simon, Erste Beigeordnete des Regionalverbands, hat die Standorte für Windräder erarbeitet. Bild: Dieter Rüchel

Von Februar an soll auch im Gebiet des Regionalverbands über die geplanten Vorranggebiete für die Windenergie öffentlich diskutiert werden. Das hat die Verbandskammer am Mittwoch beschlossen.

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          Wie stark werden die Auseinandersetzungen mit Bürgern und Kommunen um die Flächen für Windräder werden?

          Ich glaube, von Seiten der Bürger gibt es ein großes Interesse an den Windvorrangflächen, und dem stellen wir uns. Wir machen Veranstaltungen in den Kommunen, wir geben alle Informationen, die wir haben, an alle weiter. Wir werden den Entwurf ausführlich mit allen diskutieren.

          Die Bürger fürchten, dass die Windräder zu dicht an die Bebauung heranrücken und die Landschaft vor ihrer Haustür verschandelt wird. Können Sie die Sorgen nachvollziehen?

          Ich kann mir die Befürchtungen, die mit Windrädern einhergehen, durchaus vorstellen. Wir haben aber heute eine Zeit, in der die Energiewende vorangebracht werden muss. Und um Windräder aufstellen zu können, gibt es ganz viele harte Kriterien. Es werden hohe Ansprüche an eine Fläche gestellt, bevor sie überhaupt zu einer Windvorrangfläche werden kann. Natürlich wird die Frage, warum gerade bei mir, immer wieder gestellt. Das kann ich schon nachvollziehen. Aber andere im Gebiet des Regionalverbands fragen sich, warum gerade bei ihnen der Flughafen ist oder die Schnellstraße. Das sind Eingriffe, die störend sind, die aber zu unserer Entwicklung dazugehören.

          Die Kommunen wollen mehr Vorranggebiete auf eigenen Flächen haben. Dann könnten sie mitverdienen und den Bürgern die Räder schmackhafter machen.

          Dafür habe ich viel Verständnis. Denn die Akzeptanz für Windräder ist natürlich dort viel höher, wo die Kommune und damit auch die Bürger von der Wertschöpfung, die mit den Anlagen einhergeht, auch profitieren. Nur bei den Kriterien, die der Landesentwicklungsplan für die Ausweisung der Vorrangflächen vorschreibt, spielt die Frage, ist es eine kommunale oder eine private Fläche, keine Rolle. Sondern bei den Kriterien geht es um Gesundheitsschutz, Unzumutbarkeit, Denkmalschutz, Natur- und Artenschutz und anderes mehr. Danach werden die Flächen ausgewählt. In der jetzt beschlossenen Offenlage gibt es die Gelegenheit, dieses Kriterium des Flächeneigentums wieder einzubringen.

          Glauben Sie, dass die neue Landesregierung noch einmal etwas an den Kriterien ändern wird?

          Für die neue Landesregierung ist klar: Die Festlegungen des Energiegipfels, zwei Prozent der Landesfläche für die Windenergie vorzuhalten, und die Festlegungen des Landesentwicklungsplans gelten. Wenn etwas geändert werden könnte, dann deshalb, weil man merkt, dass das Zwei-Prozent-Ziel nicht erreicht wird. Oder aber bei der Offenlage zeigt sich, andere Aspekte müssten noch berücksichtigt werden.

          Die Bürger fürchten, dass die Windräder näher an die Bebauung heranrücken könnten, sollte das Zwei-Prozent-Ziel nicht erreicht werden.

          Davon gehe ich nicht aus. Um diesen Punkt wurde so viel gerungen, dass jetzt diese Frage nicht mehr angegangen wird.

          Es bleibt bei den 1000 Metern?

          Ich gehe davon aus, dass es bei den 1000 Metern bleibt. Es gibt jedoch die Frage, ob nicht einige Gebiete, die jetzt ausgeschlossen wurden, noch einmal überprüft werden müssten. Aber die Kriterien, die für die Bürger wichtig sind, wird eine neue Landesregierung nicht so schnell wieder in Frage stellen.

          Die Verbandskammer hat am Mittwoch auch beschlossen, Flächen, auf denen erwiesenermaßen viel Wind weht, nachträglich als Vorranggebiete aufzunehmen. Ist das eine Option für die Kommunen?

          Ja, das ist für die Kommunen wie auch für die Betreiber eine große Chance, weitere Flächen als Vorranggebiete in den Plan aufgenommen zu bekommen. Wir sind daran natürlich auch interessiert, weil wir das Zwei-Prozent-Ziel erreichen wollen. Unser Plan sieht derzeit gerade einmal 0,9 Prozent vor. Wir müssen zwar nur einen anteiligen Beitrag leiste, aber wenn noch Flächen zur Verfügung stehen, dann ist das sicherlich von Vorteil.

          Um es klar zu sagen: Wie viel Flächen für Windräder muss die Region liefern?

          Das Zwei-Prozent-Ziel ist ein Landesziel und wird immer bezogen auf die gesamte Fläche von Hessen.

          Wie kann man unter den Bürgern für mehr Akzeptanz für die Windenergie werben?

          Dass man vor Ort geht und mit ihnen spricht. Dass man erklärt, wie das zustande gekommen ist, dass keine Willkür herrscht und warum es gerechtfertigt ist, dass eine Fläche für Windräder in Frage kommt. Das werden wir tun. Aber man kann nicht jeden überzeugen, der prinzipiell gegen Windkraft ist. Das sind aber nur wenige in der Bevölkerung. Mehr als 80 Prozent wollen die Energiewende und akzeptieren Windkraftanlagen.

          Viele Kommunen kritisieren, die Vorranggebiets-Planung komme zu spät.

          Diese Planung kommt nicht zu spät, weil sie seit 2006 bekannt ist. Damals gab es den ersten Entwurf für Windvorrangflächen. Seitdem gibt es für Kommunen alle Möglichkeiten dieser Welt, aktiv zu werden. Sie können bis heute auf geeigneten Flächen, ohne dass diese Vorranggebiete sind, Windräder errichten.

          Wie viel Windräder gibt es derzeit?

          Das ist interessant: Auf jeder Versammlung bekomme ich auf die Frage, wie viele Windkraftanlagen es in den 75 Kommunen des Verbands gibt, die Antwort, es seien zwischen 200 und 250. In Wirklichkeit gibt es 23 Anlagen. Das Gefühl von der unerhörten Störung kann somit bei den meisten nicht aus eigener Anschauung erworben worden seien.

          Die Fragen stellte Mechthild Harting.

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