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Birgit Prinz : E-Mail aus Ozeanien

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Blickpunkt Hoffenheim: Birgit Prinz zieht es in den Kraichgau – als Spielerin und Sportpsychologin. Bild: Eilmes, Wolfgang

Birgit Prinz baut sich in Hoffenheim ein neues Standbein auf. Sie hospitiert im Bereich Sportpsychologie und erhält das Spielrecht für das Zweitligateam.

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          Das war mutig. Als Ralf Zwanziger im vergangenen Herbst darüber nachdachte, wie er den personellen Sorgen im Angriff seiner Zweitliga-Fußballspielerinnen der TSG Hoffenheim begegnen könne, kam er auf den Namen Birgit Prinz. Im Kraichgau denkt man ja seit einigen Jahren groß. Aber im Frauenfußball sind die Hoffenheimer noch nicht erstklassig in Erscheinung getreten. Dennoch durfte sich Zwanziger, Leiter der Frauen- und Mädchenfußballabteilung bei der TSG und Sohn des scheidenden DFB-Präsidenten, über den Coup freuen. Die Rekordnationalspielerin wird das Spielrecht für die Zweite Bundesliga Süd erhalten und bei den Hoffenheimerinnen ihr Comeback geben. Doch Zwanziger war bewusst, dass er die Rekordnationalspielerin nicht mit der Aussicht auf den Kampf um den Aufstieg gegen den Rivalen VfL Sindelfingen bekommen würde. Die Frankfurterin reizte in erster Linie die angebotene Hospitanz im Bereich Sportpsychologie in den Leistungszentren der TSG. „Hoffenheim ist im sportpsychologischen Bereich ein Vorzeigeverein. Dies gilt nicht nur für die Profis. Auch bei den Juniorenteams leistet der Verein eine intensive sportpsychologische Betreuung, und vor der Saison wurde hier auch bei den Frauen und Mädchen Neuland betreten“, ließ Birgit Prinz ausrichten.

          Die Vierunddreißigjährige ist noch im Urlaub in Neuseeland. Richtig entspannt dürfte sie dort erst Anfang des Jahres gewesen sein. Zuvor hatte Siegfried Dietrich, Manager ihres langjährigen Arbeitgebers 1. FFC Frankfurt, bei ihr um ein Comeback gebuhlt. Dazu lag seit dem Spätherbst die Offerte aus Hoffenheim auf dem Tisch. Die Kommunikation zwischen Ozeanien und dem Kraichgau, berichtet Zwanziger, sei vor allem per E-Mail erfolgt. Anfang des Jahres sagte die dreimalige Weltfußballerin dann Dietrich ab und Zwanziger zu. Birgit Prinz wird einen Vertrag bis Juni unterschreiben und von Februar an dreimal in der Woche mit den Hoffenheimer Kickerinnen auf dem Trainingsplatz stehen. Das Team ist durch Verletzungen, berufliche Verpflichtungen und durch häufige Abstellungen der U-17-Nationalspielerinnen knapp besetzt. Sportlich betritt Birgit Prinz bei den drei wöchentlichen Trainingseinheiten im Vergleich zum mit Stars gespickten FFC-Kader eine neue Welt, keine Frage.

          Verständnis für die Entscheidung der ehemaligen Spielerin

          „Aber beruflich“, so Zwanziger, „ist das eine einmalige Chance für sie.“ Die Diplom-Psychologin werde auch mit den Hoffenheimer Bundesligaprofis in Kontakt kommen. Das Sportpsychologenteam des Vereins betreut die Spieler von den Profis bis hinab zu den U-15-Junioren. Gerade die Heranwachsenden stammen häufig nicht aus der Region und leben und spielen fern der Heimat und Familie für die TSG. In erster Linie werde die einstige Rekordtorjägerin aber mit „den über hundert Frauen und Juniorinnen arbeiten, die dorthin kommen wollen, wo Birgit war“, sagt Zwanziger. Finanziell wäre für sie ein Comeback in Frankfurt lukrativer gewesen, von den Badenern bekommt sie zunächst lediglich die Fahrtkosten erstattet.

          Sven Kahlert zeigte Verständnis für die Entscheidung seiner ehemaligen Starspielerin. „Sie hat uns keinen Korb gegeben, sondern baut sich ein zweites berufliches Standbein auf“, sagt der FFC-Trainer. „Das kann man nachvollziehen, wenn man wie sie direkt aus dem Leistungssport kommt.“ Wie sich die Angriffsschwäche des FFC vor der Winterpause beheben lässt, darüber sind sie beim FFC noch uneins. Grundsätzlich vertraue man dem aktuellen Kader, „aber wir halten die Augen und Ohren offen“, so Kahlert. Wichtigstes Kriterium für den Erwerb einer neuen Offensivkraft: Sie muss in der Champions League spielberechtigt sein. Als Angreiferinnen stehen dem FFC nur die chronisch formschwache Jessica Landström und die lange verletzte Ana-Maria Crnogorcevic zur Verfügung. Kahlert möchte auch deswegen das zuletzt praktizierte 4-2-3-1-System in der Vorbereitung um mehrere Varianten anreichern. Bauen kann er dabei langfristig auf Saskia Bartusiak, die ihren Vertrag beim FFC bis 2015 verlängert hat. Bis dahin steht vielleicht auch Birgit Prinz längst wieder in Diensten des FFC, beispielsweise in Funktion einer Sportpsychologin. So schwebt es Manager Dietrich nämlich schon lange vor.

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