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Eine Frage des Preises : Weinkäufern sind Ökosiegel egal

Preisfrage: Die meisten Käufer achten bei ihrer Auswahl vor allem darauf, wie viel der wein kostet. Bild: dpa

Umweltministerin Priska Hinz wirbt vehement für den Bioweinbau. Aber den Kunden ist der Preis in aller Regel wichtiger als die Wirtschaftsweise. Und das ist ein Problem für die Winzer.

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          Geht es nach Umweltministerin Priska Hinz (Die Grünen), dann wird der ökologische Weinbau weiterhin an Zuspruch unter Hessens Winzern gewinnen. Bei der Weinbauwoche in Oestrich verwies Hinz in dieser Woche auf namhafte hessische Weingüter, die gezeigt hätten, dass „eine Ausweitung des ökologischen Weinbaus möglich und wirtschaftlich erfolgreich ist“. Laut Hinz werden inzwischen in Hessen fast 500 Hektar ökologisch bewirtschaftet. Das entspreche fast 15 Prozent der im Ertrag stehenden Weinberge. Hinz will die Entwicklung vorantreiben, unter anderem durch eine Ausweitung der Beratungsangebote des Landes für die Winzer.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Politische Wünsche spiegeln allerdings noch lange nicht die Realität am Weinregal im Supermarkt wider. Und weil viele Kunden vom Ökoweinkonzept nicht überzeugt sind, bleiben die Winzer skeptisch, zumal sie sich dabei auf die Erkenntnisse der Wissenschaft berufen können. Beispielsweise auf den Geisenheimer Betriebswirtschaftler und Marktforscher Gergely Szolnoki, der Bioweine nach wie vor in einer sehr kleinen Nische sieht. Gemeinsam mit seiner Mitarbeiterin Katharina Hauck hat er sich diese Nische näher angesehen. Beide sind zu einer frappierenden Erkenntnis gelangt: Die meisten Käufer von zertifizierten Bioweinen wissen gar nicht, dass sie tatsächlich Bioweine gekauft haben. Es war ihnen bei ihrer Kaufentscheidung also schnuppe. Hinzu kommt, dass die Konsumenten nach den Erhebungen der beiden Wissenschaftler generell sehr kritisch gegenüber Siegeln aller Art sind, vor allem wenn es um Lebensmittel und Getränke geht. Das Vertrauen in solche Siegel sei sehr gering, sagt Hauck, zumal deren Vielzahl vor allem Unübersichtlichkeit bedeutet. Zudem sind laut Hauck viele Weintrinker ohnehin der Überzeugung, dass Wein per se ein ökologisches Erzeugnis ist. „Ist nicht jeder Wein bio?“, sei die rhetorische Frage nicht weniger befragter Konsumenten. Zusammenfassend sind Hauck und Szolnoki der Ansicht, dass sich Bioweine an regelmäßige Weintrinker von höherem sozialen Status richten, die ohnehin beim Lebensmitteleinkauf stark „bioorientiert“ seien.

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