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Binding-Brauerei : Auch in Frankfurt ist Binding kein Selbstläufer mehr

Die Binding-Brauerei in Sachsenhausen ist umgebaut worden. Die Anfänge lagen am Garküchenplatz in der Altstadt, wo Conrad Binding heute vor 145 Jahren ins Braugeschäft einstieg. Bild: Wonge Bergmann

Die Binding-Brauerei ist ein Stück unbekanntes Frankfurt, eine Stadt in der Stadt. Das Unternehmen, das sich auf einem umkämpften Markt behaupten muss, öffnet einmal seine Türen.

          Das wissen viele Frankfurter gar nicht: dass die Stadt nach wie vor einer der bedeutenden Brauerei-Standorte Deutschlands ist. Denn die Binding-Brauerei in Sachsenhausen produziert nicht nur das gleichnamige Bier wie auch Henninger, den alten Erzrivalen. Sondern zudem die bekannten Marken Schöfferhofer und Clausthaler.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Die Brauerei tritt aber eben auch nicht viel in Erscheinung. Den größten Schlag hat man ihr 2002 verpasst, als man den Konzern, zu dem sie gehört, in Radeberger umbenannte. Bis dahin hieß er genauso wie die Brauerei: Binding eben. Dass man sich in der Konzernzentrale an der Darmstädter Landstraße mit dem Namen eines Ortes bei Dresden meldet, darf nach wie vor als irritierend gelten. Aber es war halt damals gewünscht, das wichtigste Bier im Portfolio des Konzerns auf die Weise noch bekannter zu machen.

          An diesem Samstag aber richtet die Binding-Brauerei einmal alle Scheinwerfer auf sich. Weil sich der Gründungstag zum 145.Mal jährt und weil der seit Jahren dauernde Umbau des Geländes weit vorangeschritten ist, sind die Frankfurter von 10Uhr an zum Hoffest geladen. Die Brauer geben sich dabei erdverbunden. Der Frankfurter Polizeichor tritt auf, die Rodgau Monotones spielen, und für Kinder gibt es einen Tanzworkshop mit der Frankfurter Garde.

          Eine kurze Geschichte des „Binding Adler“

          Solchen Rummel scheint Binding allerdings auch nötig zu haben. Brauereichef Otto Völker stehe offenbar unter Druck, war dieser Tage in der stets gut informierten „Lebensmittel Zeitung“ zu lesen. Er solle Frankfurt gegen den Angriff von Krombacher verteidigen. „Bei einem Marketingbudget von 400.000 Euro, so verlautet es aus Unternehmenskreisen, kein leichtes Handwerk“, hieß es weiter.

          Tatsächlich ist Binding auch in Frankfurt kein Selbstläufer mehr, obwohl es in der Stadt am Main seit nahezu eineinhalb Jahrhunderten gebraut wird. So hat die Krombacher-Brauerei in der Mainmetropole einen wichtigen Stich gemacht: Das Bier aus Kreuztal bei Siegen wird seit 2012 in der Commerzbank-Arena ausgeschenkt, also am prestigeträchtigsten Ort für die Branche in Frankfurt überhaupt. Binding hatte damals sogar eigens ein neues Bier kreiert, um den Zuschlag als Trikotsponsor und die Ausschankrechte zu bekommen. Doch der „Adler“, so der Name, erlebte eine harte Landung. Im Stadion kam er nicht zum Zuge, und die Frankfurter mochten das Produkt auch nicht. Die Geschichte des „Binding Adler“ währte nur kurz, während Krombacher weiter Premium-Sponsor der Eintracht ist.

          Kaum Werbung für das lokale Bier

          Wie es um Binding genau steht, wird nicht verraten. Die Brauerei veröffentlicht keine Zahlen, und auch die Radeberger-Gruppe macht nur rudimentäre Angaben über ihren Geschäftsverlauf. Die Gruppe gehört ihrerseits zu Oetker, doch in Bielefeld ist ebenfalls nichts über den Erfolg einzelner Biere zu erfahren. Beobachter der Branche meinen, der Trend zurück zu regionalen Bieren sei in anderen Ballungsräumen stärker ausgeprägt als im Rhein-Main-Gebiet. So bewerbe die Radeberger-Gruppe in Dortmund ihr lokales Bier der Marke Brinkhoff’s No.1 weitaus mehr als in Frankfurt Binding. Am Main versuche der Konzern eher, Radeberger zu stärken, das Pils aus Sachsen.

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